Militärisch gesicherte Grenze zwischen Süd- und Nordkorea | Bildquelle: AFP

Nord- und Südkorea Verschärfung an der Grenze

Stand: 17.06.2020 10:09 Uhr

Nach der Sprengung eines Verbindungsbüros setzt Nordkorea den Konfrontationskurs gegenüber dem Süden fort. Jetzt sollen wieder Truppen in die entmilitarisierte Zone verlegt werden.

Trotz Warnungen und Deeskalationsversuchen aus Südkorea setzt das kommunistische Regime Nordkoreas seinen Konfrontationskurs gegen den südlichen Nachbarn fort. Die nordkoreanische Armeeführung kündigte an, wieder Soldaten in die ehemals gemeinsam genutzten Industrie- und Tourismusgebiete zu verlegen.

Weiterer Rückschlag für die Beziehungen

Außerdem sollen Militärübungen wieder an der Grenze durchgeführt und Kontrollposten in der militärischen Pufferzone zwischen Norden und Süden aufgestellt werden, wurde der Generalstab der Volksarmee von nordkoreanischen Staatsmedien zitiert. Zudem sollen Artillerieeinheiten in der Nähe der westlichen Seegrenze verstärkt werden. Auch Flugblattaktionen gegen Südkorea seien geplant.

"Eine Lösung der gegenwärtigen Krise zwischen dem Norden und dem Süden, die durch die Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit der südkoreanischen Behörden verursacht wird, ist ausgeschlossen und kann nur beendet werden, wenn ein angemessener Preis gezahlt wird", meldete der nordkoreanische Staatssender KCNA.

Nordkorea hatte zuvor mit Militäraktionen gedroht, nachdem es bereits das gemeinsame Verbindungsbüro in der demilitarisierten Zone bei der Grenzstadt Kaesong sprengen ließ.

Beschwichtigungsversuche aus dem Süden

Südkoreas Präsident Moon Jae-in hatte am Montag angeboten, Sondergesandte für eine Deeskalationsmission zu schicken. Dies lehnte die kommunistische Führung aus dem Norden jedoch nach eigenen Angaben ab.

Südkorea müsse erst die "Worte und das Verhalten solcher Dummköpfe kontrollieren, die uns weiter provozieren", zitierte KCNA Kim Yo Jong, die Schwester des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un und einflussreiche Funktionärin in der regierenden Arbeiterpartei.

Kim spielte damit auf Flugblattaktionen südkoreanischer Aktivisten und nordkoreanischer Flüchtlinge an der Grenze an. Ende Mai hatten diese etwa 500.000 in Ballons verpackte Flugblätter mit Kritik an der autokratischen Führung in Pjöngjang gen Norden geschickt.

Ungeduld im Norden

Mit der Umsetzung der angedrohten Schritte würde Nordkorea bilaterale Vereinbarungen von 2018 unterlaufen. Damals hatten sich beide koreanischen Länder unter anderem auf die Einstellung von Schießübungen an der Grenze und die Zerstörung von Kontrollposten innerhalb der demilitarisierten Zone geeinigt.

Analysten zufolge zielt das international weitgehend isolierte Nordkorea mit seinem Konfrontationskurs darauf ab, vom Ausland Zugeständnisse zu erpressen. Regelmäßige Atom-Waffentests hatten dies bisher nicht erreicht. Außerdem kommen die Atomgespräche mit US-Präsident Donald Trump seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen Nordkorea und den USA im Februar 2019 nicht mehr voran.

Südkorea platzt der Kragen - Ärger über den Norden
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
17.06.2020 10:24 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juni 2020 um 04:00 Uhr.

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