Migranten schlafen an Bord eines Rettungsschiffs. | Bildquelle: dpa

Malta und Italien Wieder Streit über Aufnahme von Migranten

Stand: 14.07.2018 12:24 Uhr

Erneut streiten Italien und Malta über die Aufnahme von Migranten, die im Mittelmeehr unterwegs sind. Zwar wurden die 450 Menschen inzwischen von ihrem Holzboot gerettet, unklar ist aber, wohin sie sollen.

Italien und Malta streiten erneut über die Zuständigkeit für Migranten, die im Mittelmeer unterwegs sind. Die mehr als 400 Menschen befanden sich am Freitag an Bord eines Holzschiffes.

Die Regierung in Valetta behauptete, das Schiff befände sich 53 Seemeilen von Lampedusa und 110 Seemeilen von Malta entfernt. Man habe keine Befugnis, Anweisungen zu geben. Zudem würden die Menschen an Bord lieber nach Italien einreisen.

Nach Angaben des italienischen Außenministeriums hatte das Boot die Behörden in Rom am Freitagfrüh alarmiert, dass es Minderjährige an Bord habe, die "dringend Hilfe benötigen". Das Schiff habe sich zu diesem Zeitpunkt allerdings in maltesischen Gewässern befunden.

Italiens Innenminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini erklärte jedoch, er werde dem Schiff mit mehr als 400 Menschen an Bord nicht erlauben, in einem italienischen Hafen anzulegen.

"Malta, die Schleuser und die Gutmenschen sollen wissen, dass dieses Schiff hier nicht anlegen wird", schrieb der Chef der rechtsextremen Partei Lega in den sozialen Netzwerken Facebook und Twitter. "Wir haben schon gegeben, verstanden." Damit spielte Salvini offenbar auf rund 600.000 Migranten an, die in den vergangenen Jahren auf hoher See gerettet und nach Italien gebracht wurden.

Menschen vom Holzboot gerettet

Am Samstagmorgen nahmen ein Frontex-Schiff und ein Boot der italienischen Küstenwache die Menschen von Bord des Schiffes auf. Acht Frauen und Kinder seien wegen ihres Gesundheitszustands von der italienischen Küstenwache nach Lampedusa gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Wo die übrigen Menschen an Land gehen können, ist jedoch unklar. Sie sollten nach Malta "oder noch besser nach Libyen" gebracht werden, sagte Salvini in einem Telefonat mit Regierungschef Giuseppe Conte, wie aus Kreisen der Partei Lega verlautete.

Keine privaten Seenotretter unterwegs

Unklar war, wer das Holzboot von Libyen aus gesteuert hatte. Üblicherweise legen von dort Schlauchboote ab, die nicht eigenständig nach Italien gelangen können.

Italien und Malta stritten in den vergangenen Wochen wiederholt über die Zuständigkeit für Flüchtlingsschiffe. Im vergangenen Monat hatte Malta nach längerem Zögern die "Lifeline" mit 234 Menschen an Bord anlegen lassen.

Tage zuvor hatten Italien und Malta das Rettungsschiff "Aquarius" mit 630 Flüchtlingen an Bord zurückgewiesen. Am Ende erklärte sich Spanien bereit, das Schiff anlegen zu lassen und die Migranten aufzunehmen.

Derzeit sind keine privaten Seenotretter auf dem Mittelmeer unterwegs. Ihnen wird vorgeworfen, indirekt den Schleppern in die Hände zu spielen, indem sie die Migranten von den schrottreifen Booten retteten und nach Italien bringen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2018 um 12:00 Uhr.

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