Mark Rutte  | Bildquelle: LEX VAN LIESHOUT/EPA-EFE/Shutter

Ausschreitungen in den Niederlanden "Das hat nichts zu tun mit Protesten"

Stand: 25.01.2021 12:12 Uhr

Der niederländische Premier Rutte hat die Ausschreitungen bei Protesten gegen verschärfte Corona-Auflagen verurteilt. Das sei "kriminelle Gewalt". In mehreren Städten war es zu Krawallen gekommen. Weitere werden befürchtet.

Am Tag nach den schweren Krawallen in den Niederlanden hat Premier Mark Rutte die Gewalt scharf verurteilt. "Das ist absolut unzulässig, das hat nichts zu tun mit Protesten, sondern ist kriminelle Gewalt", sagte er in Den Haag.

In mehr als zehn Städten waren am späten Sonntagabend Proteste gegen die Corona-Maßnahmen und Ausgangssperren eskaliert. Mehr als 130 Menschen wurden nach Angaben der Behörden und niederländischer Medien festgenommen. Am Morgen boten viele Städte ein Bild der Verwüstung. Straßen und Plätze waren übersät mit Glasscherben, ausgebrannten Autos und Steinen.

Die Polizei sprach von den schlimmsten Krawallen in 40 Jahren und rechnet mit weiteren Unruhen in den kommenden Tagen. Sie geht in ersten Analysen davon aus, dass unterschiedliche Gruppierungen sich an der Gewalt beteiligt hatten. Dazu würden Corona-Leugner, Fußball-Hooligans und Neonazis gehören.

Proteste gegen die Ausgangssperre eskalieren
tagesschau 20:00 Uhr, 24.01.2021

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Residenz der Amsterdamer Bürgermeisterin abgeriegelt

Auf einem Platz im Zentrum von Amsterdam hatte die Polizei nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders NOS Hunde und einen Wasserwerfer eingesetzt, um eine Protestversammlung von etwa 1500 Menschen aufzulösen. Mindestens 100 Menschen wurden in der Stadt festgenommen, teilte die Stadtverwaltung mit. Nach Angaben des Lokalsenders AT5 riegelten Polizeikräfte die Residenz von Bürgermeisterin Femke Halsema ab.

Ausschreitungen in Amsterdam | Bildquelle: REUTERS
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In Amsterdam setzte die Polizei Wasserwerfer ein.

Ein Feuer, das während der Ausschreitungen in Amsterdam gelegt wurde | Bildquelle: REUTERS
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Bei den Protesten wurden auch Feuer gezündet.

In Eindhoven trieb die Polizei Hunderte Demonstranten mit Tränengas auseinander, wie der Regionalsender Omroep Brabant berichtete. Mehrere Fahrzeuge seien dort in Brand gesteckt und Geschäfte am Hauptbahnhof geplündert worden. Mindestens 30 Menschen wurden nach Angaben der Polizei in der Stadt festgenommen. 

Zu Ausschreitungen kam es auch in Apeldoorn, Arnheim, Breda, Den Haag, Enschede, Roermond, Tilburg und Venlo.

Weitere Ausschreitungen erwartet

Der Bürgermeister von Eindhoven, John Jorritsma, äußerte sich in drastischen Worten über die Eskalation der Proteste:

"Das sind surreale Situationen, die du in den Niederlanden nicht erwartest. Hier ist keiner gekommen, um zu demonstrieren. Die Leute sind gekommen, um Krawall zu machen und die Polizei zu attackieren. Und wenn wir so weiter machen, sind wir auf dem Weg zu einem Bürgerkrieg."

Er rechnet mit weiteren Krawallen in den kommenden Nächten: "Das kriegen wir so nicht mehr geregelt. Dann müssen wir die Armee einsetzen." Er wisse nicht, wie man sonst damit umgehen solle.

Proteste bereits am Samstagabend

Bereits am Samstagabend hatte es in mehreren Orten Proteste und Auseinandersetzungen gegeben. In der Kleinstadt Urk nördlich von Amsterdam hatten Dutzende Menschen gegen die Sperrstunde protestiert.

Sie warfen Steine und Feuerwerkskörper und demolierten Polizeiautos. Jugendliche steckten nach Polizeiangaben ein Corona-Testzentrum des Gesundheitsamtes in Brand.

Sperrstunde seit Samstag in Kraft

Am Samstagabend war erstmals eine Sperrstunde in Kraft getreten. Bisher blieben die Niederländer in der Pandemie von dieser Maßnahme verschont. Nun dürfen die Bürger von 21 Uhr bis 4.30 Uhr die Wohnungen nicht mehr verlassen. Die Ausgangssperre gilt vorerst bis zum 9. Februar.

Verstöße gegen die Sperrstunde werden mit einer Geldbuße von 95 Euro bestraft. Ausnahmen gelten für Personen, die beruflich unterwegs sein müssen, sowie Menschen, die andere pflegen oder Reisende. Auch Gassigehen mit dem Hund ist erlaubt.

Bisher 13.500 Corona-Tote

Die Regierung will mit diesem Eingriff die Verbreitung des Virus bremsen. Große Sorgen machen sich die Behörden vor allem über die Virus-Mutationen.

Seit Mitte Dezember gilt ein Lockdown. Schulen, Geschäfte und Gaststätten sind geschlossen, Privatkontakte auf eine Person außerhalb des eigenen Haushaltes beschränkt. In dem Land mit rund 17 Millionen Einwohnern sind bislang rund 13.500 Tote in Verbindung mit Covid-19 registriert worden.

Mit Informationen von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Januar 2021 um 12:11 Uhr.

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