Ein Eisbär sucht nach Essbarem in der sibirischen Großstadt Norilsk. | Bildquelle: REUTERS

Sichtung in Sibirien Ausgehungerter Eisbär in Großstadt

Stand: 19.06.2019 15:54 Uhr

Ein ausgehungerter Eisbär ist weitab seiner Jagdgebiete in der sibirischen Großstadt Norilsk gesichtet worden. Für Umweltschützer sind der Mensch und der Klimawandel verantwortlich für das ungewöhnliche Verhalten des Tieres.

Zum ersten Mal seit 40 Jahren ist ein Eisbär in der sibirischen Großstadt Norilsk gesichtet worden. Das ausgehungerte Tier muss laut Experten auf seiner Nahrungssuche wohl Hunderte Kilometer gewandert sein, um die Stadt zu erreichen. Norilsk gilt als die nördlichste Großstadt der Erde und liegt weitab der üblichen Eisbär-Jagdgebiete im Nordpolarmeer.

Ein ausgehungerter Eisbär läuft in Norilsk über eine Straße | Bildquelle: AFP
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Ein ausgehungerter Eisbär ist weitab seiner Jagdgebiete in Norilsk (Sibirien, Russland) gesichtet worden.

Unbeeindruckt von Autos überquerte das eigentlich scheue Tier Straßen, wühlte im Müll und ließ sich auch von Menschen nicht stören. In Norilsk leben rund 175.000 Einwohner - sie wurden von den Behörden gewarnt, sich dem Eisbär zu nähern. Die russische Großstadt liegt rund 2800 Kilometer nordöstlich von Moskau.

Verkleinerung der Jagdgebiete

"Ich würde nicht sagen, dass der Bär sehr erschöpft war", sagte der Chef der lokalen Jagdbehörde, Anatoli Nikolaitschuk. Noch sei nicht entschieden, ob das Tier gefangen und per Flugzeug zurück an die Küste gebracht werde. Das entscheiden nun Beamte.

Nach Ansicht von Umweltschützern leiden wilde Tiere unter der Verkleinerung ihrer Jagdgebiete. Wissenschaftler sprechen auch davon, dass durch den Klimawandel die Robbenjagd für die Raubtiere schwerer geworden sei. Mit dem Schmelzen des Eises in der immer wärmer werdenden Arktis suchen Eisbären deshalb weiter südlich in bewohnten Gebieten nach Nahrung.

Erst Anfang des Jahres waren 50 Eisbären auf der russischen Inselgruppe Nowaja Semlja im Polarmeer in eine Siedlung eingedrungen. Eisbären zählen laut der Weltnaturschutzunion (IUCN) zu den gefährdeten Arten.

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