Ein russisches U-Boot des Typs "Jasen-M" in der Dämmerung.  | Bildquelle: picture alliance / Globallookpre

NATO-Beobachtung Mehr russische U-Boote unterwegs

Stand: 16.12.2019 10:56 Uhr

Der NATO zufolge sind in diesem Jahr so viele russische U-Boote unterwegs wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Besonders aktiv seien sie in den Gewässern um Norwegen und Island, meldet das Bündnis.

Die Mitglieder des Nordatlantikpakts haben nach eigenen Angaben in diesem Jahr so viele russische U-Boote gesichtet wie seit Jahrzehnten nicht. "Russland verstärkt kontinuierlich seine Operationen unter Wasser", sagte NATO-Sprecherin Oana Lungescu dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Besonders viele Untersee-Aktivitäten gab es demnach im Nordatlantik und der Norwegischen See.

Die NATO werde unter anderem mit mehr Patrouillen darauf reagieren, sagte Lungescu. Denn der Nordatlantik bleibe mit Blick auf militärische Nachschubrouten, zivile Handelswege und Kommunikationskanäle "von vitaler Bedeutung für die Sicherheit Europas".

U-Boote in Nordmeer und Barentssee

Zuerst hatte die "Frankfurter Allgemeine" in einem Dossier über die gehäufte Sichtung russischer U-Boote und ihre Bedeutung für die NATO berichtet. Demnach meldete der norwegische Militärgeheimdienst, dass die russischen U-Boote tief in den Atlantik tauchten, um zu testen, wie weit sie unbemerkt nach Westen vorstoßen könnten.

Allein rund um die Bäreninsel im Gewässer zwischen Spitzbergen und dem nördlichsten Teil des norwegischen Festlandes seien demnach sechs Boote in Position gegangen. Vier weitere kreuzten in der Barentssee und im Europäischen Nordmeer.

Im August 2019 hatte Russland ein großes Flottenmanöver in der Ostsee vorgenommen. An der neuntägigen Übung namens "Ozean-Schild 2019" waren fast 70 Schiffe und mehr als 10.000 Soldaten beteiligt.

Zuvor war Anfang Juli die Havarie eines russischen atombetriebenen U-Bootes in der Barentssee bekanntgeworden. Bei einem Brand an Bord des "Loscharik"-Bootes kamen vierzehn hochspezialisierte, ranghohe Offiziere der russischen Marine ums Leben.

Sensible Stelle der NATO: Untersee-Datenkabel

Die Geheimhaltung um das Unglück und die näheren Umstände gaben Experten Anlass zur Einschätzung, dass die "Loscharik" mit geheimdienstlicher Arbeit befasst war: Dazu zähle demnach nicht nur der Schutz russischer Militärausrüstung und Kommunikationsanlagen, sondern auch das Ausspähen feindlicher Einrichtungen und womöglich Sabotage von Unterseekabeln.

Durch solche im Nordatlantik verlegten Kabel fließt ein Großteil der Internetkommunikation zwischen den USA und Europa - und ist damit eine wichtige Ader für den Informationsaustausch innerhalb der NATO.

Attacken auf derartige Ziele gelten als mögliche Maßnahmen einer hybriden Kriegsführung, einer Mischung offener Kampfhandlungen und verdeckter faktischer Sabotageaktionen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Dezember 2019 um 11:30 Uhr.

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