US-Präsident Donald Trump spricht vor dem Weißen Haus anlässlich des Unabhängigkeitstags. | Bildquelle: AP

Unabhängigkeitstag in den USA Mit Pomp und Parolen

Stand: 05.07.2020 08:19 Uhr

In normalen Zeiten ist der 4. Juli ein unpolitischer Feiertag. In Trump-Zeiten wird auch am Unabhängigkeitstag die Spaltung der USA deutlich - angefeuert von Parolen aus dem Weißen Haus.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Geschlagene 27 Minuten dauerte das gigantische Feuerwerk über der National Mall in Washington. Das Weiße Haus erstrahlte in den Nationalfarben rot, weiß, blau. Und auf dem Rasen zwischen Lincoln Memorial, National Monument und Capitol tummelten sich Tausende Menschen, um bei Temperaturen von 33 Grad den amerikanischen Unabhängigkeitstag zu feiern.

Angesichts der explodierenden Corona-Infektionen im Land wurden fast überall die Abstandsregeln eingehalten.

Im Vergleich zu sonst sei es überhaupt nicht voll, sagt ein Mittfünfziger aus einer Gruppe, die alle Maske tragen. "Es ist so leer wie noch nie zuvor. Das ist wundervoll für uns. Sonst musste man schon immer früh einen Platz reservieren. Wenn ein Demokrat im Weißen Haus regiert, ist es hier dichtgedrängt."

Rauch in den Natonalfarben rot, weiß, blau wird über dem Weißen Haus versprüht. | Bildquelle: REUTERS
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Rot, weiß, blau: In den Farben der US-Flagge erscheint Rauch über dem Weißen Haus.

Flugzeuge donnern über die National Mall

Air Force Thunderbirds, historische B52-Bomber und andere Kampfjets donnern über die National Mall hinweg - unter dem Jubel der Zuschauer. Viele schwenken die Stars- and Stripes-Flagge.

Zwei ältere Frauen haben keine Maske an, stattdessen tragen sie rote Kappen und ein Trump-T-Shirt: Sie seien hier, um ihr Land und den Unabhängigkeitstag zu feiern, erzählt eine der Frauen stolz. Sie sind extra aus Chatanooga im Bundesstaat Tennessee angereist.

Eigentlich sind die Feierlichkeiten am 4. Juli traditionell unpolitisch. Doch in schwierigen Zeiten wie diesen wird auch am Nationalfeiertag die Spaltung des Landes mehr als deutlich.

Feuerwerk über dem Washington Monument | Bildquelle: AFP
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Feuerwerk über dem Washington Monument: Während andernorts in den USA die Veranstaltungen zum 4. Juli abgesagt wurden, wurde in der Hauptstadt groß gefeiert.

Stimmungsmache im Weißen Haus

Ein paar Hundert Meter weiter - im Garten des Weißen Hauses - hat Präsident Donald Trump gerade seine Rede zum 4. Juli gehalten. Wie schon bei den Feierlichkeiten am Mount Rushmore nutzte er seinen Auftritt, um Wählerstimmen zu fangen - und Stimmung zu machen gegen seine politischen Gegner.

Liberale Fernsehsender wie CNN oder MSNBC hatten die Propaganda-Rede des Präsidenten bewusst nicht übertragen: "Wir sind dabei, die radikale Linke, die Marxisten, die Anarchisten, die Unruhestifter und Plünderer zu besiegen."  

Attacken auf Anti-Rassismus-Demonstranten

Während die Nationalgarde rund um die National Mall Wache stand, um mögliche Angriffe auf historische Denkmäler zu verhindern, attackierte Trump wie schon am Abend davor erneut die Anti-Rassismus-Demonstranten - vor allem diejenigen, die versucht hatten, Statuen zu stürzen, die an die Geschichte der Sklaverei erinnern. "Die amerikanischen Helden haben die Nazis, Faschisten, Kommunisten und Terroristen besiegt, amerikanische Werte gerettet und Prinzipien hochgehalten."

Den Umgang der US-Regierung mit der Coronavirus-Pandemie lobte Trump ausdrücklich. 99 Prozent aller Fälle seien komplett harmlos, so der Präsident.

In den übrigen Landesteilen der USA waren die meisten Feuerwerke, Paraden und Partys wegen der Coronavirus Pandemie abgesagt worden. Seit Tagen melden die USA Höchststände an Neuinfektionen. Drei Tage in Folge lagen die Zahlen bei über 50.000 - so viele wie nie zuvor.

Nationalfeiertag in einem besonderen Jahr: Reportage aus der Hauptstadt Washington
Claudia Sarre, ARD Washington
05.07.2020 06:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juli 2020 um 08:04 Uhr.

Korrespondentin

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Claudia Sarre, NDR

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