Ein Löschfahrzeug der australischen Feuerwehr steht neben brennenden Bäumen, die sich aufgrund eines Buschfeuers entzündet haben. | Bildquelle: DEAN LEWINS/EPA-EFE/REX

Buschfeuer Ausnahmezustand in Australien

Stand: 19.12.2019 13:53 Uhr

Wegen anhaltender Buschbrände hat Australiens bevölkerungsreichster Bundesstaat New South Wales den Notstand ausgerufen - zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen.

Hitzewelle, Temperaturrekorde, verheerende Buschbrände: Zum zweiten Mal seit Mitte November wurde für den Südosten Australiens der Notstand ausgerufen. Dieser gilt für sieben Tage und ermöglicht den Behörden des Bundesstaates New South Wales unter anderem die besonders schnelle Mobilisierung von Geld und Einsatzkräften, Zwangsevakuierungen, Straßensperrungen und eine Unterbrechung der Strom- und Gasversorgung.

Sydney, die Hauptstadt des Bundesstaates, wird seit Wochen immer wieder von Rauchschwaden eingehüllt. Die Regierungschefin von New South Wales, Gladys Berejiklian, rief Anwohner und Touristen auf, den Anweisungen der Behörden unbedingt Folge zu leisten und gegebenenfalls auch ihre Pläne für die Weihnachtstage ändern.

Dichter Rauch steigt über einer Wohnsiedlung westlich der australischen Hauptstadt Sydney auf. | Bildquelle: dpa
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Die Buschbrände sorgen seit Wochen dafür, dass Sydney in dichtem Rauch versinkt. Anwohner klagen immer häufiger über Atemwegsbeschwerden.

Großfeuer nur noch 70 Kilometer von Sydney entfernt

Seit Oktober haben Buschbrände in Australien nach Angaben der Behörden mehrere Millionen Hektar Land zerstört. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben, Hunderte Häuser wurden zerstört. Der Südosten des Landes ist besonders stark betroffen: Allein in New South Wales kämpfen mehr als 2000 Feuerwehrleute gegen rund 100 Brände. Ein besonders bedrohliches Großfeuer ist bis auf etwa 70 Kilometer an Sydney herangerückt.

Über der Millionenmetropole hing erneut dichter Rauch, die Skyline war kaum erkennbar. Anwohner klagten über die schlechte Luftqualität, viele Menschen tragen Atemmasken. Immer mehr Patienten mit Atemwegsbeschwerden suchen Krankenhäuser in Sydney auf, Mediziner sprechen von einem öffentlichen Gesundheitsnotfall. "Es ist zweifellos das Schlimmste, das wir je in Sydney erlebt haben", erklärt Edward Jegasothy, der an der Medizinhochschule der Universität arbeitet.

"Vor allem, weil es schon so lange dauert. Wenn die Luftverschmutzung nur kurz währt, sagen sie den Leuten: Bleibt drinnen, treibt keinen Sport im Freien. Aber nach so vielen Wochen wird es immer schwieriger, Ratschläge zu geben, die Leute müssen ja mit ihrem Leben weitermachen."

Ein Temperaturrekord jagt den nächsten

Erschwert wird der Kampf gegen die wütenden Flammen durch Rekordhitze. Australien leidet ohnehin seit mehreren Jahren unter starker Dürre. Die ausgetrocknete Vegetation entzündet sich besonders leicht.

Am Mittwoch wurde zudem eine weitere historische Hitzemarke gebrochen: Mit 41,9 Grad lag die landesweite durchschnittliche Höchsttemperatur so hoch wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen. Bereits am Tag zuvor war mit durchschnittlich 40,9 Grad ein Rekord aufgestellt worden. Während die heißen Luftmassen durch das Land ziehen, werden besonders im Landesinneren und im Süden Extremtemperaturen erwartet.

Bis zu 46 Grad in Sydney erwartet

Für Teile von New South Wales sagten die Meteorologen für heute Temperaturen von um die 45 Grad voraus. In Sydney sollen die Temperaturen ab Samstag sogar auf 46 Grad steigen. Zugleich wurde erwartet, dass starke Winde mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern die Buschfeuer rund um die Stadt weiter anfachen würden. Gladys Berejiklian, die Regierungschefin des Bundesstaates, warnte vor neuen Feuern, die jederzeit ausbrechen könnten.

"Wir haben zwar eine Vorstellung, welche Regionen am meisten gefährdet sind, aber wenn sie es mit solchen turbulenten Winden bei so hohen Temperaturen zu tun haben, sind die Feuer sehr unberechenbar."

Ideale Bedingungen für Buschfeuer

Buschbrände wüten auch in anderen Teilen Australiens. Im Bundesstaat Queensland an der Ostküste Australiens etwa gibt es mehr als 70 solcher Feuer. Daneben sind auch South Australia und Western Australia betroffen. Die jährliche Waldbrandsaison in Down Under erlebt eigentlich im späteren Sommer der südlichen Hemisphäre ihren Höhepunkt, begann nach einem ungewöhnlich warmen und trockenen Winter aber viel früher.

Viele Wissenschaftler sehen einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und den zunehmenden Extremwetterlagen, die geradezu ideale Bedingungen für Buschfeuer schaffen.

Zwei Demonstranten, die vor dem Haus von Australiens Premierminister Morrison protestieren, stehen einem Polizeibeamten gegenüber. | Bildquelle: STEVEN SAPHORE/EPA-EFE/REX
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Protest vor dem Wohnsitz von Regierungschef Morrison: Die Demonstranten werfen dem Konservativen Vernachlässigung seiner Amtspflichten und fehlendes Engagement für den Klimaschutz vor.

Unmut über Urlaub von Regierungschef Morrison

Die konservative Regierung des weltgrößten Kohleexportlands bestreitet diesen Zusammenhang jedoch. Nicht nur deswegen sieht sich Australiens Premierminister Scott Morrison immer mehr Kritik ausgesetzt. Umweltaktivisten werfen Morrisons Regierung vor, aus Rücksicht auf die Kohleindustrie nicht genug gegen den Klimawandel zu unternehmen.

Zudem kam es vor dem Wohnsitz Morrisons in Sydney zu Protesten Hunderter wütender Schüler, die ihm neben fehlendem Engagement für den Klimaschutz auch eine Vernachlässigung seiner Amtspflichten vorwerfen. Morrison wird besonders dafür kritisiert, trotz der verheerenden Buschbrände das Land für einen Urlaub verlassen zu haben. Medienberichten zufolge entspannt er mit seiner Familie auf der Pazifikinsel Hawaii, was viele Landsleute in Rage bringt.

Mit Informationen von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Buschfeuer in Australien: Notstand für sieben Tage
Holger Senzel, ARD Singapur
19.12.2019 12:56 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Dezember 2019 um 09:15 Uhr.

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