Polizisten vor der Basilika Notre-Dame in Nizza | Bildquelle: AFP

Letzte Kontakte des Angreifers Mehrere Festnahmen nach Attacke in Nizza

Stand: 31.10.2020 15:33 Uhr

Ermittler in Frankreich und Tunesien arbeiten auf Hochtouren. Inzwischen wurden mehrere mögliche Komplizen des Attentäters von Nizza festgenommen - auch der Mann, der kurz nach der Tat ein Bekennervideo ins Netz gestellt hatte.

Nach der mutmaßlich islamistischen Terrorattacke von Nizza mit drei Toten haben Ermittler in Frankreich und Tunesien mehrere mögliche Komplizen des Attentäters festgenommen.

Unter anderem nahmen tunesische Sicherheitskräfte einen Mann in Gewahrsam, der sich im Namen einer bislang unbekannten Gruppe zu dem Messerangriff bekannt hatte. Wahrscheinlich gebe es noch eine zweite Person, die ihm bei der Aufnahme des vorgeblichen Bekennervideos geholfen habe, sagte ein Justizsprecher.

Justizbehörden zweifeln an Existenz der Bekenner-Gruppe

Das Video war nach dem Angriff in den sozialen Medien aufgetaucht. Darin reklamierte ein Mann die Tat für eine Gruppe mit dem Namen "Ansar al-Mahdi in Tunesien und im Mahgreb". Die Justizbehörden meldeten jedoch Zweifel an, dass eine derartige Gruppe überhaupt existiert. Bisher sei sie noch nicht in Erscheinung getreten.

Zudem befinden sich nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP seit Freitag zwei Männer im Alter von 35 und 33 Jahren in Polizeigewahrsam. Der ältere der beiden soll mit dem mutmaßlichen Täter am Tag vor dem Anschlag direkten Kontakt gehabt haben. Der andere Verdächtige hielt sich während der Festnahme im Haus des 35-Jährigen auf.

Anschlag mit drei Toten

Am Freitagmorgen hatten Ermittler bereits die Festnahme eines 47-Jährigen bekanntgegeben, der ebenfalls verdächtigt wurde, kurz vor der Tat mit dem Angreifer in Kontakt gestanden zu haben. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen konnte ihm jedoch keine Verbindung zu dem Anschlag nachgewiesen werden.

Bei dem Anschlag am Donnerstagmorgen in der Basilika Notre-Dame waren ein 54-jähriger Mann sowie eine 60-jährige Frau getötet worden. Eine zweite Frau konnte verletzt in eine Bar flüchten, die 44-jährige Brasilianerin erlag dort aber ihren Verletzungen.

Offenbar weitere Taten geplant

Laut der Anti-Terror-Staatsanwaltschaft nutzte der Angreifer für die Tat ein 30 Zentimeter langes Messer mit einer 17 Zentimeter langen Klinge. In seiner Tasche fanden die Ermittler zwei weitere Messer, zwei Handys sowie einen Koran. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angreifer noch viel mehr Menschen töten wollte. Sie ermittelt wegen Mordes im Zusammenhang "mit einer terroristischen Tat".

Der mutmaßliche Täter war erst vor kurzem aus Italien nach Frankreich eingereist. Einer mit den Ermittlungen vertrauten Quelle zufolge gehen die Behörden davon aus, dass er nicht länger als 48 Stunden vor dem Anschlag in Nizza eintraf. Einer weiteren Quelle zufolge ist noch unklar, was den 21-Jährigen konkret zur der Tat verleitete.

Angreifer noch nicht bei Bewusstsein

Laut Nizzas Bürgermeister Christian Estrosi rief der Angreifer mehrfach "Allahu Akbar" (Gott ist groß), bevor ihn die Polizei mit Schüssen verletzte und festnahm. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen war er bis Freitagabend noch nicht wieder bei Bewusstsein. Auch die Behörden in Tunesien eröffneten eine Untersuchung und kündigten an, die französischen Behörden zu unterstützen. 

Frankreich fährt Sicherheitsvorkehrungen hoch

Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin kündigte an, Tausende zusätzliche Einsatzkräfte auf die Straße zu schicken, um die Sicherheit in Frankreich zu gewährleisten. Demnach werden 3500 Reservepolizisten mobilisiert, damit insgesamt 7000 Sicherheitskräfte den lokalen Behörden zur Verfügung stehen. Insbesondere Schulen und Kirchen sollen besser geschützt werden.

Das französische Außenministerium warnte seine Bürger derweil vor weltweiten Anschlägen. "Die Bedrohung ist überall", sagte Außenminister Jean-Yves Le Drian am Freitag nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts unter Leitung von Präsident Emmanuel Macron. Dem Anschlag vorausgegangen waren massive Drohungen und Proteste gegen Frankreich in muslimischen Ländern.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Oktober 2020 um 08:53 Uhr.

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