Protest gegen Polizeigewalt in Lexington/USA.  | Bildquelle: AP

Tod eines Schwarzen in Minneapolis Proteste quer durch die USA

Stand: 30.05.2020 16:11 Uhr

In den USA reißen die Proteste nicht ab. Demonstranten forderten in zahlreichen Städten Gerechtigkeit für George Floyd, der nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis gestorben war. Dabei kam es auch zu Krawallen.

Nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz weiten sich die Proteste in den USA aus. In zahlreichen Städten gingen wütende Demonstranten auf die Straße.

Demonstrationen gab es unter anderem in New York, Houston, Los Angeles, Portland und Las Vegas. In Washington demonstrierten Hunderte Menschen vor dem Weißen Haus. Für kurze Zeit konnten Angestellte den Sitz von US-Präsident Donald Trump nicht verlassen. In Atlanta wurden mehrere Polizeiautos in Brand gesetzt. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand. Die Demonstranten hielten Plakate mit Aufschriften wie "Hört auf, uns zu töten" oder "Ich kann nicht atmen" und forderten Gerechtigkeit für Floyd. In Detroit wurde ein 19-Jähriger in der Nähe von Protesten erschossen. Ob es einen Zusammenhang mit den Demonstrationen gibt, ist laut Polizei noch unklar.

Auch am Schauplatz des Vorfalls, in der US-Großstadt Minneapolis, kam es erneut zu Protesten - trotz einer verhängten Ausgangssperre. Reporter des Senders CNN berichteten in der Nacht, weder Soldaten der Nationalgarde noch Polizisten seien zu sehen. An den Protesten beteiligten sich demnach Schwarze ebenso wie Weiße. Fernsehbilder zeigten, wie Demonstranten in der Stadt auf einer Schnellstraße marschierten. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie "Bin ich der Nächste?" und "Ohne Gerechtigkeit kein Frieden". CNN zeigte auch Bilder von in Brand gesteckten Autos.

Verdächtiger Polizist wurde festgenommen

Floyd war am Montag nach einem Polizeieinsatz in Minneapolis gestorben, nachdem ein weißer Polizist ihm minutenlang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Ein Video des Vorfalls löste US-weit Entsetzen aus. Der Polizist wurde am Freitag festgenommen. Ihm wird Totschlag und fahrlässige Tötung vorgeworfen - es drohen nach den Gesetzen in Minnesota insgesamt bis zu 35 Jahre Haft. Gegen drei weitere an dem Einsatz beteiligte Beamte wird ermittelt.

In dem am Freitag veröffentlichten Haftbefehl hieß es, der Beamte habe sein Knie insgesamt acht Minuten und 46 Sekunden auf den Nacken Floyds gedrückt. In den letzten zwei Minuten und 53 Sekunden habe Floyd keine Lebenszeichen mehr gezeigt. Polizisten müssten auf Basis ihrer Ausbildung wissen, dass diese Art des Festhaltens eines Verdächtigen grundsätzlich gefährlich sei.

Im Haftbefehl hieß es weiter, der Gerichtsmediziner gehe nach vorläufigen Erkenntnissen davon aus, dass Floyd nicht erstickt sei. Der 46-Jährige habe unter anderen gesundheitlichen Problemen gelitten, die gemeinsam mit der Festsetzung und möglichen Rauschmitteln in seinem Blut vermutlich zu seinem Tod geführt hätten.

Proteste nach Tod eines Schwarzen in den USA weiten sich aus
tagesschau 15:05 Uhr, 30.05.2020, Jan Philipp Burgard, ARD Washington

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Bundesbehörden sollen Fall untersuchen

US-Justizminister William Barr kündigte an, Bundesbehörden wie das FBI würden parallel zu den Ermittlungen der Behörden in Minnesota untersuchen, ob die betroffenen Polizisten Bürgerrechtsgesetze verletzt hätten. Minnesotas Gouverneur Tim Walz sicherte zu, dass die Justiz das Vorgehen der Beteiligten schnell untersuchen werde, und rief die Demonstranten eindringlich zum Gewaltverzicht auf.

Floyds Familie begrüßt Festnahme

Floyds Familie begrüßte die Festnahme des Beamten als einen "Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit". Sie forderte jedoch eine Anklage wegen Mordes statt wegen Totschlags. Nachdem US-Präsident Donald Trump die Demonstranten in Minneapolis als "Schläger" bezeichnet und mit einem Schusswaffeneinsatz der Armee gegen sie gedroht hatte, mäßigte er seinen Ton und rief nach eigenen Angaben Floyds Familie an, um ihr sein Beileid auszusprechen. "Georges Familie steht Gerechtigkeit zu, und der Bevölkerung von Minnesota steht Sicherheit zu", erklärte Trump.

"Wenn die Plünderungen losgehen, geht auch das Schießen los", hatte der Präsident zuvor noch auf Twitter gedroht. Twitter markierte den Tweet als gewaltverherrlichend. Zahlreiche Kommentatoren kritisierten die Äußerung, die ein Zitat mit rassistischen Untertönen aus der Zeit der Bürgerrechtsbewegung Ende der 1960er Jahre ist.

 

Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt in mehreren US-Städten
Torsten Teichmann, ARD Washington
30.05.2020 07:02 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 30. Mai 2020 tagesschau24 um 09:00 Uhr und die tagesschau um 09:50 Uhr.

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