Mordfall Hrant Dink Haftstrafen für Hintermänner

Stand: 26.03.2021 16:13 Uhr

Mehr als 14 Jahre nach dem Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink sind mehrere Sicherheitsbeamte zu Haftstrafen verurteilt worden. Gänzlich aufgeklärt sei der Fall noch immer nicht, kritisieren Anwälte.

Drei ranghohe türkische Sicherheitsbeamte sind im Zusammenhang mit dem Mord an Hrant Dink zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Sie gelten als Hintermänner der Tat. Weitere Haftstrafen wurden wegen Verstoßes gegen die Verfassung, Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation, fahrlässiger Tötung oder Dokumentenfälschung verhängt.

Erschossen auf offener Straße

Dink war am 19. Januar 2007 vor dem Redaktionsgebäude der Wochenzeitung Agos in Istanbul auf offener Straße erschossen worden. Als Chefredakteur des Blattes hatte er sich für die Aussöhnung von Türken und Armeniern starkgemacht. Er hatte die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich als Völkermord bezeichnet - für viele in der Türkei ein Tabubruch. So geriet er ins Visier türkischer Nationalisten.

Der Attentäter selbst war in einem vorherigen Prozess zu knapp 23 Jahren Gefängnis verurteilt worden und ist noch in Haft. Auch mehrere Hintermänner wurden bereits verurteilt. Da die Hintergründe der Tat aber noch nicht vollständig aufgeklärt waren, beschäftigte der Fall weiterhin die Gerichte.

Verstrickungen im türkischen Sicherheitsapparat

Insgesamt waren in dem Prozess 76 Menschen angeklagt. Davon wurden zwei freigesprochen, die Anklagen gegen zwei weitere wurden wegen Verjährung fallen gelassen. Anwälte und Freunde Dinks bemängelten, dass der Mordfall auch nach diesen Schuldsprüchen nicht vollständig aufgeklärt sei. "Einige Verantwortliche werden noch immer nicht strafrechtlich verfolgt", kritisierte der türkische Vertreter von Reporter ohne Grenzen.

Für die Anwälte und Unterstützer Dinks stand lange fest, dass Polizei, Gendarmerie und Geheimdienst von den Mordplänen wussten, aber nichts zum Schutz des Journalisten unternommen hatten. Im Januar 2015 wurden aus eben diesem Grund zum ersten Mal Staatsbedienstete angeklagt. Die Anklage gegen Polizisten folgte auf die Kampfansage des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan an seinen ehemaligen Verbündeten, Fethullah Gülen. Der Mord an Dink sei eine Verschwörung von Polizisten und Justizbeamten gewesen, die der Gülen-Bewegung angehören, hieß es von türkischen Behörden.

Verfahren gegen Gülen wird getrennt verhandelt

Aus diesem Grund ist auch eine Anklage gegen Gülen Bestandteil des Prozesses. Der islamische Prediger lebt seit mehr als zwanzig Jahren im Exil in den USA. Dennoch macht ihn die türkische Regierung unter anderem auch für den Putschversuch von 2016 verantwortlich.

Gegen Gülen gab es im Mordfall Hrant aber noch kein Urteil. Sein Verfahren und das zwölf weiterer Angeklagter solle getrennt verhandelt werden, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Bereits im Jahr 2012 hatte ein Istanbuler Strafgericht befunden, dass es keine Verbindungen der Gülen-Bewegung zu kriminellen oder terroristischen Organisationen gebe - und damit für Entrüstung gesorgt. 

Lebenslange Haftstrafen für drei ranghohe türkische Sicherheitsbeamte
Aydogan Makasci, ARD Istanbul
26.03.2021 19:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 24. April 2019 um 14:09 Uhr in der Sendung "Kompressor".

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