Restauriertes Kontrollzentrum der Apollo-Mission im Johnson Space Center in Houston | Bildquelle: AFP

Apollo-11-Kontaktmann "Wir atmen jetzt wieder"

Stand: 09.08.2019 15:27 Uhr

Im Kontrollzentrum waren alle angespannt, erinnert sich der ehemalige Apollo-Astronaut Charles Duke im Interview mit tagesschau.de. Er hielt bei der Mondlandung 1969 in Houston den Kontakt zur Apollo-11-Besatzung.

tagesschau.de: Mr. Duke, vor 50 Jahren sind die Amerikaner mit der Apollo 11 auf dem Mond gelandet. Kommt es Ihnen schon so lange vor?

Charles Duke: Es ist schwer zu glauben, dass es schon so lange her ist. Neil Armstrong ist tot. Es leben nur noch vier Moonwalker und es werden immer weniger. Aber es ist immer noch gut, an all das zu erinnern, was wir getan haben, an die Erkenntnisse, die das Weltraumprogramm der Welt gebracht hat. Ich rede immer noch gerne darüber und hoffe, damit junge Menschen anzuspornen, dass sie auch hoch hinaus wollen und ihr Bestes geben. Vielleicht bekommen sie eine Chance.

alt Charles Moss Duke | Bildquelle: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX

Zur Person: Charles Duke

Charles Moss Duke ist ein ehemaliger US-amerikanischer Astronaut. Er wurde 1935 in Charlotte, North Carolina, geboren. Er war 1972 mit der Apollo-16-Mission auf dem Mond und damit der zehnte von bis heute zwölf Moonwalkern. 1969, bei der ersten Mondlandung, war er während der Mondlandephase von Neil Armstrong und Buzz Aldrin "CapCom" - capsule communicator - im Kontrollzentrum in Houston. Er hielt vom Boden aus den Gesprächskontakt zu den Astronauten auf dem Mond.

tagesschau.de: Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin damals auf dem Mond landeten, haben Sie es nicht zu Hause vor dem Fernseher verfolgt. Sie hatten einen wichtigen Job, oder?

Duke: Ich hatte eine wichtige Aufgabe während der eigentlichen Landung. Ich war der "CapCom", der capsule communicator. Ich war im Kontrollzentrum in Houston der Ansprechpartner für die Crew im All während der Mondlandephase. Das war sehr spannend. Wir hatten ja Monate für die Mondlandung trainiert und wirklich jede Gefahrenlage simuliert.

Als sich die Landefähre dann endlich dem Mond näherte, lief alles. Wir hatten zwar Computerprobleme, die mir Sorgen bereiteten, aber unsere Experten sagten: "Wir machen weiter." Auch, wenn das System überlastet war.

Apollo 11: Aufbruch zum Mond vor 50 Jahren
tagesschau24, 17.07.2019

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tagesschau.de: Aber Sie hatten mit der Mondlandefähre Eagle doch ein Treibstoffproblem, oder?

Duke: Wir hatten Probleme mit der Flugbahn, die wir aber in den Griff bekommen haben. Daraus entwickelte sich aber ein ernst zu nehmendes Problem mit dem Treibstoff. Wir haben sehr viel Treibstoff verbraucht, weil wir über ein Areal auf dem Mond fliegen mussten, wo wir nicht landen konnten. Wir verbrauchten mehr Treibstoff als geplant und hatten nur noch wenig Reserve.

Bevor Neil und Buzz landeten, sagte ich "noch 30 Sekunden" und das bedeutete: "Eagle, ihr habt 30 Sekunden Zeit zum Landen oder wir brechen ab." Ungefähr 13 Sekunden später hörte ich, wie die Motoren stoppten und sie auf dem Mond gelandet waren.

tagesschau.de: Wie war die Stimmung bei Ihnen in der Bodenkontrolle?

Duke: Riesengroße Erleichterung. Bei uns herrschte viel Spannung, wir hingen an unseren Bildschirmen, hielten den Atem an. Letztendlich klappte es und wir mussten die Landung nicht abbrechen. Ich glaube ja: Selbst, wenn wir nach oben gefunkt hätten, dass sie abbrechen sollen - sie waren zehn Meter von der Mondoberfläche entfernt, dann wären sie trotzdem gelandet. Wir hatten noch ungefähr vier Prozent Treibstoff als Reserve.

tagesschau.de: Als Neil Armstrong dann sagte: "Tranquility base here. The Eagle has landed." ("Tranquility-Station hier. Der Adler ist gelandet") - wie haben Sie reagiert?

Duke: Neil war sehr ruhig. Ich habe sehr aufgeregt geantwortet: "Verstanden, Tranquility. Wir bestätigen. Ihr habt dafür gesorgt, dass ein paar Menschen die Luft angehalten haben. Wir atmen jetzt wieder." Wir hatten wirklich die Luft angehalten. Aber alles war gut, als wir Neil so ruhig sagen hörten, dass der Adler gelandet war. Super-duper.

tagesschau.de: Zwölf Menschen waren bislang auf dem Mond. 1972 stoppte die US-Regierung das Apollo-Programm. Wie enttäuscht waren Sie?

Duke: Die Apollo-17-Mission im Dezember 1972 war die letzte. Wir waren alle sehr enttäuscht. Wir hatten Crews, die sich zu der Zeit auf weitere Mondladungen vorbereiteten, aber das Geld sollte für andere Shuttle-Programme ausgegeben werden. Aber wissen Sie: Wir hatten erreicht, was wir unter Präsident Kennedys Mondprogramm tun sollten. Eigentlich war nur erwartet worden, dass wir einmal landen.

Apollo erwies sich als sehr großes wissenschaftliches Experiment auf der Mondoberfläche. Wir haben eine Menge gelernt, in dem wir mehrmals zum Mond geflogen sind und überall von der Vorderseite Proben gesammelt und mitgenommen haben.

tagesschau.de: Zum Schluss noch eine Frage mit Augenzwinkern: Wart ihr Amerikaner eigentlich wirklich auf dem Mond?

Duke: Sicher waren wir das. Die Beweise sind doch überwältigend, dass wir auf dem Mond gelandet sind. Ich habe es schon mal einer Frau vom Fernsehen erklärt: Wenn wir das gefaket hätten, warum dann neun Mal? Wir sind neun Mal zum Mond geflogen und sechs Mal gelandet. Wenn du sowas fakest, dann machst du das einmal und hältst die Klappe. Aber wir haben es neun Mal gemacht. Die Russen wussten, dass wir auf dem Mond gelandet sind. Und sie haben es nie infrage gestellt. Sie wussten es.

Das Interview führte Ute Spangenberger, SWR

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. Juli 2019 um 11:00 Uhr.

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