Nach dem Zyklon Idai in Mosambik | Bildquelle: AFP

Zyklon "Idai" in Südostafrika Mosambik ruft den Notstand aus

Stand: 22.03.2019 09:59 Uhr

Nach dem Zyklon "Idai" sind Hunderttausende Menschen obdachlos, viele warten auf Dächern auf Hilfe, ganze Gebiete sind von der Außenwelt abgeschnitten. Mosambik erklärte den Notstand. Helfer befürchten eine "riesige" Opferzahl.

Wegen der verheerenden Überschwemmungen nach dem schweren Tropensturm "Idai" hat Mosambiks Regierung den Notstand erklärt. Zudem gelten ab Mittwoch drei Tage Staatstrauer, um der Opfer des Zyklons zu gedenken, sagte Präsident Filipe Nyusi. Zuvor hatte er sich in der Hafenstadt Beira mit seinem Kabinett beraten.

Die 500.000-Einwohner-Stadat Beira wurde besonders schwer von dem Zyklon getroffen. Hier gibt es auch knapp eine Woche nach Eintreffen des Sturms keinen Strom, weite Teile von Stadt und Umland sind überflutet. Im Hinterland steigen die Flusspegel wegen des anhaltenden Regens weiter an. Nyusi hatte am Montag gesagt, es könnte mindestens 1000 Todesopfer geben. Bestätigt sind in Mosambik bisher mehr als 200 Tote. Gemeinsam mit den bestätigten Toten aus Simbabwe und Malawi stieg die Opferzahl damit auf über 350.

Hunderttausende Menschen obdachlos

400.000 Menschen könnten obdachlos sein, befürchtet das Rote Kreuz. Viele werden vermisst. Die Rettung von Überlebenden wird mehr und mehr zu einem Rennen gegen die Zeit. Die Maßnahmen laufen nur schleppend an. Viele der zerstörten und von schwersten Überschwemmungen betroffenen Gebiete sind noch von der Außenwelt abgeschnitten. Helfer dringen nur mühsam in die Hochwassergebiete vor.

Das Bild totaler Verwüstung in den von Zyklon "Idai" heimgesuchten Regionen Mosambiks. | Bildquelle: AFP
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Das Bild totaler Verwüstung in den von Zyklon "Idai" heimgesuchten Regionen Mosambiks.

Bei Flügen über dem Katastrophengebiet zeige sich ein erschreckendes Bild, erklärte das Welternährungsprogramm (WFP). Ein UN-Sprecher sagte, zwei große Flüsse hätten wegen der Fluten "kilometerlange Binnenmeere" gebildet. Die UN sprechen inzwischen von einer "massiven Katastrophe". Laut dem Roten Kreuz berichten Helfer von Orten, die bis zu sechs Meter unter Wasser stünden. Meteorologen warnen, dass es in der Region noch bis Donnerstag stark regnen soll.

In Mosambik harrten viele Menschen auf Bäumen oder Dächern aus, berichtet Ian Scher von der südafrikanischen Organisation Rescue SA. "Wir retten so viele, wie wir können, doch sind das nicht alle", sagt er. "Wir müssen schwierige Entscheidungen treffen. Manchmal können wir nur zwei von fünf retten. Manchmal werfen wir nur Essen ab und retten jemand anderes, der in größerer Gefahr ist." Scher warnt vor einer "riesigen" Opferzahl. Niemand sei sich dessen derzeit wirklich bewusst, auch die internationale Gemeinschaft nicht. "Doch die Zahl wird gewaltig sein". 

Eine Familie sucht in Ruinen nach ihrem verschütteten Sohn. | Bildquelle: AP
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Familien suchen in Ruinen nach verschütteten Angehörigen.

Internationale Hilfe wird vervielfacht

Internationale Hilfsorganisationen verstärken ihre Maßnahmen für die betroffenen Länder in Südostafrika. Der ursprünglich geplante Umfang der Hilfe werde vervielfacht, sagte Caroline Haga, die für das Rote Kreuz in Mosambik im Einsatz ist. "Jeder verdoppelt, verdreifacht und vervierfacht, was auch immer er geplant hat."

Die internationalen Hilfen kamen am Dienstag in Fahrt, zuvor hatten geschlossene Flughäfen diese erschwert. Die Europäische Union stellte 3,5 Millionen Euro Soforthilfe bereit, Großbritannien sagte bis zu sechs Millionen Pfund zu. Das Militär in Tansania transportierte 238 Tonnen Lebensmittel und Medikamente über eine Luftbrücke. Auch die Vereinten Nationen wollten Ressourcen bereitstellen.

Der Zyklon "Idai" mit der Stärke vier von fünf war in der Nacht zum Freitag mit Windböen von bis zu 160 Kilometern pro Stunde vom Indischen Ozean bei Beira auf Land getroffen. Es folgten Sturmfluten und massive Überschwemmungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. März 2019 um 10:00 Uhr.

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