Meng Hongwei im Juli 2017 bei einer Veranstaltung in Singapur. | Bildquelle: AP

Korruptionsvorwurf China klagt Ex-Interpolchef an

Stand: 10.05.2019 16:52 Uhr

Der ehemalige Interpolchef Meng wird in China wegen Korruption angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Machtmissbrauch und Bestechlichkeit zu seiner Zeit als stellvertretender Minister für öffentliche Sicherheit vor.

Die chinesische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den früheren Interpol-Chef Meng Hongwei wegen Korruption erhoben. Die Behörde in der nordöstlichen Stadt Tianjin wirft Meng vor, "illegal Bargeld und Vermögenswerte als Gegenleistung für Gefälligkeiten für andere" angenommen zu haben. "Die Summen waren besonders hoch", hieß es.

Meng habe seine Stellung unter anderem als Vizeminister für Öffentliche Sicherheit und Chef der Hafenpolizei missbraucht. Der Disziplinarausschuss der Kommunistischen Partei hatte Meng schon zuvor nach einer Untersuchung vorgeworfen, er habe seine Macht missbraucht, um den "extravaganten Lebensstil" seiner Familie führen zu können.

Irritationen über Verschwinden Mengs

Meng war im September 2018 vermisst gemeldet worden, nachdem er von seinem Dienstsitz Frankreich nach China gereist war. Kurz darauf wurde bekannt, dass er in seinem Heimatland festgnommen wurde. Die offizielle Verhaftung Mengs erfolgte im April. Zugleich wurde er von öffentlichen Ämtern und aus der Partei ausgeschlossen.

Meng war 2016 zum Interpol-Chef gewählt worden. Die Behörde mit Sitz in Lyon wurde über die Festnahme Mengs nicht von den chinesischen Stellen informiert.

Es wird vermutet, dass Meng die Gunst von Präsident Xi Jinping verloren hatte. Xi startete eine große Kampagne zur Bekämpfung von Korruption, die auch als Werkzeug gesehen wird, interne Rivalen kalt zu stellen und die eigene Macht zu festigen. Seitdem sind in China bereits mehrere hochrangige Beamte verschwunden. Oft tauchten sie nach einigen Monaten als Angeklagte vor Gericht auf.

Frau bleibt in Frankreich

Mengs Frau Grace sieht das Vorgehen gegen ihren Mann als politisch motiviert an, der Fall sei konstruiert. Sie hatte Meng im vergangenen Jahr als vermisst gemeldet, nachdem er von seinem Interpol-Dienstsitz in Frankreich eine Reise in sein Heimatland China angetreten hatte. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte sie, sie habe ihn seitdem nicht mehr gesehen oder gehört. Sie forderte einen Beweis, dass er noch am Leben ist. Grace Meng ist mit ihren beiden Kindern in Frankreich geblieben.

Grace Meng, die Frau des inhaftierten Ex-Interpolchefs | Bildquelle: dpa
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Grace Meng lebt weiterhin in Frankreich und möchte aus Angst nicht erkannt werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2019 um 18:00 Uhr.

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