Nelson Mandela

Nachruf auf Nelson Mandela Für Versöhnung und Freiheit

Stand: 06.12.2013 15:46 Uhr

Schon früh beteiligte sich der "Unruhestifter", so Mandelas Geburtsname, am Widerstand gegen die Apartheid. 27 Jahre saß er im Gefängnis, bevor er 1994 Südafrikas erster schwarzer Präsident wurde. Mit seinem Einsatz für Freiheit und Versöhnung wurde er zu einer nationalen Ikone.

Von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Hörfunkstudio Johannesburg

Seinen letzten großen öffentlichen Auftritt hat er bei der Fußball-WM 2010. Dick in einen Pelzmantel eingewickelt wird er mit seiner Frau Graca durch das Stadion in Soweto gefahren. Er lächelt, winkt und bezaubert die ganze Welt.

Nelson Mandela beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2010
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Nelson Mandela bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.

Nelson Mandela - der Großvater der Regenbogennation Südafrika. Sein ganzes Leben hat er für sein Land und sein Volk geopfert. Dafür sind sie ihm hier ewig dankbar. Niemand kann das schöner auf den Punkt bringen als Südafrikas anderer Friedensnobelpreisträger - Bischof Desmond Tutu. "Wie sehr muss Gott Südafrika lieben, um uns so ein unbezahlbares Geschenk zu machen."

Hirtenjunge mit königlichem Blut

Im Juli 1918 kommt Mandela im kleinen Dorf Mvezo in der Transkei als Rolihlahla Mandela auf die Welt. Der Name bedeutet übersetzt etwa "Unruhestifter". Ein Hirtenjunge mit königlichem Blut. Den Namen Nelson gibt ihm eine weiße Lehrerin auf der Grundschule.

Als junger Mann flieht er vor einer arrangierten Hochzeit nach Johannesburg. Er wird Anwalt, kämpft mit dem Afrikanischen Nationalkongress ANC gegen die Apartheid und gründet 1961 den bewaffneten Wiederstand "Umkhonto we Sizwe" - Speer der Nation.

Drei Jahre später steht er im berühmten Rivonia-Prozess vor Gericht. Der Apartheid-Richter verurteilt ihn wegen Hochverrats zu lebenslanger Haft. 27 Jahre lang hält das Apartheid-Regime ihn gefangen. 18 Jahre davon auf der berüchtigten Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt. Nelson Mandela wird zum populärsten Häftling der Welt.

Das Ideal einer freien Gesellschaft hochgehalten

1990 dann die berühmten Worte des letzten Apartheid-Präsidenten Frederik Wilem de Klerk: "Ich möchte deutlich zum Ausdruck bringen, dass die Regierung die klare Entscheidung getroffen hat, Herrn Mandela ohne Bedingungen freizulassen." Zusammen arbeiten sie eine neue Verfassung aus.

Nelson und Winnie Mandela
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Zwei Tage nach seiner Freilassung: Zehntausende feiern Mandela im Fußballstadion von Soweto (neben ihm seine damalige Frau Winnie).

Hand in Hand mit seiner Frau Winnie läuft Mandela in die Freiheit - ungebeugt. Er wiederholt seine politische Vision, die er schon vor 26 Jahren dem weißen Gericht unterbreitet hat: "Ich habe gegen weiße Vorherrschaft gekämpft, und ich habe gegen schwarze Vorherrschaft gekämpft. Ich habe das Ideal einer demokratischen und freien Gesellschaft hochgehalten, in der alle Menschen in Harmonie und mit den gleichen Chancen zusammenleben."

Friedensnobelpreis und Präsidentschaft

Wenig später bekommen er und de Klerk den Friedensnobelpreis. 1994 darf Nelson Mandela zum ersten Mal in seinem Leben frei wählen, ebenso wie viele Millionen anderer schwarzer Südafrikaner. Die Wahl wird zum Triumph. Nelson Mandela wird mit 76 Jahren der erste schwarze Präsident Südafrikas.

Privat hat Mandela weniger Glück. Zwei Ehen scheitern. Drei seiner sechs Kinder sterben, darunter beide Söhne. Das Verhältnis zu seinen Töchtern ist angespannt. Mit 80 Jahren heiratet er zum dritten Mal. An der Seite von Graca Machel scheint er endlich wieder wirklich glücklich zu sein.

Nach nur einer Amtszeit verabschiedet sich Mandela 1999 aus der Politik. Aber an Ruhestand denkt er nicht: Er gründet eine Kinderstiftung, vermittelt in Konfliktregionen, kämpft gegen AIDS, holt die Fußball-WM nach Südafrika. Und begeistert die Menschen weiter mit seinem Charme und seinem Witz.

Friedensnobelpreis für de Klerk und Mandela | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Frederik de Klerk entließ Mandela 1990 in die Freiheit. Beide erhielten im Dezember 1993 für den Versöhnungsprozess zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung gemeinsam den Friedensnobelpreis.

Mandela 1994
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Am 9. Mai 1994 wird Mandela - hier mit seinen Stellvertretern Thabo Mbeki (l.) und Ex-Präsident de Klerk von der Nationalversammlung zum Präsidenten von Südafrika gewählt. Bis März 1999 ist Mandela Präsident.

"Rufen Sie mich nicht an - ich rufe Sie an!"

Wie an dem Tag vor fast zehn Jahren, als er seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit ankündigt. "Wir hoffen, dass die Menschen Verständnis für unsere Entscheidung haben und uns die Möglichkeit für ein deutlich ruhigeres Leben eröffnen. Rufen Sie mich nicht an - ich rufe Sie an!"

Von da an sieht man "Tata Madiba", wie er liebevoll genannt wird, nur noch selten. Immer wieder hält Südafrika den Atem an, wenn Mandela mit Lungenproblemen ins Krankenhaus eingeliefert wird. In den letzten Jahren ist das immer häufiger passiert. Aber Mandela hat sich bis zum Schluss als Kämpfer erwiesen. 

Wann und wo wird Mandela beigesetzt?

Die zentrale Trauerfeier für den verstorbenen Mandela soll am Dienstag, 10. Dezember, im FNB-Stadion von Johannesburg stattfinden. Das teilte Südafrikas Präsident Jacob Zuma mit. Zu der Trauerfeier werden Staatsoberhäupter aus aller Welt erwartet.

Das Begräbnis für Mandela soll dann am Sonntag, 15. Dezember, in Qunu (Ostkap) stattfinden. Dort war der Friedensnobelpreisträger aufgewachsen. Für diesen Sonntag rief die Regierung einen nationalen Tag der Trauer aus.

Nelson Mandela ist schon zu Lebzeiten eine nationale Ikone gewesen. Auch wenn er verzweifelt versucht hat, gegen dieses Image zu kämpfen. "Ich bin kein Heiliger. Ich bin ein Sünder, der sich bemüht." Er wollte einfach als normaler Mensch in die Geschichte eingehen. Südafrika und die Welt werden sich schwer tun, Nelson Mandela diesen Wunsch zu erfüllen.

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