Eine Familie sucht in Ruinen nach ihrem verschütteten Sohn.  | Bildquelle: AP

Zyklon "Idai" in Südostafrika "Das Schlimmste haben wir noch nicht gesehen"

Stand: 22.03.2019 09:59 Uhr

Nach dem Zyklon "Idai" kommt Hilfe nur quälend langsam in der Region an. Weil Straßen und Brücken zerstört sind, ist es fast unmöglich, die betroffenen Menschen zu erreichen. Helfer befürchten Schlimmes.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Schon beim ersten Tageslicht sind die Militärhubschrauber gestartet. Nach und nach sammeln sie Verletzte ein und Menschen, die schon seit sechs Tagen auf Rettung warten. Auf Bäumen, auf Hausdächern, auf Hügeln, die zu Inseln geworden sind, harren sie aus.

Allein gestern wurden 167 Menschen in die Stadt Beira gebracht. Das Krankenhaus ist teilweise zerstört und völlig überlastet, weil so viele Menschen dort sind. Das sei aber nicht alles, sagt Jens Windahl Pedersden von der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen": "Das Krankenhaus von Beira hat schon mehr als 1000 Verletzte behandelt." Die Hauptsorge sei aber, dass sich wegen all der Überflutungen jetzt Krankheiten ausbreiteten. "Eine zentrale Sorge ist auch, dass es keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser gibt. Das Schlimmste haben wir noch gar nicht gesehen."

Brücken und Straßen sind zerstört

Immerhin funktioniert der Flughafen in Beira, aber es gibt keinen Strom in der Stadt. Das Telefonnetz funktioniert schlecht, Benzin wird knapp. Doch klar ist schon jetzt: Die Stadt und die Infrastruktur werden fast komplett wieder aufgebaut werden müssen, denn Beira ist ein Trümmerfeld. "Die Mehrheit der Häuser ist eingestürzt", erzählt ein Bewohner. "95 bis 97 Prozent davon waren instabile Häuser, die mit unsicheren Materialien gebaut worden waren."

Mosambik gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und ist auf jede Hilfe angewiesen. Die kommt inzwischen von mehreren Seiten, aber nur sehr spärlich, weil es nicht genug Helikopter gibt. Denn überhaupt zu den Menschen zu gelangen, die Hilfe brauchen, ist wegen der zerstörten Straßen und Brücken fast unmöglich.

Bundesregierung bewilligt Soforthilfe

Die deutsche Bundesregierung stellt nach dem Tropensturm "Idai" eine Million Euro Soforthilfe zu Verfügung. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes werde geprüft, ob zudem Mittel aus den bereits aufgebrachten 4,3 Millionen Euro für humanitäre Hilfe im südlichen Afrika genutzt werden können. Benötigt würden vor allem Nahrungsmittel, Trinkwasser und Gesundheitsstationen.

Hilfslieferungen zu Fuß

Im Nachbarland Simbabwe organisieren die Menschen die Hilfe in improvisierten Zentren. Immer mehr Wasser fließt ab und Hilfsgüter werden auf den Weg gebracht. Lkw fahren so weit sie können, dann werden die Pakete auf Köpfe und Schultern geladen. Zu Fuß gelangen Lebensmittel und Zelte zu den Menschen. Trauer ist jetzt Alltag, denn auch Beerdigungen sind dort an der Tagesordnung.

Maria Dube hat gerade ihren Vater beigesetzt. Vom Berg sei eine Schlammlawine heruntergekommen, sagt sie. "Mein Vater ist davon erdrückt worden. Wir konnten nur unsere Mutter retten. Das tut so weh, meine Mutter hat keinen Partner mehr."

Helfer retten einen Überlebenden in Mosambik. | Bildquelle: AFP
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Helfer retten einen Überlebenden in Mosambik.

"Die Stärke des Zyklons war unvorstellbar"

Auch die Armee fliegt Hilfslieferungen aus und holt Verletzte ab. Aber die Helikopter fliegen erst seit gestern. Joe Midzvidziwa ist Armeegeneral und leitet einen Einsatz in der betroffenen Gegend in der Nähe der Stadt Chimanimani. Er klingt betroffen. "Die Stärke des Zyklons war unvorstellbar", sagt er. "Größte Herausforderung für uns war das Wetter. Wenn wir früher hätten fliegen können, wäre es weit besser gewesen."

Simbabwe und auch Malawi gehen davon aus, dass die Opferzahlen steigen werden. Von den Folgen des Zyklons, schätzen Hilfsorganisationen, sind insgesamt Hunderttausende Menschen betroffen, vielleicht sogar mehr als eine Million.

Tag 6 nach dem Zyklon: immer noch fehlt der Überblick
Jana Genth, ARD Johannesburg
20.03.2019 13:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. März 2019 um 12:17 Uhr.

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