Das Nördliche Breitmaulnashorn-Weibchen Najin | Bildquelle: dpa

Vom Aussterben bedroht Corona verzögert Nashorn-Rettung

Stand: 08.07.2020 11:13 Uhr

Nur noch zwei Nördliche Breitmaulnashörner leben weltweit, beide sind weiblich - und trotzdem hoffen Forscher, Nachwuchs zeugen zu können. Doch wegen der Corona-Krise verrinnt wertvolle Zeit.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Sie sind die letzten ihrer Art: Najin und Fatu, zwei Nördliche Breitmaulnashörner. Gemütlich grasen sie im Schutzgebiet Ol Pejeta in Kenia. Früher hatten sie noch zwei männliche Begleiter, doch die sind inzwischen gestorben. Die Art wäre nicht mehr zu retten, wenn es den medizinischen Fortschritt nicht gäbe. "Bevor sie gestorben sind, haben wir ihre Spermien entnommen", sagt Jacob Anampiu. "Die sind jetzt eingefroren."

Anampiu gehört zu den Wildpflegern, die sich täglich um die zwei Nashorndamen kümmern. Die beiden sind Mutter und Tochter, 30 und 20 Jahre alt. Leider können beide keinen Nachwuchs austragen. "Die Mutter hat ein Problem mit den Hinterbeinen", erklärt Anampiu. "Die Nashörner waren früher in einem Zoo in Tschechien und mussten da auf Beton stehen. Die Tochter hat Schwierigkeiten mit der Gebärmutter und kann gar nicht schwanger werden."

Drei befruchtete Eizellen

Ein internationales Team, zu dem auch Forscher des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung gehören, versucht, das Unmögliche möglich zu machen. Najin und Fatu werden regelmäßig Eizellen entnommen, erzählt der Tierarzt in Ol Pejeta. Stephen Ngulu. Allerdings sei das während der Corona-Pandemie schwierig: Denn für das Entnehmen der Eizellen brauche es ein Team von Experten. "Einige davon sind in Kenia, aber manche auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern."

Zwei Mal konnten vor den internationalen Flugverboten und Quarantänevorschriften schon Eizellen gewonnen werden. Drei davon wurden erfolgreich befruchtet. Ein Embryo soll eigentlich einem Südlichen Breitmaulnashorn eingesetzt werden, das jetzt schon jeden Tag mit Najin und Fatu durch das Reservat zieht. Doch wann das möglich ist, stehe in den Sternen, sagt der Tierarzt. "Die Zukunft ist ungewiss. Es gibt nur diese beiden nördlichen Breitmaulnashörner. Und wir wissen nicht, wie lange wir sie noch haben."

"Eine Frage der Zeit"

Jeder Zyklus, in dem keine neuen Eizellen entnommen werden können, bedeutet einen unwiederbringlichen Verlust. Denn vermutlich werden mehrere künstliche Befruchtungen nötig sein, bis eine davon erfolgreich ist.

Richard Vigne, der Leiter des Wildreservats, bleibt trotzdem zuversichtlich. "Es ist nur eine Frage der Zeit", sagt er. "Mit jedem Experiment steigen die Chancen. Dass wir jetzt im Moment keine Versuche durchführen können, bedeutet einfach, dass es bis zum Erfolg länger dauern wird."

Wenn Najin und Fatu irgendwann sterben, sollen sie nicht mehr die letzten Nördlichen Breitmaulnashörner sein. Wenn alles gut geht, werden sie vorher noch mit ihrem Nachwuchs durch das Wildreservat ziehen.

Befruchtung auf Eis gelegt - Corona verzögert Rettung
Antje Diekhans, ARD Nairobi
08.07.2020 10:26 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juli 2020 um 06:38 Uhr.

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