Demonstrierende in Moskau vor einer Polizistenkette.  | Bildquelle: SERGEI ILNITSKY/EPA-EFE/REX

Proteste vor Wahlen Moskauer wollen sich nicht abfinden

Stand: 31.08.2019 18:48 Uhr

Am Wochenende vor der Stadtratswahl haben in Moskau erneut Tausende Menschen demonstriert. "Das ist unsere Stadt", riefen sie - und kritisierten das Vorgehen der Polizeieinsatzkräfte.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

"Das ist unsere Stadt", riefen die Demonstrierenden in Moskau - und wollten damit unterstreichen, dass sie Rechte haben, für die sie kämpfen wollen.

Ursprung der seit Mitte Juli anhaltenden Proteste in der russischen Hauptstadt sind die Regionalwahlen am kommenden Wochenende, bei denen auch ein neues Moskauer Stadtparlament gewählt wird. Im Vorfeld kam es zu Manipulationen der Kandidatenlisten, sodass fast alle oppositionellen Kandidaten jetzt nicht zugelassen sind.

"Tote Seelen gibt es im Moskauer Stadtrat und nicht auf unseren Kandidatenlisten", steht auf einem Plakat, das ein von Polizisten umringter Demonstrant in Moskau hochhält. | Bildquelle: picture alliance/dpa
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"Tote Seelen gibt es im Moskauer Stadtrat und nicht auf unseren Kandidatenlisten", steht auf einem Plakat, das ein von Polizisten umringter Demonstrant in Moskau hochhält. Oppositionellen Kandidaten war die Registrierung zur Kommunalwahl mit der Begründung verweigert worden, es handle sich um Karteileichen - "tote Seelen".

Sprechchöre tausender Demonstranten

Eine von ihnen ist die Juristin Ljubow Sobol. Sie hatte zu dem friedlichen Protest heute aufgerufen und erklärte: "Wir geben nicht nach. Die Menschen in Moskau fordern, dass sie sich in den politischen Prozess einbringen können, und sind nicht bereit, sich mit der Gesetzlosigkeit abzufinden."

Noch immer sitzen Demonstranten und auch Oppositionsführer fest, weil sie bei vergangenen Protesten dabei waren. Mehrere tausend Menschen setzten sich nach Angaben kremlkritischer Medien heute in der Moskauer Innenstadt für sie ein und riefen: "Lasst die Festgenommenen frei!" oder "Veränderungen, Veränderungen!".

Demonstranten in Moskau fordern freie Wahlen
tagesschau 20:00 Uhr, 31.08.2019

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Angst vor sowjetischen Verhältnissen

Auffallend ist, dass diesmal mehr Frauen dabei waren, um speziell auf Frauenrechte aufmerksam zu machen - im Besonderen auf das Thema häusliche Gewalt. Auch wenn viele einräumen, Angst davor zu haben, von der Polizei abtransportiert zu werden. Wie auch eine ältere Frau in knallpinkem T-Shirt, die das Verhalten der russischen Führung an Sowjetzeiten erinnert.

"Verstehen Sie, ich möchte nicht dass meine Enkelin, die fünf Jahre alt ist, in so einem Land lebt wie das, in dem meine Mutter und meine Großmutter groß geworden sind", sagt sie. "Wir sind aber schon auf dem besten Weg dahin. Ich hoffe allerdings, dass eine 60-jährige Frau hier nicht mit einem Prügel geschlagen wird, obwohl ja alles möglich ist."

Mausefalle der Polizei-Sondereinheit

Die Polizei hielt sich den ganzen Nachmittag im Hintergrund. Die russische Führung zeigte allerdings noch einmal ihre Stärke, als die Sondereinheit OMON den Moskauer Zentralen Puschkinplatz umstellte, den geplanten Endpunkt des friedlichen Spaziergangs heute - eine Art Mausefalle für die Demonstrierenden.

Als Zeichen ihrer Ablehnung des politischen Systems verweigerten Demonstranten den Journalisten staatlich gesteuerter Fernsehsender Interviews und jagten sie zum Teil sogar vom Platz. Festgenommen wurde bis zum frühen Abend niemand.

Tausende demonstrieren in Moskau für freie Wahlen
Sabine Stöhr, ARD Moskau
31.08.2019 18:07 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. August 2019 um 17:00 Uhr.

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