Mazedoniens Außenminister Nikola Dimitrov mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg | Bildquelle: STEPHANIE LECOCQ/EPA-EFE/REX

NATO-Beschluss Nordmazedonien wird aufgenommen

Stand: 06.02.2019 12:17 Uhr

Kaum ist der Namensstreit mit Griechenland beigelegt, kann der kleine Balkanstaat einen Erfolg verzeichnen. Die NATO nimmt Nordmazedonien in das Bündnis auf.

Von Holger Romann, ARD-Studio Brüssel

Die NATO steht unter Druck - von innen wie von außen. Die Stichworte sind Anpassungsprozess, finanzielle Lastenteilung und drohendes Ende des INF-Abrüstungsvertrags. Da kommen Erfolgsmeldungen wie diese gerade recht: Nur rund anderthalb Jahre nach dem Beitritt Montenegros kann mit Nordmazedonien nun ein weiteres Balkanland mit der Aufnahme ins Bündnis rechnen. Das 30. seit Gründung der Allianz vor 70 Jahren. Das Signal, dass Brüssel sendet: Die NATO ist nicht obsolet, sondern sie wächst und gedeiht, und ihre Türen stehen weiter offen.

Skopje kann nun Beobachter schicken

Mazedoniens Außenminister Nikola Dimitrov | Bildquelle: AFP
galerie

Mazedoniens Außenminister Nikola Dimitrov

Im Beisein des mazedonischen Außenministers Nikola Dimitrov und von NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterzeichneten in Brüssel die Vertreter der 29 Mitgliedsstaaten das Beitrittsprotokoll. Die Urkunde, die die Phase der Aufnahmegespräche offiziell abschließt und die dem künftigen NATO-Staat Nordmazedonien die Mitgliedschaft zusichert. Ab sofort kann die Regierung in Skopje Beobachter zu fast allen Beratungen und Konferenzen des Militärbündnisses entsenden, auch zur großen Jubiläumsfeier Anfang April in Washington.

Mit allen Rechten und Pflichten

Volles NATO-Mitglied mit allen Rechten und Pflichten wird die ehemalige jugoslawische Teilrepublik voraussichtlich im kommenden Jahr. Als letzter Schritt folgt nun noch das Ratifizierungsverfahren. Das bedeutet, das Parlament in Skopje und die der übrigen 29 NATO-Partner müssen den Beitritt  Nordmazedoniens noch formell billigen. Im Falle Montenegros dauerte dieser Prozess etwa ein Jahr.

Möglich wurde der Beitritt erst, nachdem das Zwei-Millionen-Einwohner-Land vor wenigen Wochen seinen jahrelangen Namensstreit mit dem südlichen Nachbarn Griechenland beigelegt hatte, der schon seit 1952 in der NATO ist. Die Regierung in Athen hatte sich an der Bezeichnung "Mazedonien" gestört, da eine nordgriechische Provinz genauso heißt und spätere Gebietsansprüche befürchtet wurden.

Wichtig für stabile Balkanregion

Militärisch ist die Erweiterung um das kleine Land für die NATO kein allzu großer Gewinn. Die nordmazedonische Armee verfügt nur über knapp 11.000 aktive Soldaten und einige Kampfhubschrauber. Trotzdem wird die Aufnahme nach mehreren politischen und ethnischen Konflikten als wichtiger Schritt zur Stabilisierung auch der gesamten Balkanregion gesehen.

Russland betrachtet die weitere Ausdehnung der westlichen Allianz als Angriff auf die eigene Sicherheit. Schon gegen den Beitritt Montenegros vor anderthalb Jahren hatte der Kreml scharf protestiert. Die NATO argumentiert: Zum Selbstbestimmungsrecht der Völker gehöre auch das Recht, seine Bündnisse frei zu wählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 06. Februar 2019 um 12:00 Uhr.

Darstellung: