Porträt der Sacharow-Preisträgerin Nasrin Sotoudeh - trotz allem ungebrochen

Stand: 11.03.2019 14:25 Uhr

Sie kämpft für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit - und sie lässt sich auch durch massive Repressionen nicht davon abhalten. Die Sacharow-Preisträgerin Sotoudeh muss im Iran eine jahrelange Haftstrafe absitzen. Als Anwältin wird sie dort wohl nie wieder arbeiten dürfen.

Von Uwe Lueb, ARD Hörfunkstudio Istanbul

Nasrin Sotoudeh
galerie

Auf ihre Zulassung als Anwältin musste Sotoudeh lange warten - jetzt darf sie nicht mehr arbeiten.

Musik untermalt ein Internet-Video von Menschenrechtsaktivisten. Es trägt den Titel "Zu Ehren politischer Gefangener im Iran". Ihr Gesicht ist das erste, das zu sehen ist. Nasrin Sotoudeh lächelt fast schüchtern, ein Tuch umrahmt ihren Kopf. Kopftücher trägt sie, weil sie es im Iran muss, sagt sie im Interview mit einem US-Sender.

Natürlich sei sie dagegen, doch dafür verkämpft sich eine Nasrin Sotoudeh nicht. Es gibt wichtigere Rechte von Frauen im Iran. Sie selbst etwa habe als junge Frau lange überlegt, ob sie überhaupt Rechtsanwältin werden dürfe. Sie darf, hat sie sich irgendwann selbst geantwortet. Aber auf ihre Zulassung als Anwältin musste sie acht Jahre lang warten.

Der ewige Kampf um Menschenrechte

Ihrer Berufung konnte das nichts anhaben. Sotoudeh ging es schon immer um Menschenrechte: Rechte von Frauen, Gefangenen, Andersdenkenden, Kindern. Im Gespräch mit einer internationalen Organisation für Frauenrechte prangert sie die Regierung ihres Landes offen an, die Kinder zum Tode verurteile: "Bei Mädchen ab zehn Jahren und Jungen ab 16 Jahren tut man hier so, als seien sie Erwachsene - und zwar auch im Strafrecht. Damit stehen iranische Gesetze im Widerspruch zu internationalen Verpflichtungen."

An anderer Stelle sagt sie fast resigniert, dass die Justiz im Iran inzwischen einfach warte, bis die Verurteilten 18 sind und sie dann hinrichte. Das Regime im Iran mache, was es wolle. Sotoudeh setzt dagegen auf Aufklärung, auf informierte mündige Bürger. Die Todesurteile für Minderjährige seien da beispielhaft. "Wenn wir davon sprechen, dass Todesstrafen für Kinder gestoppt werden müssen, meinen wir, dass die Gesellschaft wissen sollte, dass Jugendliche nach internationalen Übereinkommen gar nicht hingerichtet werden dürfen - grundsätzlich nicht!"

Anwältin für die Aktivisten der Grünen Revolution

Sotoudeh will eine Bürgergesellschaft, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Deswegen hat sie auch Aktivisten der so genannten Grünen Revolution im Iran nach der Präsidentschaftswahl 2009 vertreten. Doch das war dem Regime zu viel. Seit September 2010 sitzt sie im Gefängnis - verurteilt unter anderem wegen Angriffen auf die nationale Sicherheit und Propaganda gegen die Staatsführung. Elf Jahre soll sie insgesamt absitzen, 20 Jahre lang darf sie nicht mehr als Anwältin arbeiten - und nicht ausreisen. Dann ist sie im Rentenalter. Doch gebrochen ist sie nicht: Immer wieder protestiert sie mit Hungerstreiks gegen ihre Haftbedingungen.

Sotoudeh genießt einen Ruf als Menschenrechtlerin weit über den Iran hinaus. Vor vier Jahren wurde die Mutter zweier Kinder mit dem italienischen Menschenrechtspreis geehrt. Entgegennehmen konnte sie ihn nicht - wegen eines Ausreiseverbotes.

Darstellung: