Menschen sehen am Bahnhof von Seoul Nachrichten über den nordkoreanischen Raketentest. | Bildquelle: AP

Bericht aus Seoul Nordkorea feuert wieder Geschosse ab

Stand: 04.05.2019 09:00 Uhr

Das südkoreanische Militär wirft der Führung in Nordkorea einen neuen Raketentest vor - den ersten seit Ende 2017. Mehrere Geschosse seien abgefeuert worden. Experten sehen darin ein Signal an die USA.

Nordkorea hat offenbar erstmals wieder Raketen abgeschossen. Es seien mehrere Projektile mit kurzer Reichweite abgefeuert worden, hieß es vom Generalstab des südkoreanischen Militärs. Die Geschosse seien von der Küstenstadt Wonsan in Richtung Osten aufs offene Meer geflogen und dort abgestürzt. Südkorea verstärkte für den Fall weiterer Waffentests seinen Überwachungsapparat.

Unklar ist demnach noch, um welchen Waffentyp es sich handelte. Vermutet wurde den Berichten zufolge, dass Raketen von einem Mehrfach-Raketenwerfer aus abgeschossen wurden. Sie flogen demnach 70 bis 200 Kilometer weit. Das südkoreanische Militär erklärte, es analysiere den Vorfall nun gemeinsam mit den USA.

Die Projektile wurden den südkoreanischen Angaben zufolge im Abstand von etwa 20 Minuten von der Ostküste des Nachbarlandes aus abgeschossen. Sie seien etwa 70 bis 200 Kilometer weit geflogen und dann ins Meer gestürzt. Es seien keine ballistischen Raketen gewesen, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Militärvertreter. Tests mit ballistischen Raketen verschiedener Reichweiten sind Nordkorea ebenso verboten wie Atomwaffenversuche.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un | Bildquelle: AFP
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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte sich zuletzt über Verschlechterungen im Verhältnis zu den USA beklagt.

Annäherung zwischen Nordkorea und USA stockt

Der jüngste Waffentest erfolgte etwa anderthalb Jahre nach dem Start einer Interkontinentalrakete durch Nordkorea, der international als Provokation bewertet worden war. Die kommunistische Führung hatte damals erklärt, mit ihren Raketen das gesamte Festland der USA erreichen zu können.

Experten vermuten, dass Nordkorea mit solchen Maßnahmen Druck auf die USA ausüben wolle. Im Februar war der zweite Atomgipfel von Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump gescheitert. Seither gab es immer wieder Berichte über neue Aktivitäten auf nordkoreanischen Testanlagen.

Kim und Trump hatten sich im vergangenen Jahr grundsätzlich auf eine nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel verständigt. Konkrete Schritte wurden aber nicht vereinbart. Wegen des Atom- und Raketenprogramms ist Nordkorea international mit Sanktionen belegt.

Zuletzt bekundete Nordkorea mehrfach seinen Unmut über die Weigerung der USA, die Sanktionen gegen Pjöngjang zu lockern. Im April erklärte Kims Regierung zudem, nicht länger mit US-Außenminister Mike Pompeo als Verhandlungsführer über ihr Atomprogramm sprechen zu wollen.

Verhaltene Reaktionen

Die US-Regierung nahm bisher nicht konkret Stellung zu den neuen Berichten. Man habe die Aktionen Nordkoreas wahrgenommen, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders.

Auch das Büro von Südkoreas Präsident Moon Jae In äußerte sich nicht zu den jüngsten Aktionen im Norden. Erst am Freitag hatte Südkoreas Außenminister Kang Kyung Wha vom Norden "sichtbare, konkrete und substanzielle" Schritte der Denuklearisierung gefordert, wenn es eine Lockerung der Sanktionen wolle.

Für Japan bestehe keine Sicherheitsgefahr, da die Geschosse nicht einmal in die Nähe des Staatsgebiets gelangt seien, teilte das Verteidigungsministerium in Tokio mit.

Nordkorea testet offenbar Waffen
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
04.05.2019 06:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Mai 2019 um 06:45 Uhr.

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