Papst Franziskus betet bei der Eröffnung des Gipfeltreffens zum Thema Missbrauch. | Bildquelle: dpa

Papst zu Missbrauchsskandal "Hören wir die Schreie der Kleinen"

Stand: 21.02.2019 13:14 Uhr

Zu Beginn des Gipfeltreffens zum Missbrauchsskandal hat der Papst alle Bischöfe zu konkreten Maßnahmen aufgefordert. Die Botschaft: Das Treffen müsse Ergebnisse bringen.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Nur knapp drei Minuten sprach Papst Franziskus zum Auftakt in der Synodenaula des Vatikans. Seine Botschaft an die 190 Teilnehmer, darunter die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen weltweit, aber war unmissverständlich: Dieses Treffen müsse Ergebnisse liefern. Das heilige Volk Gottes schaue zu, sagte der Papst. Und es erwarte keine einfachen und vorhersehbaren Verurteilungen, sondern konkrete und wirkungsvolle Maßnahmen.

Dem Übel entgegentreten

Der Papst sprach in Anspielung auf die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche von einem "Schrei der Kleinen, die Gerechtigkeit fordern". Auf dem Treffen laste ein Gewicht der Verantwortung. "Das verpflichtet uns, zusammen gemeinschaftlich, ehrlich und gründlich zu diskutieren, wie wir diesem Übel entgegentreten können, das auf der Kirche und der Menschheit lastet."

Der erste Tag des dreieinhalbtägigen Treffens ist dem Thema Verantwortung gewidmet. Vor der kurzen Einführung des Papstes wurden alle Teilnehmer in Videos mit den Schilderungen von Missbrauchsopfern konfrontiert. Dies war Franziskus zum Auftakt wichtig, um allen die furchtbaren persönlichen Folgen deutlich zu machen, die durch sexuellen Missbrauch ausgelöst werden.

Volk verletzt und tiefe Wunde

Den vom Papst gewünschten Grundton der anschließenden Diskussion über Missbrauch gab dann der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle vor. Sein Eingeständnis: Auch sie als Bischöfe müssten zugeben, dass sie den Opfern und der gesamten Kirche Wunden zugefügt hätten: "Unser Mangel an Verantwortung gegenüber dem Leiden der Opfer ging sogar so weit, dass die Opfer zurückgewiesen und der Skandal verdeckt wurde, um die Täter und die Institution zu schützen." Das habe das Volk verletzt und eine tiefe Wunde hinterlassen "in unserer Beziehung mit denen, denen wir geschickt sind, um ihnen zu dienen."

Donnernder Appell an Aufarbeitung

Das Auftaktreferat Kardinal Tagles war nicht weniger als ein donnernder Appell, in dieser Konferenz alle Zurückhaltung beiseite zu schieben in der Aufarbeitung der Fehler, die die katholische Kirche in den vergangenen Jahren beim Thema Missbrauch gemacht hat.

Erzbischof Charles Scicluna fordert seit Jahren mehr Transparenz in der Kirche. Auch er betonte, die Gläubigen weltweit müssten merken, dass es die Kirche bei der Aufarbeitung des Missbrauchsproblems wirklich ernst meine.

Alle Bischöfe auf den Weg machen

Ähnliche Töne kamen vor Beginn der Konferenz von Kardinal Marx: Alle Bischöfe müssten begreifen, so Marx, dass die Bekämpfung des sexuellen Missbrauchs eine Herausforderung sei, der sie sich stellen müssten.

Er hoffe sehr, dass ein Schub, ein Impuls ausgehe für die Kirche. Dass sich gemeinsam alle Bischöfe der Kirche auf den Weg machen, um dieses furchtbare Übel des sexuellen Missbrauchs zu überwinden.

Marx gehört zum exklusiven Kreis von nur fünf Kardinälen, die während der Konferenz eine längere Rede halten dürfen. Sein Vortrag ist für den Samstag vorgesehen. Als Zeichen der Transparenz überträgt der Vatikan alle Reden als Livestream. Die Konferenz geht am Sonntag mit einer Ansprache des Papstes zu Ende.

Auftakt Missbrauchskonferenz: Papst fordert konkrete Maßnahmen
Jörg Seisselberg, ARD Rom
21.02.2019 12:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Februar 2019 um 17:00 Uhr.

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