Raketenabschuss aus dem Gazastreifen | Bildquelle: AFP

Gazastreifen Schwere Gefechte zwischen Israelis und Hamas

Stand: 14.07.2018 21:55 Uhr

Israelis und Palästinenser haben sich an der Grenze zum Gazastreifen heftige Gefechte geliefert. Israels Luftwaffe flog einen der größten Angriffe der vergangenen Jahre. Palästinenser schossen mit Granaten und Raketen.

Zwischen Palästinensern und Israelis ist die Lage erneut gefährlich eskaliert. Nachdem militante Palästinenser Mörsergranaten und Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert hatten, flog die israelische Luftwaffe massive Luftangriffe auf Dutzende Ziele im von der radikal-islamischen Hamas beherrschten Gazastreifen. Es war eine der größten Operationen der vergangenen vier Jahre. Armeesprecher Jonathan Conricus sprach vom "größten Angriff bei Tageslicht" seit dem Gaza-Krieg im Sommer 2014.

Militante Palästinenser hätten Israel mit 100 Raketen und Mörsergranaten angegriffen, teilte die israelische Armee mit. Die Angriffe der Palästinenser kommentierte Hamas-Sprecher Fausi Barhum mit den Worten, man wolle damit eine "klare Botschaft senden" und "den Feind dazu zwingen, die Eskalation zu stoppen".

Netanyahu droht mit Verschärfung der Angriffe

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drohte mit einer Verschärfung der Angriffe im Gazastreifen, sollten Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel andauern. Bei einer Beratung mit dem Verteidigungsminister Avigdor Lieberman und der Armeespitze habe man sich "für einen entschlossenen Einsatz gegen den Hamas-Terror entschlossen".

Die israelische Armee habe der Hamas mit massiven Luftangriffen den "härtesten Schlag" seit dem Gaza-Krieg versetzt. "Wir werden die Intensität der Angriffe wenn nötig verstärken", sagte Netanjahu.

Palästinensische Jugendliche getötet

Nach palästinensischen Angaben wurden bei den Luftangriffen zwei Jugendliche getötet. 14 weitere Menschen seien bei dem Angriff auf ein Gebäude verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza mit. Bei den Toten handelte es sich den Angaben zufolge um einen 15-Jährigen und einen 16-Jährigen aus Gaza. Bereits am Freitag war ein palästinensischer Jugendlicher getötet worden. Ein 20-Jähriger erlag den Angaben zufolge heute seinen Verletzungen.

Israelische Rettungssanitäter teilten mit, Raketen aus dem Gazastreifen hätten in Sderot am Abend ein Haus getroffen und drei Israelis verletzt. Die Verletzungen seien leicht bis mittelschwer. Es ist das erste Mal seit Beginn der jüngsten Konfrontation zwischen Hamas und Israel im Frühjahr, dass Raketen aus dem Gazastreifen in Israel Menschen verletzten.

Gefechte im Gazastreifen | Bildquelle: dpa
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Gefechte im Gazastreifen

Israelischer Armeesprecher: "Vergeltung gegen Hamas"

Israel hatte bereits in der vorangegangenen Nacht Hamas-Ziele angegriffen. Allein in einer dritten Welle tagsüber seien 40 militärische Hamas-Ziele bombardiert worden, sagte Armeesprecher Conricus. Das Hauptquartier eines Hamas-Bataillons in Beit Lahia im Norden des Gazastreifens sei komplett zerstört worden, ebenso wie ein logistisches Zentrum mit Helium-Vorräten.

Conricus sprach von "Vergeltung der israelischen Armee gegen die Hamas". Seit Monaten verübe die radikalislamische Palästinenserorganisation Terrorangriffe auf Israel. Der Armeesprecher zählte Angriffe mit Brand-Drachen, Attacken am Grenzzaun sowie die Angriffe mit Raketen und Mörsergranaten auf. Zuletzt habe die Gewalt zugenommen, sagte Conricus.

"Unsere Botschaft an die Hamas ist: Wir können und werden die Intensität unserer Angriffe steigern", sagte der Sprecher. "Die Hamas drängt die Bevölkerung des Gazastreifens immer weiter an den Rand des Abgrunds." Er betonte, es seien nur militärische Ziele angegriffen und die Bevölkerung in arabischer Sprache gewarnt worden.

Unruhen und Kämpfe seit dem Frühjahr

Die Hamas hatte Ende März zum "Marsch zur Rückkehr in die Heimat" aufgerufen. Dies war eine Reaktion auf das 70-jährige Jubiläum der Staatsgründung Israels, die im Mai gefeiert wurde. Seit März töteten israelische Soldaten bei teils gewaltsamen Protesten an der Gaza-Grenze nach palästinensischen Angaben rund 140 Menschen. Viele davon waren Hamas-Mitglieder.

Die Palästinenser fordern ein Ende der vor mehr als zehn Jahren verhängten Gaza-Blockade und ein Rückkehrrecht in das israelische Staatsgebiet. Sie beziehen sich dabei auf Flucht und Vertreibung Hunderttausender nach der israelischen Staatsgründung im Jahr 1948.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Juli 2017 um 17:00 Uhr.

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