Proteste in Myanmar "Ich werde weiterkämpfen, solange ich kann"

Stand: 28.02.2021 04:31 Uhr

Einen Tag nach seiner Kritik am Militärputsch ist der UN-Botschafter Myanmars entlassen worden. Kyaw Moe Tun kündigte an, weiterzukämpfen. Auch die Proteste in seiner Heimat dauern an.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Die Militärjunta fackelte nicht lange. Einen Tag, nachdem der UN-Botschafter ein Ende des Putsches gefordert hatte, verkündete eine Nachrichtensprecherin im Armeefernsehen: "Myanmars Botschafter bei den Vereinten Nationen, Kyaw Moe Tun, befolgt nicht die Ordnung und Instruktionen seines Landes, er verrät sein Land und hilft der illegalen Gruppierung, die nicht die Regierung repräsentiert. Er hat seine Macht und Verantwortung missbraucht, darum ist er gefeuert worden."

"Ich werde weiterkämpfen, solange ich kann", sagte Kyaw Moe Tun danach der Nachrichtenagentur Reuters in New York. Die Proteste in seiner Heimat dauern weiterhin an, denn wie der entlassene Botschafter kämpfen auch die anderen Gegner des Militärputsches weiter. Sie wollen ihre Demokratie und ihre gewählte Regierung zurück.

Blendgranaten und Gummigeschosse

Die Sicherheitskräfte gingen mit heftigem Einsatz gegen die Demonstranten vor. Sie zündeten Blendgranaten, schossen in die Luft und sollen Gummigeschosse und Tränengas eingesetzt haben. Viele Menschen wurden anscheinend festgenommen - die Angaben über die Zahl der Festnahmen sind unklar, mehr als Hundert sollen es in jedem Fall sein. Nach unbestätigten Berichten ist eine Ärztin gestorben.

Laut Augenzeugen geht die Polizei gezielt gegen Journalisten vor. Menschen, die den Demonstranten Essen reichten oder die Verletzten helfen wollten, wurden ebenfalls angegriffen, so heißt es in den sozialen Medien.

Im ganzen Land hatten sich wieder Tausende Menschen auf die Straße begeben, um gegen die Machtergreifung durch das Militär zu protestieren. Vor vier Wochen hatten die Streitkräfte die gewählte Regierung gestürzt und die de-facto Regierungschefin Aung San Suu Kyi festgesetzt. Die USA haben die Militärjunta mit Sanktionen belegt, auch die Europäische Union hat Sanktionen beschlossen.

"Die Staatsmacht muss zum Volk zurückkehren"

Am Freitag forderte der bisherige Botschafter Myanmars bei den Vereinten Nationen im Namen der gewählten Regierung seines Landes die Welt auf: "Setzt alle notwendigen Mittel ein gegen das Militär Myanmars und sorgt für Sicherheit und Schutz für die Bevölkerung Myanmars." Der Putsch müsse sofort beendet werden, fuhr er fort, Unschuldige dürften nicht unterdrückt werden. "Die Staatsmacht muss zum Volk zurückkehren und die Demokratie wiederhergestellt werden."

Zum Abschluss hob er wie Hundertausende seiner Landsleute auch die Hand zum Dreifingergruß, dem populären Zeichen von Protest und Widerstand gegen die Unterdrückung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau24 am 28. Februar 2021 um 09:00 Uhr.

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