Demo in Moskau gegen die Sperrung von Chatdienst Telegram | Bildquelle: REUTERS

Chatdienst Telegram Demo in Moskau für Freiheit des Internets

Stand: 14.05.2018 09:59 Uhr

Der Kreml hat den populären Chatdienst Telegram sperren lassen, genutzt wird die App trotzdem weiterhin. Erneut wurde für die Freiheit im Internet demonstriert - doch mit deutlich weniger Teilnehmern als erwartet.

Von Birgit Virnich, ARD-Studio Moskau

Das Katz-und-Maus Spiel zwischen dem Kreml und dem Telegram-Chef Pawel Durow geht in die nächste Runde. Zwar hat der Kreml den populären Internetdienst Telegram durch ein Gericht sperren lassen, doch der Kreml schafft es bislang nicht, die Nutzung der Messenger-App zu verhindern - ganz im Gegenteil: Die Zahl der Downloads der Telegram Android-Version verdoppelte sich, und erneut demonstrieren am Sonntag Menschen in Moskau. Bei der Kundgebung für ein "freies Internet" wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens 20 Menschen festgenommen. Zu der von der Stadtverwaltung genehmigten Demonstration hatten sich mehrere Hundert Menschen versammelt - deutlich weniger als bei einer ähnlichen Demo Ende April mit rund 8000 Teilnehmern.

Demonstration für freies Internet in Moskau
tagesthemen 23:15 Uhr, 13.05.2018, Birgit Virnich, ARD Moskau

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Staatliche Stellen benutzen die App

18 Millionen IP-Adressen wurden blockiert, doch viele Nutzerinnen und Nutzer wichen auf Proxy-und VPN-Dienste aus, um ihre Herkunft zu verschleiern und um die Sperre zu umgehen.

Die Sperre traf aber unbeteiligte Websites und Unternehmen. In Supermärkten, wie dem Billigdiscounter "Diksi", fielen zeitweilig Kassen aus, Onlinehändler, Versandhäuser und Kurierdienste erlitten Umsatzeinbußen in Millionenhöhe. Einige wollen jetzt klagen. Etwa 60 Firmen wandten sich an die russische Bürgerrechtsorganisation Agora, um gerichtlich gegen die Sperre vorzugehen. Genutzt wird der Chatdienst vor allem von Kurierdiensten und Bezahlservices in Lebensmittelläden in der stark digitalisierten Moskauer Metropole. Aber auch staatliche Stellen senden so Nachrichten an ihre Mitarbeiter.

Privatsphäre durch Verschlüsselung

Hintergrund ist ein jahrelanger Streit mit dem Inlandsgeheimdienst FSB. Der will Zugang zu den Nutzerdaten des Dienstes. Doch die will der 33-jährige Tech-Milliardär Durow den russischen Behörden nicht zur Verfügung stellen. Das Versprechen des Internet-Unternehmers: die strikte Einhaltung der Privatsphäre durch Verschlüsselung.

Er hatte den Chatdienst Telegram gegründet, um dem Marktführer WhatsApp Konkurrenz zu machen. Im Gegensatz zu diesem setzt Telegram auf anonymen Zugang und eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Durch diese können Geheimdienste private Konversationen nicht mitlesen.

Pawel Walerjewitsch Durow (Telegramm) während der Digital-Life-Design Konferenz am 18. Januar 2016 in München. | Bildquelle: picture alliance / Robert Schles
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Der Gründer des Chatdienstes Telegram, Pawel Durow, will dem Inslandsgeheimdienst FSB die Nutzerdaten des Dienstes nicht zur Verfügung stellen.

Anonyme Accounts wären nicht mehr möglich

Die Drahtzieher des Bombenanschlags auf die Metro von St. Petersburg im April 2017 hätten sich über den Messenger koordiniert, argumentiert die russische Internetausficht Roskomnadsor. Nur einen Tag nach der Wiederwahl Wladimir Putins zum russischen Präsidenten forderte die Behörde Telegram erneut auf, seinen Verschlüsselungs-Code herauszugeben und sich in ein Zentralregister für "Informationsverteiler" einzutragen.

Damit hätte sich Telegram den strengen russischen Online-Regeln unterwerfen müssen. Die sehen vor, dass der Dienst seine Daten auf russischen Servern für Monate speichern und den Ermittlungsbehörden zugänglich machen müsste. Anonyme Accounts wären so nicht mehr möglich.

Messenger-Gründer hat Russland verlassen

Pawel Durow, der Gründer des Messengers, folgt dem aus der Ferne. Bereits vor drei Jahren hat er Russland verlassen und beabsichtigt nach eigenen Aussagen nicht mehr, in seine Heimat zurückzukehren. Er und sein Team bezeichnen sich als digitale Nomaden "Telegram wird weiterhin für Freiheit und Privatsphäre eintreten", twittert Durow. Mittlerweile haben sich Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International hinter ihn gestellt. 

Katz-und-Maus-Spiel

Bislang ist es ein Showdown zwischen dem Tech-Milliardär und dem russischen Staat. Ein Kampf, bei dem Durow bislang das für seine Cyberattacken berüchtigte Russland in einem Katz-und-Maus-Spiel öffentlich vorführt. Seine eigene Popularität ist gewachsen. Geschädigt wurden bislang in erster Linie Behörden und andere Firmen.

Russlands bislang massivster Versuch, das Internet staatlich zu kontrollieren, nennt der russische Journalist und Roman Dobrochotow deshalb "nicht nur eine Niederlage für die russischen Behörden, es war ein peinliches Desaster". Die von über 60-Jährigen dominierte politische Führung des Landes habe nicht gewusst, dass die Kontrolle des Internets nicht das gleiche ist, wie die Kontrolle des Fernsehens.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Mai 2018 um 13:15 Uhr.

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