Universität von Südkalifornien | Bildquelle: AP

Missbrauchsskandal an US-Uni 215 Millionen Dollar Entschädigung

Stand: 23.10.2018 10:49 Uhr

Ein US-Gynäkologe soll Hunderte Studentinnen an der University of Southern California sexuell belästigt haben. Diese soll jahrzehntelang von den Vorwürfen gewusst haben - nun zahlt sie Entschädigungen.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Die Vorwürfe reichen zurück bis Mitte der 1990er-Jahre. Schon damals berichteten Krankenschwestern, dass der Gynäkologe George Tyndall unzulässige Fotos des Genitalbereichs von Patientinnen an der Universität von Südkalifornien in Los Angeles machen würde, obwohl es keinen Grund dafür gab.

Wieder und wieder wurde Tyndall unangemessenes Verhalten vorgeworfen. Er begrapsche junge Frauen, führe überflüssige Untersuchungen im Intimbereich durch oder mache zweideutige Bemerkungen über körperliche Vorzüge von Studentinnen.

"Ich fühlte mich dumm, schämte mich"

"Ich musste mich komplett ausziehen, und er hat Fotos von mir gemacht", erinnert sich eines der Opfer. "Es war keine Begleitperson im Zimmer, es gab auch nicht, wie bei Arztbesuchen üblich, einen Umhang für mich. Danach wurde mir klar, dass das nicht richtig war. Ich fühlte mich dumm, schämte mich, es war mir peinlich."

Jahrzehntelang passierte nichts - bis zum Jahr 2016. Eine Krankenschwester hatte sich schließlich an eine Einrichtung für Krisenbetreuung nach Vergewaltigung gewandt und von ihren Beobachtungen erzählt.

Daraufhin suspendierte die Universität von Südkalifornien den Gynäkologen. In einer geheimen Vereinbarung zog sich Tyndall im Sommer 2017 von seinem Posten zurück, die Universität zahlte ihm eine Abfindung. Die Öffentlichkeit wurde darüber nicht informiert.

Vier von Tyndalls mutmaßlichen 500 Opfern äußern sich auf einer Pressekonferenz in Los Angeles. | Bildquelle: AFP
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Vier von Tyndalls mutmaßlichen 500 Opfern äußern sich auf einer Pressekonferenz in Los Angeles.

Mehr als 500 Frauen haben Klage eingereicht

Im vergangenen Mai berichtete die "Los Angeles Times" über den Fall Tyndall. Seitdem reißt die Zahl von aktuellen und ehemaligen Studentinnen, die dem Arzt unangemessenes Verhalten vorwerfen, nicht ab.

Mehr als 500 Frauen haben inzwischen Klage eingereicht, einige allein, andere schlossen sich zu Sammelklagen zusammen. "Sein Verhalten war kriminell und falsch, gerade weil ich nicht in der Lage war, mich zu schützen und einen anderen Arzt zu wählen", meint ein weiteres anonymes Opfer. Der Vorwurf: Hätte die Universität ihn nicht so lange geschützt, hätte es weniger Opfer gegeben.

Universität kündigt Entschädigungszahlungen an

Das könnte die renommierte Einrichtung nun teuer zu stehen kommen. Sie hat in einem ersten Schritt der Wiedergutmachung eine Entschädigungszahlung von 215 Millionen Dollar angeboten. Damit würde es bei dieser speziellen Sammelklage nicht zu einem Verfahren kommen.

Jede frühere Patientin des Arztes soll pauschal 2500 US-Dollar bekommen. Wer zudem bereit sei, Details über seine negativen Erfahrungen preiszugeben, könne mit bis zu 250.000 Dollar entschädigt werden. Ein Richter muss diesem Vorschlag zustimmen.

Allerdings ist das erst der Anfang. Es gibt weitere Klagen, die noch nicht eingereicht wurden. Dieser Schritt der USC könne höchstens ein ein erstes Angebot sein, so eine Betroffene gegenüber dem ARD-Studio Los Angeles.

"Der Verwaltungsrat blieb stumm"

Der Anwalt John Manly vertritt mehrere Opfer. Er wirft der Universität vor, sich nicht ausreichend um die Frauen zu kümmern: "Der Verwaltungsrat bleibt stumm. Darin ist das Who is Who der amerikanischen Wirtschaft vertreten: Die Ehefrau von Sheldon Adelson, die quasi halb Las Vegas besitzt, Oscar Munoz, Chef von United Airlines, Regisseur Steven Spielberg, Jeannie Buss, die Besitzerin der LA Lakers - kein Wort, von niemandem." Bei 500 betroffene Frauen müsse man doch was sagen", empört sich Manly.

Universitätspräsident C. L. Max Nikias musste im August wegen des Falls seinen Hut nehmen. George Tyndall bestreitet weiterhin alle Vorwürfe.

Missbrauch durch Uni-Gynäkologen: USC bietet 215 Millionen Dollar Entschädigung
Nicole Markwald, ARD Los Angeles
23.10.2018 09:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2018 um 05:44 Uhr.

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