Flüchtlinge auf der Diciotti | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge auf der "Diciotti" "Diese Menschen sind am Ende"

Stand: 21.08.2018 18:35 Uhr

Zwar hat das Schiff der italienischen Küstenwache mit 177 Migranten einen italienischen Hafen angelaufen - von Bord dürfen die Menschen aber nicht. Italiens Innenminister Salvini setzt auf Eskalation.

Von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Das war schon eine paradoxe Situation: Ausgerechnet einem Schiff der italienischen Küstenwache wurde tagelang die Einfahrt in einen italienischen Hafen verweigert. Aber vieles ist zur Zeit paradox: Obwohl seit Jahresbeginn so wenige Migranten über das Mittelmeer nach Italien gekommen sind wie schon lange nicht, nämlich etwa 19.000, setzt vor allem Innenminister Matteo Salvini auf Eskalation:

"Entweder Europa erinnert sich daran, dass es existiert, oder Italien hört auf ein Flüchtlingslager zu sein, wo alle ankommen und bleiben und die Italiener dafür zahlen. Wir haben den europäischen Freunden gesagt: wenn es eine konkrete, schnelle Hilfe gibt, dann gut. Ansonsten, in Anbetracht der 700.000 Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren in Italien angekommen sind, sagen wir: Wir haben unsere Schuldigkeit getan."

Entweder gebe es Hilfe und eine sofortige Umverteilung, oder man mache das einzige, was helfen würde die Schlepper und deren Geschäft zu stoppen: diese Leute nach Libyen zurückbringen, so Salvini.

Folter und Vergewaltigung in libyschen Lagern

Menschenrechtsorganisationen und auch Organisationen der Vereinten Nationen lehnen diese Überstellung ab. Dass in libyschen Lagern Folter, Vergewaltigung und Mord an der Tagesordnung sind, sieht man offenbar auch den Migranten an Bord des Schiffs "Diciotti" an. Viele tragen den Berichten zufolge Spuren von Folter und sind traumatisiert.

Immerhin hat Italien 13 von ihnen sofort nach Lampedusa zur ärztlichen Versorgung gebracht. Doch Italien will die Menschen nicht aufnehmen - das Außenministerium in Rom hat andere EU-Staaten gebeten das zu tun, bislang ohne Erfolg.

177 Menschen dürfen vorerst nicht von Bord
tagesschau 20:00 Uhr, 21.08.2018, Ellen Trapp, ARD Rom

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Giovanna Di Benedetti von "Save the Children" kritisiert, dass dieser Kampf auf dem Rücken von ohnehin schon sehr geschwächten Menschen ausgetragen wird: "Bei dieser Hängepartie zahlen vor allem die, die am meisten verwundbar sind: vor allem Minderjährige." Das verstoße gegen jede Konvention zum Menschenrecht, so Di Benedetti.

An Bord des Schiffes seien Minderjährige, Frauen, Menschen, die lange in den Lagern in Libyen waren. "Diese Menschen sind am Ende. Dass man diesen Menschen und den Kindern so lange einen sicheren Hafen verweigert, wo ihnen geholfen wird, ist unannehmbar", so Di Benedetti.

Streit zwischen Italien und Malta

In den vergangenen Tagen lieferten sich Italien und Malta einen Streit um die Flüchtlinge. Die italienische Küstenwache hatte sie offenbar in der Such- und Rettungszone in Sicherheit gebracht, für die eigentlich Malta zuständig ist.

Joseph Muscat, Maltas Premierminister, weist alle Verantwortung von sich: "Wenn diese Leute uns gesagt hätten: 'Wir sinken, lasst uns nach Malta' oder wenn wir gesehen hätten, dass sie sinken, hätten wir sie nach Malta gebracht. Diese Leute aber haben uns gesagt: 'Lasst uns allein. Wir sind in internationalen Gewässern, das ist nicht eure Sache. Ihr könnt uns nicht stoppen.' Das Gesetz sage, dass man sie allein lassen müsste und Italien das jetzt regeln müsse. Aber während er das sage, gebe es Spannungen zwischen Malta und Italien, so Premierminister Muscat.

Wasser auf hoher See in Boot eingedrungen

Flüchtlinge hatten berichtet, in ihr Boot sei auf hoher See Wasser eingedrungen. Italien hat die Menschen gerettet, doch wenn es um die Aufnahme der Menschen geht, um ihre Möglichkeit einen Asylantrag zu stellen, bleibt die Regierung in Rom hart.

Carlotta Sami vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen sagt, das motiviere nicht gerade, Menschenleben auf See zu retten, denn wenn zum Beispiel ein Handelsschiff Migranten rette, habe es in diesen Wochen ein Problem: "Diese anhaltende Situation von Leuten auf dem Mittelmeer ist falsch und gefährlich. Und ehrlich gestanden, schwächt sie die europäischen Länder. Irgendwie wirkt das, was gerade passiert, nicht wie ein Wettbewerb, wer die beste Lösung hat, sondern wie ein Wettbewerb darum, wer am wenigsten Verantwortung übernehmen muss."

1500 Tote seit Jahresbeginn

Eine Folge dieser kollektiven Verantwortungslosigkeit sind die Toten: Mehr als 1500 sind seit Jahresbeginn schon im Mittelmeer gestorben, obwohl sich bislang, im Vergleich zu den Vorjahren, nur relativ wenig Menschen auf den gefährlichen Seeweg wagen.

Hängepartie um Migranten auf der "Diciotti" geht weiter
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
21.08.2018 17:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. August 2018 um 16:00 Uhr.

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