Angela Merkel | Bildquelle: FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX

G7-Gipfel in Biarritz Merkel zwischen den Alphatieren

Stand: 24.08.2019 11:55 Uhr

Kanzlerin Merkel reist seit Jahren zu internationalen Gipfeln. Was nutzt ihre Erfahrung in der illustren Runde und wie bewegt sie sich in der Männerrunde unter den Trumps, Johnsons und Macrons dieser Welt?

Von Anja Günther, ARD-Hauptstadtstudio

Manchmal sagt ein Foto mehr als 1000 Worte: Beim G7-Gipfel 2018 in Kanada schaut die Bundeskanzlerin Angela Kanzlerin ernst und erklärt den umstehenden Staats- und Regierungschefs die Welt. So jedenfalls wirkte das Bild: Merkel, die Herrin der Lage. Ein Foto, das in den Sozialen Medien schnell zum Renner avancierte.

G7-Gipfel 2018 | Bildquelle: AP
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Ein Bild ging um die Welt: Merkel inmitten der Männerrunde beim G7-Gipfel in Kanada

Die Öffentlichkeit, sagt Heribert Dieter, G7-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik, nehme atmosphärische Stimmungen sehr genau zur Kenntnis:

"Ob das jetzt der verweigerte Handschlag ist oder ob das ungünstige Körperhaltungen sind, die dann fotografiert werden - das steht stärker im Mittelpunkt als das Gemeinsame."

Wie muss eine Kanzlerin gucken?

Wie muss eine Bundeskanzlerin eigentlich gucken, wenn sie einem Politiker wie US-Präsident Donald Trump ohne Selbstzweifel begegnet? Merkel ist da selten Pokerface, die mäßige Begeisterung ist ihr meist anzusehen. Obwohl Trump die Kanzlerin bei fast jeder sich bietenden Gelegenheit lobt: Merkel sei eine fantastische Person, er sei glücklich, sie zur Freundin zu haben. Glaubwürdig sind Trumps Lobeshymnen nicht.

Das Verhältnis zwischen Berlin und Washington ist erkaltet. Die Bundesregierung ärgert der Dauervorwurf des US-Präsidenten, Deutschland engagiere sich außen- und sicherheitspolitisch zu wenig.

Der Handelskonflikt der USA mit China und Europa, Trumps "America-first-Strategie" tun ihr übriges. Ist Merkel in den USA, wie zuletzt in Harvard, meidet sie Trump - der wiederum fliegt fast überall hin, nur nicht nach Deutschland.

Für G7-Experte Dieter ist klar, was Merkel beim Gipfel in Biarritz jetzt tun müsste:

 "Sie könnte sagen: Wir nehmen eure amerikanischen Sorgen zur Kenntnis und wir sind bereit, da auf euch zuzugehen."

Kann Merkel den Takt vorgeben?

Der G7-Gipfel bietet die Chance für persönliche Begegnungen, für Vier-Augen-Gespräche. Stefan Liebich, außenpolitischer Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, glaubt, dass es der Kanzlerin gelingen kann, in der ansonsten reinen Männerrunde den Takt vorzugeben:

"Ich habe sie schon bei Reisen begleiten können. Am Ende hat sie doch das, was sie wollte, zu großen Teilen durchsetzen können. Das ist häufig nicht das, was ich mir wünsche. Aber ich glaube, sie lässt sich von solchen Typen da nicht ins Bockshorn jagen.“

Emmanuel Macron und Angela Merkel | Bildquelle: AFP
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Merkel und Macron: Gelingt es ihnen, die Fäden in Biarritz zu ziehen?

Konsens? Mit Macron möglich

In Biarritz erfolgreich die Fäden ziehen, einen Konsens bei schwierigen Themen wie Handel, Klima, Außenpolitik finden - das dürfte Merkel am ehesten im Duett mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gelingen.

Der umtriebige französische Präsident verfolgt allerdings seine eigene Agenda: Als Gipfelgastgeber möchte er am Ende als der große Vermittler dastehen. Merkel dürfte in dieser Situation nach ihrem üblichen Muster vorgehen: "Ich glaube, dass ich schon zu denjenigen gehöre, die sehr klar aussprechen können, was ich möchte."

Boris Johnson und Angela Merkel | Bildquelle: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX
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Boris Johnson: Vor dem G7-Gipfel noch ein Antrittsbesuch in Berlin.

Boris Johnson - ein schwieriger Partner?

Auch ein dritter Gipfelteilnehmer könnte ein schwieriger Partner werden: Boris Johnson. Der neue britische Premier, der den Brexit notfalls ungeordnet durchziehen will, also auch ohne Abkommen mit der EU. Immerhin aber kam Johnson am Mittwochabend noch zum Antrittsbesuch nach Berlin. Und Merkel erklärte ihm noch schnell, wie sie mit engen Partnern Probleme zu lösen pflegt - und zwar "im Geiste der Freundschaft, im Geiste des Wunsches, Verständigung zu finden", sagt sie. "Danke, Mrs. Merkel", antwortete Johnson.

Mr. Johnson will es mit der Kompromissfähigkeit wohl versuchen. Auch beim G7-Treffen in Biarritz. Zu dem andere Gipfel-Teilnehmer ebenfalls so ihre Probleme mitbringen: Regierungskrise in Italien, Bestechungsskandal in Kanada - einzig Japans Premier Abe scheint ohne größere Sorgen nach Biarritz zu reisen. Merkel also auf schwieriger Mission. Sie kennt das.

G7-Gipfel: Angela Merkel - Urgestein unter Alphatieren
Anja Günther, ARD Berlin
23.08.2019 08:06 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. August 2019 um 08:26 Uhr.

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