Ein Plakat mit einem Mursi-Porträt ist an einem Holzpfahl befestigt (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS

Ägypten Mursi soll an Herzinfarkt gestorben sein

Stand: 18.06.2019 02:17 Uhr

Nach kurzer Redezeit bricht Ägyptens Ex-Präsident Mursi vor Gericht zusammen. Wenig später ist er tot. Das Staatsfernsehen berichtet, Mursi sei an einem Herzinfarkt gestorben. Die Muslimbrüder sprechen von Mord.

Der Tod des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi bei einem Gerichtsverfahren ist einem Medienbericht zufolge auf einen Herzinfarkt zurückzuführen. Mursi sei wegen einer Tumorerkrankung fortlaufend behandelt worden, berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf Ärzte. Der Ex-Präsident war gestern bei einer Anhörung vor Gericht ohnmächtig zusammengebrochen und später gestorben. Eine Autopsie habe keine Anzeichen für jüngere Verletzungen ergeben, hieß es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft.

Mursis Anwalt Abdel-Menem Abdel-Maksud sagte, der 67-Jährige sei während seiner Haft in schlechter gesundheitlicher Verfassung gewesen. "Wir haben mehrere Anträge auf Behandlung gestellt", sagte er. "Einige wurden genehmigt, andere nicht."

Muslimbrüder sprechen von Mord

Mursi war ein Vertreter der fundamentalistischen Muslimbrüder, die inzwischen in Ägypten verboten sind. Sie sprachen von einem "ausgewachsenen Mord" und riefen die Menschen dazu auf, in Massen zu Mursis Beisetzung zu kommen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, ebenfalls ein Vertreter einer religiösen Politik, nannte Mursi einen Märtyrer. Die Menschenrechtsgruppe Amnesty International rief die ägyptische Regierung auf, eine "unparteiische, gründliche und transparente" Untersuchung einzuleiten.

Sturz im Jahr 2013

Mursi wurde 2012 erster frei gewählter Präsident des Landes. Kritiker warfen ihm vor, seine Macht ausbauen und religiösen Ansichten der Brüder durchdrücken zu wollen sowie mit seiner Wirtschaftspolitik gescheitert zu sein. Mursi hatte dies zurückgewiesen.

Mursi-Gegner in Kairo
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Proteste in Kairo im Jahr 2013. Die Ägypter zogen zu Massenprotesten gegen Mursi auf die Straße. Das nutzte das Militär unter Armeechef al-Sisi.

Nach Massenprotesten gegen ihn wurde er 2013 von der Armee gestürzt. Mursi verbüßte im Gefängnis unter anderem eine lebenslange Strafe wegen Spionage. Bei der Anhörung am Montag ging es ebenfalls um Vorwürfe der Spionage, diesmal im Zusammenhang mit mutmaßlichen Verbindungen zur radikal-islamischen Palästinenser-Gruppe Hamas.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Juni 2019 um 06:03 Uhr.

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