Vanessa Nakate hatte mit anderen Klimaaktivistinnen für dieses Foto posiert - und wurde von einer Bildagentur später herausgeschnitten. Dagegen wehrte sie sich. | Bildquelle: dpa

Klimaaktivistin Nakate Sie passte nicht ins Bild

Stand: 31.01.2020 20:38 Uhr

Die ugandische Fridays for Future-Aktivistin Vanessa Nakate wurde in Davos aus einem Foto geschnitten. Jetzt kämpft sie für eine faire und diverse Berichterstattung über den Klimawandel.

Von Caroline Hoffmann, Studio Nairobi

Vanessa Nakate konnte es nicht glauben. Ein paar Minuten zuvor auf der Pressekonferenz der Fridays for Future-Bewegung in Davos hatte sie noch darüber gesprochen. "In der Pressekonferenz hatte ich gesagt, wie wichtig es sei, auch die Perspektive der Afrikaner zu zeigen und divers zu berichten", erzählt sie eine Woche später in einem Interview mit tagesschau.de. "Und dann passiert das!"

Bei einem Fototermin mit Greta Thunberg, Luisa Neubauer, Loukina Tille und Isabelle Axelsson am 24. Januar waren sie zwar alle gemeinsam vor der Kulisse von Davos fotografiert worden, aber die Fotoagentur Associated Press veröffentlichte ein Bild nur mit den weißen Aktivistinnen. Nakate ist fassungslos. "Ich war total frustriert und verletzt", erzählt die 23-Jährige. "Es ist doch offensichtlich, dass wir weniger wichtig sind, als diejenigen, die das Privileg haben, weiß zu sein."

Thunberg: "Fokus auf mich sehr groß"

Nakate wehrt sich. Auf Twitter fragt sie die Agentur, warum sie aus dem Foto geschnitten wurde. Veröffentlicht ein Video, in dem sie unter Tränen sagt: "Sie wagen es, das Foto einfach zu ändern - ohne irgendeine Erklärung oder Entschuldigung. Heißt das, ich habe als afrikanische Aktivistin keinen Wert? Oder dass Menschen aus Afrika generell keinen Wert haben?" Im Netz erhält sie viel Zustimmung - und andere afrikanische Aktivisten schreiben ihr, dass auch sie kaum gehört würden.

AP reagiert. Die Agentur tauscht das Foto aus und schreibt noch am selben Tag öffentlich: "Wir schulen unsere Journalisten, sensibel zu sein für die Frage von Einbindung oder Weglassen. Wir haben intern gesprochen und wir werden aus dieser Fehleinschätzung lernen." Immer mehr Medien berichten über den Vorfall.

Eine Woche später möchte Nakate jetzt vor allem nach vorne blicken und gemeinsam mit Fridays for Future die Diskussion nutzen, um mehr Aufmerksamkeit für ihren Kontinent zu bekommen. Am Freitag gaben sie, Greta Thunberg und andere deshalb eine Online-Video-Konferenz. "Weil Vanessa meine Freundin ist, hat es mich sehr getroffen, dass sie diese Erfahrung machen musste", sagte Thunberg. "Der Fokus auf mich ist sehr groß und das nimmt ihn von der Klimakrise selbst, der Wissenschaft und besonders den Menschen weg, die gehört werden sollten."

Fridays For Future-Aktivistinnen Ell Ottosson Jarl und Greta Thunberg bei einer Pressekonferenz, auf der Vanessa Nakate per Videochat zugeschaltet ist. | Bildquelle: via REUTERS
galerie

Fridays For Future-Aktivistinnen Ell Ottosson Jarl und Greta Thunberg bei einer Pressekonferenz, auf der Vanessa Nakate per Videochat zugeschaltet ist.

"Nur wir wissen, was wir durchmachen müssen"

Der Fokus gehöre auf alle, das findet auch Nakate. "Es ist wichtig für uns Afrikaner, dass unsere Geschichten gehört werden. Nur wir wissen, was wir durchmachen müssen." Schon in Davos wollte sie vermitteln, wie groß die Herausforderungen ihres Heimatlandes Uganda und ihres Kontinents in Zeiten des Klimawandels sind. "Die größte Bedrohung durch die Klimakrise ist für uns, dass die Nahrung nicht mehr reichen könnte", sagte sie in der Videokonferenz. "Die Regenzeiten sind anders verteilt und teils sehr extrem. Felder und auch die Häuser der Leute werden durch Überflutungen zerstört. Dann gibt es wieder Dürren, die Ernten vernichten."

Und der Vorfall mit dem Foto? Vergessen hat sie ihn nicht, aber die junge Aktivistin sieht inzwischen vor allem die positive Seite ihres Erlebnisses. "Die Tatsache, dass mich jetzt viele Leute kennen, ist völlig neu für mich. Aber ich bin glücklich, denn es ist eine positive Art von Popularität und Berichterstattung", erzählt sie. "Die Erzählung über die Klimabewegung in Afrika ändert sich."

Gerade die Aktivisten in Afrika bräuchten auch Aufmerksamkeit. Viele Menschen trauten sich nicht, an Streiks teilzunehmen, gegen die eigene Regierung zu protestieren. Sie fürchteten Probleme mit der Polizei.

Nakate nutzt ihre Bekanntheit für die Klimabewegung

Vanessa Nakate hat diese Ängste nicht. Sie fordert die Regierungen auf, die Menschen in ihrem Protest zu unterstützen. "Es ist wichtig, dass die Regierungen in Afrika den Menschen das Recht zur freien Meinungsäußerung geben", erklärt die Aktivistin. "Damit sie fordern können, was ihnen rechtmäßig zusteht." Es brauche auch mehr Informationen und Bildung in Sachen Klimawandel.

Nakate arbeitet in Ugandas Hauptstadt Kampala bei einer Solarfirma. In ihrer Freizeit engagiert sie sich als Klimaaktivistin. Sie streikt freitags gegen den Klimawandel, geht in Schulen, um über das Thema aufzuklären. Ihre neue Bekanntheit will sie dafür jetzt weiter nutzen - zusammen mit Greta Thunberg und den anderen Aktivisten:

"Wenn 2019 das Jahr gewesen ist, um den Menschen das Problem bewusst zu machen, muss 2020 jetzt das Jahr werden, um zu handeln."

Einfach abgeschnitten - Ugandische Klimaaktivistin fehlt auf Foto aus Davos
Antje Diekhans, ARD Nairobi
01.02.2020 08:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Februar 2020 um 15:00 Uhr.

Darstellung: