Nordkoreanische Raketenwerfer bei einer Übung am 4. Mai. Das Foto wurde von der nordkoreanischen Agentur KCNA verbreitet. | Bildquelle: REUTERS

Nordkoreas Raketentests Geschickte Taktik Kims?

Stand: 10.05.2019 12:59 Uhr

Nordkorea ist verärgert über die US-Sanktionen - und zeigt dies mit Raketentests. Das meint zumindest Südkoreas Präsident. Aber Nordkoreas Diktator Kim bleibe am Dialog interessiert.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Südkoreas Präsident Moon Jae In ist jetzt zwei Jahre im Amt. Seitdem treibt er den Friedensprozess mit dem Norden unermüdlich voran. Dass im Februar der Gipfel in Hanoi zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un ergebnislos zu Ende gegangen war, hat ihn besonders enttäuscht - und nicht nur ihn: "Nordkorea scheint sehr unzufrieden zu sein, dass es in Hanoi keine Vereinbarung gegeben hat", sagt Moon Jae In in einem Interview mit dem Sender KBS.

Darin sieht er auch den Grund, warum Kim Jong-Un nun innerhalb einer Woche gleich mehrere Raketen abfeuern ließ. Mal von der Ostküste, mal vom Nordwesten gestartet, waren alle Richtung Osten geflogen und dann ins Meer gestürzt.

Südkoreas Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bei einer Zeremonie am Ffughafen von Sunan. | Bildquelle: PYONGYANG PRESS CORPS/POOL/EPA-E
galerie

Südkoreas Präsident Moon Jae In und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un im September 2018 bei einer Zeremonie am Flughafen von Sunan.

Wunsch nach Dialog

Eigentlich hatte Nordkoreas Machthaber den USA ein Ultimatum bis Ende des Jahres gestellt. Das hörte sich so an, als wolle er bis dahin auf jegliche Tests verzichten. Dass Kim nun doch schon Raketen starten lässt, wertet Moon als eine geschickte Taktik: "Ihre Raketen haben weder die USA, noch Japan oder Südkorea direkt bedroht. Nordkorea hat also seine Meinung zum Ausdruck gebracht, aber gleichzeitig gezeigt, dass es weiterhin an einem Dialog interessiert ist." An einem solchen Dialog seien auch die USA interessiert, sagte der US-Sonderbeauftrage für Nordkorea, Stephan Biegun, in Seoul.

Zuvor hatten die USA erklärt, bei den jüngsten Tests habe es sich um ballistische - also militärische - Raketen gehandelt, die von einer festen oder mobilen Vorrichtung gestartet worden seien. Sollte dies tatsächlich der Fall gewesen sein, so Südkoreas Präsident, hätte der Norden gegen die UN-Resolution verstoßen: "Diese Resolution verbietet dem Land die Entwicklung ballistischer Raketen."

Frachtschiff beschlagnahmt

Einen Verstoß Nordkoreas gegen die verhängten Auflagen ganz anderer Art, haben die USA jetzt erstmals geahndet. Sie beschlagnahmten ein nordkoreanisches Frachtschiff. Das Schiff hatte Kohle im Wert von umgerechnet zweieinhalb Millionen Euro geladen und war im April von Indonesien gestoppt worden. Das Schiff war unter der Flagge von Sierra Leone unterwegs. Bei einer Kontrolle wurden die Crewmitglieder jedoch als Nordkoreaner identifiziert.

Der UN-Sicherheitsrat hatte den Export von Kohle aus Nordkorea im August 2017 verboten - der Rohstoff gilt als Haupteinnahmequelle des kommunistischen Landes.

Raketentests aus Frust - Südkorea sucht nach Erklärung
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
10.05.2019 10:21 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Mai 2019 um 06:20 Uhr.

Darstellung: