Peter Walter, University of California (Archivbild) | Bildquelle: University of California

Corona-Forschung in den USA Schützt Nasenspray vor Infektion?

Stand: 13.08.2020 12:26 Uhr

Ein Nasenspray soll das Coronavirus daran hindern, in Körperzellen einzudringen, so die Idee von US-Wissenschaftlern. Erste Forschungen wurden jetzt veröffentlicht. Auch ein Berliner Professor ist beteiligt.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Wissenschaftler der "UC San Francisco" haben eine Forschungsarbeit auf der Wissenschaftsplattform bioRxiv veröffentlicht und ein Nasenspray vorgestellt. Sie sind fest davon überzeugt, dass damit eine Ansteckung mit dem Coronavirus verhindert werden kann.

"Wir haben das neue Medikament AeroNabs getauft", erzählt der aus Berlin stammende Biochemiker Peter Walter, in dessen Labor das Mittel entwickelt wurde. Im Interview mit der ARD erklärt der Professor: "Der Name ist entstanden, weil wir Moleküle zu einem Aerosol gemacht haben und einen Nebel herstellen konnten. Wird dieser eingeatmet, gelangt er tief in die Lunge. Dort kann er das Virus angreifen, bevor dieses in die Körperzellen eindringt."

Das Präparat könne für einen 24-stündigen Schutz sorgen, hofft der Deutsch-Amerikaner, der in der Vergangenheit immer wieder für den Medizin-Nobelpreis im Gespräch war.

Proteinmoleküle sollen Erreger austricksen

Walters Wissenschaftsteam erzeugte im Labor künstliche Proteinmoleküle, die den sogenannten Nano-Körpern ähneln. Die tricksen Erreger verschiedener anderer Krankheiten aus. Nano-Körper kommen zum Beispiel in Kamelen und Lamas vor. Die Idee der Forscher: Die Moleküle sollen sich auf die kronenartige Oberfläche des Corona-Virus setzen und es unbrauchbar machen. 

Walter erklärt das so: "Die Moleküle verfügen über Binderegionen, mit denen sie sich an das Virus anheften." Einmal gebunden, würden sie nicht mehr loslassen und das Virus komplett deaktivieren.

Um die Forschungsergebnisse zu verdeutlichen, beschreibt Walter den Corona-Infektionsverlauf: Dabei gelange das Virus über die Nasenräume in den Körper. Dort greife es die menschlichen Zellen an. Dann dringe das Virus tiefer in die Lunge vor, wo es sich vermehre. "Solange wir das Virus im Nasenraum aufhalten können, werden die AeroNabs gut funktionieren. Das jedenfalls hoffen und planen wir", sagt der Professor.

Herstellung ähnelt der von Insulin

Walters Team hofft, dass das Medikament einen zuverlässigen Schutz gegen eine Corona-Infektion bieten könne, bis ein Impfstoff zur Verfügung stehe. Der Professor sagt: "Die Moleküle sind einfach in großen Mengen herzustellen. Wenn sich keine klinischen Nebenwirkungen ergeben, könnte das Spray durchaus ein breites Spektrum von Anwendungen finden."

Einen weiteren Vorteil des Medikaments sieht er in der Herstellung: Sie ähnele der von Insulin. Sollte sich AeroNabs in den nun anstehenden klinischen Tests als wirksam herausstellen, könne es in wenigen Monaten auf den Markt kommen. Man sei bereits mit Herstellern im Gespräch, sagt Professor Walter. 

Uni von San Francisco entwickelt Nasenspray, das gegen Corona-Infektion schütze
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
13.08.2020 09:32 Uhr

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