Demonstration der Opposition in Minsk | Bildquelle: REUTERS

Belarus Neue Massenproteste in Minsk

Stand: 25.10.2020 14:29 Uhr

Elfter Protestsonntag in Belarus: In der Hauptstadt Minsk haben sich Menschen zu einer Massendemonstration gegen Machthaber Lukaschenko versammelt. Alle Metrostationen wurden gesperrt, das mobile Internet abgeschaltet.

Mehr als 100.000 Menschen haben ungeachtet eines massiven Polizei- und Militäraufgebots den elften Sonntag in Folge in Belarus gegen Machthaber Alexander Lukaschenko protestiert.

Die Menschen strömten in Minsk aus verschiedenen Richtungen über den Prospekt der Sieger zur "Stele", einem Platz zur Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Dort sei schon kein Platz mehr, der Zug bewege sich deshalb weiter, berichtete der Oppositionskanal Strana dlja Schisni (zu Deutsch: Ein Land zum Leben) in einer Live-Sendung.

Einzelne Journalisten wurden festgenommen. Unabhängige Zahlen für die Demonstration gibt es nicht. Staatsmedien zeigen die Bilder mit den Massen gegen Lukaschenko nicht.

Hundertschaften von Polizei und Militär hatten zuvor das Zentrum der Hauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht. Bewaffnete Uniformierte in Sturmhauben bezogen unter anderem am Prospekt der Sieger und am Unabhängigkeitsprospekt Stellung, um die neue Demonstration zu verhindern.

Mobiles Internet abgeschaltet

Die Behörden sperrten sämtliche Metrostationen im Zentrum, um Ansammlungen von Menschen zu verhindern. Sie schalteten auch das mobile Hochgeschwindigkeitsinternet ab, damit sich die Menschen nicht zu Protesten verabreden können.

"Heute ist ein besonderer Tag", sagte die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja in ihrem Exil in der EU in einer Live-Schalte. Am Sonntag endet ihr Ultimatum an Lukaschenko: Die Demokratiebewegung fordert ein Ende der Polizeigewalt, die Freilassung aller politischen Gefangenen und den Rücktritt Lukaschenkos sowie eine Neuwahl.

Aufruf zu landesweitem Generalstreik

Zwar wurden einige Oppositionelle aus dem Gefängnis entlassen, mehr Entgegenkommen ist aber nicht in Sicht. Deshalb rief Tichanowskaja mit Nachdruck dazu auf, sich ab Montag an einem landesweiten Generalstreik zu beteiligen oder einfach zu Hause zu bleiben. "Der Weg wird nicht leicht sein." Der Kampf gegen Lukaschenko brauche Kraft und Ausdauer, betonte sie.

Seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August gibt es in der Ex-Sowjetrepublik Proteste, weil sich Lukaschenko nach 26 Jahren an der Macht mit rund 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären ließ. Den Sieg beansprucht die Demokratiebewegung für Tichanowskaja. Die EU unterstützt Lukaschenkos Gegner und erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Unterstützung hat der 66-Jährige aus Russland.

Belarus: Zehntausende protestieren erneut gegen Präsident Lukaschenko
Christina Nagel, ARD Moskau
25.10.2020 15:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Oktober 2020 um 14:30 Uhr.

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