Demonstranten helfen einem Verletzten (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS

Nicaragua Der Druck auf Staatschef Ortega wächst

Stand: 01.06.2018 22:42 Uhr

Seit Wochen wird in Nicaragua gegen Rentenkürzungen demonstriert. 100 Menschen wurden getötet. Nun wächst der internationale Druck auf Staatschef Ortega, die Gewalt zu beenden.

Die Vereinten Nationen und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) haben die Regierung Nicaraguas aufgefordert, das gewaltsame Vorgehen gegen Demonstranten zu stoppen.

Die Gewalt mit vielen Toten und Verletzten sei entsetzlich, betonte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte in Genf. OAS-Generalsekretär Luis Almagro verurteilte das brutale Einschreiten, das von "repressiven Kräften" ausgehe. In einer auf Twitter veröffentlichten Video-Botschaft rief er dazu auf, dort umgehend eine unabhängige Expertengruppe zur Untersuchung der Gewalt ins Leben zu rufen. Er stehe auf der Seite der Familien der Opfer, betonte Almagro.

Seit Wochen gibt es in dem mittelamerikanischen Land Massenproteste. Mindestens 100 Menschen wurden nach Angaben des UN-Hochkommissariats getötet, rund 1000 wurden verletzt.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Regierungsanhängern und -gegnern am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag wurden mindestens 16 Menschen getötet, wie das nicaraguanische Menschenrechtszentrum (Cenidh) mitteilte.

Rücktritt Ortegas gefordert

Die Proteste hatten sich Mitte April an geplanten Rentenkürzungen entzündet, weiteten sich aber schnell aus. Mittlerweile fordern die Demonstranten den Rücktritt von Staatschef Daniel Ortega und Neuwahlen. Der einstige sandinistische Guerillaführer Ortega ist auch wegen seines autoritären Regierungsstils umstritten.

Ortega wies Vorwürfe zurück, wonach paramilitärische Einheiten im Auftrag der Regierung gegen die Demonstranten vorgehen. Er beklagte eine "Verschwörung" der Opposition. Vize-Polizeichef Francisco Diaz warf "kriminellen Gruppen" vor, Regierungsanhänger in Managua mit Waffen und Granaten angegriffen und sieben Menschen getötet zu haben. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Mai 2018 um 23:00 Uhr.

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