Bewaffnete palästinensische Dschihad-Kämpfer nehmen an einer Beerdigung teil.  | Bildquelle: AFP

Waffenruhe in Nahost Die Inszenierung eines Sieges

Stand: 14.11.2019 15:40 Uhr

Nach den intensiven israelischen Luftangriffen und dem Raketenbeschuss von Palästinensern gibt es erste Zeichen der Entspannung. Israel hat indirekt eine Waffenruhe bestätigt, die bleibt jedoch brüchig.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Am Vormittag, so scheint es, wurde die Waffenruhe wieder gebrochen. Ein Reporter aus den USA postete ein Video auf Twitter. Der Fox-Journalist hält sich gerade im Gazastreifen auf. Im Himmel sind Rauchschwaden zu sehen. In mehreren israelischen Orten am Gazastreifen ertönt Raketenalarm.

Dabei hatte sich die Lage nach etwa 48 Stunden voller Gewalt beruhigt. Nach mehr als 450 Raketen, die der Islamische Dschihad auf Israel gefeuert hatte. Nach Luftschlägen der israelischen Armee, die über 20 Mitglieder der militanten Organisation töteten - aber auch Zivilisten.

"Wir sind mit ägyptischer Vermittlung zu einer Waffenruhe gelangt", sagte ein Sprecher des Islamischen Dschihad. "Das Abkommen wurde erreicht, nachdem Israel den Bedingungen des palästinensischen Widerstands nachgab."

Dschihad will sich als Sieger inszenieren

Der Islamische Dschihad will sich mit solchen Aussagen als Sieger inszenieren. Doch Israel kommentiert nicht, ob es angebliche Bedingungen überhaupt erfüllt. Grundsätzlich sprechen Vertreter des Landes nicht gerne über die inoffiziellen Verhandlungen mit Organisationen, die sie als Terrorgruppen einstufen. Jonathan Conricus, ein Sprecher der Armee, sagte jedoch: "Wir sind informiert worden, dass es eine Waffenruhe gibt, nach meinem Verständnis war Ägypten von höchster Bedeutung bei den Verhandlungen."

"Schwarzer Gürtel" hat die israelische Armee die Operation gegen den Islamischen Dschihad genannt. Die Armee betont, man habe versucht, zivile Opfer wann immer möglich zu vermeiden. Nach palästinensischen Angaben wurden durch einen Luftangriff in der Nacht jedoch mehrere Zivilisten getötet, darunter Kinder. Der Angriff erfolgte wohl auf das Haus eines Kommandeurs des Islamischen Dschihad.

Raketen im Nachthimmel über dem Gazastreifen. | Bildquelle: AP
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Die vergangenen Tage und Nächte waren durch Luftangriffe und Raketenbeschuss geprägt, wie hier über dem Gazastreifen.

Sorge wegen Zurückhaltung von Hamas

"Ich habe noch keine neuen Details zu diesem spezifischen Ziel", sagte Jonathan Conricus, Sprecher der israelischen Armee. "Was ich sagen kann: Anführer des Islamischen Dschihads nutzen ihre Privathäuser als Waffenlager. Das ist ihre Strategie. Sie nutzen ihre Familienmitglieder als menschliche Schutzschilde."

Die neuen Angriffe der Palästinenser am Vormittag - trotz ausgehandelter Waffenruhe - könnten eine Reaktion auf jenen Angriff sein, bei dem auch Kinder getötet worden sein sollen. Könnten: Fest steht hingegen, dass sich die Hamas weiterhin zurückhält. Jene Organisation, die Gaza weitgehend kontrolliert. Dass der Islamische Dschihad an der Hamas vorbei agiert, bereitet manchen Israelis weiterhin Sorgen.

Susanne Glass, ARD Tel Aviv, zur fragilen Waffenruhe in Nahost
tagesschau24 15:00 Uhr, 14.11.2019

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Komplizierte Lage für Israel

Die Forscherin Ksenia Svetlana fuhr bis 2007 in den Gazastreifen und interviewte dort Vertreter der Dschihadisten. "Das war eine völlig esoterische Organisation", sagte sie im israelischen Fernsehen. "Sie hatte kein eigenständiges Existenzrecht. Dass das jetzt anders ist und die Organisation ein Ableger des Irans im Gazastreifen ist, ist eine sehr gefährliche Angelegenheit."

Israel hat Konflikte mit vielen Akteuren der Region. Schaut weiterhin auf die Hisbollah im Libanon. Und natürlich auf den Iran. Im Gazastreifen bleibt es für Israel kompliziert. Der Islamische Dschihad hat in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass im Küstenstreifen nicht nur die Hamas den Ton angibt.

Gazastreifen: Waffenruhe – aber wie lange?
Benjamin Hammer, ARD Tel Aviv
14.11.2019 12:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. November 2019 um 15:00 Uhr.

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