Erstbesteiger des Mount Everest: Der Neuseeländer Edmund Hillary, rechts, und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay. | Bildquelle: dpa

Mount-Everest-Erstbesteiger Schon Hillary warnte vor Kommerz

Stand: 20.07.2019 02:23 Uhr

Sir Edmund Hillary hat als erster Mensch den Mount Everest bestiegen. Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Mit großer Sorge verfolgte er, wie der welthöchste Berg Ziel von Kommerz und Tourismus wurde. Und er warnte vor den Folgen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu Delhi

Als Sir Edmund Hillary am 29. Mai 1953 den Gipfel des Mount Everest erreichte, fand er wohl keine Plastikflaschen und Wurstdosen im ewigen Eis. Zusammen mit seinem Sherpa, Tenzing Norgay, war der Neuseeländer, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, der erste Bergsteiger, der es bis dort oben hin geschafft hatte - und lebend wieder runter kam.

Der letzte, besonders gefährliche Grat unterhalb des 8848 Meter hohen Gipfels trug danach den Namen "Hillary Step", bis er bei einem Erdbeben vor vier Jahren als Steinlawine in die Tiefe stürzte.

Immer mehr Bergsteiger

Inzwischen ist der Aufstieg zum Gipfel des Mount Everest eine Touristen-Attraktion geworden. Jährlich kommen immer mehr Bergsteiger zum höchsten Berg der Welt - auch solche, die gar nicht ausreichend vorbereitet sind. Die Folge sind Staus und Engpässe an den besonders gefährlichen letzten Abschnitten in über 8000 Metern Höhe. Es kommt immer häufiger zu tödlichen Unfällen.

Viele professionelle Bergsteiger fordern schon seit Jahren, dass die Behörden in Nepal den Aufstieg besser regulieren. Zu viele Bergsteiger hätten kein ausreichendes Training. Auch einige Agenturen in Nepal, die die Touren auf den Mount Everest anbieten, seien nicht professionell genug, klagte Russel Brice - ein neuseeländischer Bergsteiger - einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters:

"Die nepalesischen Behörden müssen endlich verstehen, dass man eine gute Ausbildung und viel Erfahrung braucht, bevor man auf den Mount Everest klettern kann. Wenn man das berücksichtigen würde, könnte man die Zahl der tödlichen Unfälle sofort um die Hälfte reduzieren. Und es sind diese unerfahrenen Bergsteiger, die die Probleme dort oben verursachen. Sie verstopfen die Aufstiegsrouten, sie sind schuld an den meisten tödlichen Unfällen und das sorgt für schlechte Publicity."

Das höchste Lager am Mount Everest ist mittlerweile übersät mit zurückgelassenen Zelten. | Bildquelle: AP
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Das höchste Lager am Mount Everest ist mittlerweile übersät mit zurückgelassenen Zelten.

Plastikflaschen, Konservendosen und sogar ganze Zelte

Die Massen von Bergsteigern, die sich jedes Jahr auf den Weg zum Gipfel des Mount Everest machen, hinterlassen jede Menge Müll. Plastikflaschen, Konservendosen und sogar ganze Zelte mit Teilen der Ausrüstung liegen am Basecamp und anderen Lagerplätzen entlang der Route.

Padang Tshering ist einer der Sherpas, die im Auftrag der nepalesischen Regierung wenigstens einen Teil der Abfälle wieder runter holen. "Dort oben am Camp 4 liegt so viel Müll rum, denn die Bergsteiger und ihre Sherpas sind so erschöpft, wenn sie den Gipfel erreicht haben, dass sie keine Kraft mehr haben, ihre Abfälle wieder runter zu tragen", sagt er. "Sie lassen sie dann einfach liegen."

Soldaten der nepalesischen Armee stapeln Müll, der am Mount Everest gesammelt wurde. | Bildquelle: AP
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Soldaten der nepalesischen Armee stapeln Müll, der am Mount Everest gesammelt wurde.

15.000 Kilo Abfälle allein aus dem Basecamp

Würde der ganze Müll vom Mount Everst, den die Sherpas ins Tal gebracht haben, aufgeschüttet, statt mit Containern abtransportiert, würde wohl auch ein schwer zu erklimmender Berg entstehen, sagte Ang Dorjee, der Vorsitzende des Sagarmatha Umwelt-Komitees, einer Nichtregierungsorganisation, die sich für die Müllbeseitigung engagiert. "Während der Frühlings-Saison haben wir rund 15.000 Kilogramm Abfälle allein vom Basecamp runter geholt. Und weiter oben, im Camp 2, waren es locker noch mal mindestens 8000 Kilogramm", so Dorjee.

Mit mehr Kontrolle will die nepalesische Regierung dem Abfall-Problem am Mount Everest Herr werden. Dandu Raj Ghimire, der Vorsitzende der Tourismus-Behörde, sagt, dass die Behörden in Khumbu ein System mit Stickern einführen wollten. "Die gesamte Ausrüstung der Bergsteiger wird vor deren Aufstieg eingescannt und registriert. Dann werden sie in Zukunft nichts mehr oben lassen und der Berg bleibt sauber."

So sauber, wie er bei der Erstbesteigung durch Hillary war, wird der Mount Everest wohl nicht mehr werden. Schon seit den 1990er-Jahren hatte sich Hillary gegen den zunehmenden Kommerz am Mount Everest eingesetzt. Gestorben ist er im Januar 2008 im Alter von knapp 89 Jahren. Seinen Sarg, so heißt es, habe die neuseeländische Flagge geschmückt und der Eispickel, den er bei der Erstbesteigung des höchsten Berges der Welt benutzt und wieder mit runter gebracht hatte.

Erstbesteiger des Mount Everest: Der Neuseeländer Edmund Hillary, rechts, und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay. | Bildquelle: dpa
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Erstbesteiger des Mount Everest: Der Neuseeländer Edmund Hillary, rechts, und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay.

100. Geburtstag von Edmund Hillary - Müllkippe Mount Everest
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
20.07.2019 00:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Juni 2019 um 11:36 Uhr in der Sendung "Umwelt und Verbraucher" sowie Deutschlandfunk am 10. Juni 2019 um 19:29 Uhr in der Sendung "Sport am Wochenende".

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