Menschen am Strand von Muriwai | Bildquelle: REUTERS

Lockerung der Corona-Maßnahmen Surfen und Schlürfen in Neuseeland

Stand: 30.04.2020 08:51 Uhr

Die Neuseeländer atmen auf: Nach knapp fünf Wochen sind die Einschränkungen gelockert worden. Die ersten Geschäfte und Schulen sind wieder geöffnet. Und alle sind voll des Lobes für Premierministerin Ardern.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

"Wir haben diesen Kampf gewonnen", sagte Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern am Montag. Es gab keine weiter verbreitete unerkannte Virus-Übertragung mehr. Und nach fünf Wochen strengem Hausarrest konnten die Neuseeländer in dieser Woche ganz vorsichtig wieder ihre Freiheit genießen: Sie gehen surfen, schlürfen guten Kaffee aus dem Coffeeshop, stehen mit Freude und Geduld vor dem Schnellrestaurant an. Und: Sie sind ziemlich stolz auf ihre Premierministerin, die sich auch im Hausarrest immer bei ihnen gemeldet hat.

Der Surfer James sagt:

"Es ist gut, wieder draußen zu sein und wieder aufs Wasser rauszukönnen. Ein bisschen Normalität kehrt zurück."

Sie surfen und sie schlürfen ihren Kaffee. Neuseeländer lieben guten Kaffee, wie Aimee ihn zubereitet. "Alle sind happy", sagt sie, "endlich wieder richtiger Kaffee, sie sind in Ekstase!"

Aimee hat einen kleinen Kaffee-Van und ist sonst auf Festivals und Veranstaltungen anzutreffen. Jetzt hat sie sich an eine Hauptstraße in Christchurch gestellt, die nach der Lockerung des Hausarrestes wieder viel befahren ist. Zwei Tischchen stehen davor - einer, an dem sie Kaffee zubereitet, drei Meter dahinter einer für die Kunden:

"Alle sind freundlich und froh. Denn wir haben nicht so viele Tote wie der Rest der Welt. Was unsere Premierministerin gemacht hat, das war echt gut!"

Auch am Strand von Christchurch genießen die Spaziergänger die Freiheit. Colleen geht mit ihren Hunden spazieren, die sind zum ersten Mal seit fünf Wochen wieder am Strand und das genießen sie eindeutig:

"Ich bin stolz auf die Arbeit unserer Premierministerin, wir hätten Tausende Tote haben können, aber das haben wir nicht. Die Einschränkungen waren es wirklich wert!"

Der Stolz ist offensichtlich beiderseitig. Kurz vor der Lockerung des Hausarrestes lobte die Premierministerin die Neuseeländer:

"Und wir haben den Erfolg gesehen. Sie und ihr alle haben eine unkontrollierte Explosion von Covid 19 in Neuseeland gestoppt und ich könnte nicht stolzer sein darauf."

Fünf Wochen in der eigenen Bubble leben

Bisher gab es 19 Todesfälle und gute 1100 Infektionen. Fünf Wochen Lockdown liegen hinter Neuseeland, jeder durfte sich nur in seiner kleinen Blase, seiner Bubble aufhalten, wie es in Neuseeland heißt: Kein Kontakt zu anderen Familienmitgliedern, das Land wurde abgeriegelt, Bewegung nur im engsten Umkreis.

 "Hello, guten Abend, bevor sich unser Land einkauert und sich jeder in seinen Unterschlupf zurückzieht, wollte ich mich nur nochmal kurz melden."

Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, spricht während einer Pressekonferenz. | Bildquelle: dpa
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Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, spricht während einer Pressekonferenz.

Ardern schickte immer wieder Nachrichten von ihrer Blase in die ihrer Landsleute. Osterei-Zeichnungen ihrer kleinen Tochter auf dem Sofa und die gute Nachricht, dass der Osterhase systemrelevant sei und darum arbeiten dürfte. Es gab Videokonferenzen mit Medizinern, bei denen ihr Partner durch den Hintergrund rumpelte. Sie wollte immer deutlich machen, dass sie alle in diesem Boot sitzen und zum Besten von Neuseeland gemeinsam durchhalten.

"Wir glauben, dass dieses entschiedene Handeln, das harte und frühe Eingreifen, die beste Chance gegeben hat, das Virus auszumerzen. Und es hat funktioniert. Wir haben getan, was sehr wenige Länder geschafft haben, wir haben eine Welle der Verheerung aufgehalten."

Umso mehr genießen die Neuseeländer jetzt die Erleichterung, die Lockerung der Alarmstufe von vier auf drei. In der Schlange vor dem Imbiss zu stehen - das kann auch Freiheit sein. Vor den Fastfood-Ketten reihen sich die Menschen einmal um den ganzen Block, aber mit Geduld und Gusto. "Ja, das ist so ein Kiwi-Ding - es gab eine Schlange seit 3 Uhr morgens", für diesen 14-Jährigen ist das ein bisschen zu verrückt. Er ist froh, dass er an den Strand und wieder andere Familienmitglieder treffen- und umarmen durfte.

Elbow-Pump zur Begrüßung

Wie begrüßt man sich in diesen Zeiten der distanzierten Nähe? Eine Frage, die sich auch Kindergartenleiterin Paula Robinson stellte. Für die Kinder, deren Eltern wieder arbeiten dürfen, haben sie jetzt geöffnet, es wird alles permanent desinfiziert und die Kinder werden einzeln eingelassen.

"Heute Morgen marschierte dann diese kleine Person durch die Tür und lächelte mich an, ein bisschen unsicher, wie wir uns begrüßen sollen - ich habe ihm dann meinen Ellbogen hingehalten, wir haben einen Elbow-Bump gemacht und rein mit ihm. Ich vertraue darauf, dass die Menschen sich alle strikt in ihrer kleinen starken Blase aufgehalten haben, darum habe ich keine Angst."

Keine Angst, aber kleine Freiheiten, das genießt Neuseeland jetzt.

Surf & Schlürf: Neuseeland genießt vorsichtig Freiheit nach dem Hausarrest
Lena Bodewein, ARD Singapur
30.04.2020 07:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Hörfunk am 30. April 2020 um 11:22 Uhr.

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