Flüchtlinge auf Lesbos | Bildquelle: AP

Nach Brand in Moria Italien nimmt offenbar doch Flüchtlinge auf

Stand: 22.09.2020 19:17 Uhr

Kurz vor der Vorstellung der neuen EU-Vorschläge zur Flüchtlingspolitik hat sich Italien offenbar doch bereit erklärt, 300 Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager Moria aufzunehmen. Das gab eine Hilfsorganisation bekannt.

Italien will nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria offenbar in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche 300 Migranten von der griechischen Insel Lesbos aufnehmen. Die katholische Gemeinschaft Sant'Egidio teilte mit, ein entsprechendes Abkommen mit dem Innenministerium werde unterzeichnet. Dies sei "die erste italienische Antwort auf den Appell der Europäischen Union", hieß es in einer Mitteilung der katholischen Hilfsorganisation, die sich unter anderem für Migranten einsetzt.

Nach dem Großbrand im Lager Moria vor gut zwei Wochen waren auf Lesbos mehr als 12.000 Migranten obdachlos geworden. In der Folge hatte es viel Kritik an der fehlenden Bereitschaft der übrigen EU-Staaten gegeben, sich an der Aufnahme von Migranten aus den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln zu beteiligen. Deutschland hatte sich bereit erklärt, bis zu 1683 von ihnen aufzunehmen. Die Initiative von Ländern und Kommunen, weitere Flüchtlinge direkt zu übernehmen, scheiterte jedoch im Bundestag.

Neuer EU-Anlauf für Reform der Flüchtlingspolitik

Die EU-Kommission will am Mittwoch ihre Pläne für eine neue europäische Asyl- und Migrationspolitik vorstellen. Es ist ein neuer Versuch der Behörde, den Streit über die Aufnahme von Schutzsuchenden langfristig zu lösen. Kernstück der Vorschläge, die vor dem Hintergrund der Feuer im griechischen Lager Moria noch dringlicher wurden, dürfte eine Reform des Dublin-Systems sein.

Bundesinnenminister Horst Seehofer hat sich in dem Zusammenhang für Prüfungen an den Außengrenzen ausgesprochen. Er könnte die Reform noch bis Ende des Jahres als Vorsitzender im Rat der EU-Innenminister vorantreiben.

Seehofer argumentiert, dass nach den Grenzverfahren Menschen ohne Asylberechtigung direkt abgeschoben würden. Dadurch würde die Zahl der Umzuverteilenden und damit das Problem der Lastenteilung insgesamt kleiner. Gegner des Verfahrens befürchten dadurch neues Leid für Schutzsuchende und Überlastung für die südeuropäischen Länder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. September 2020 um 19:00 Uhr.

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