Landschaft bei Oaxaca in Mexiko | Bildquelle: www.imago-images.de

Mexikos Indigene gegen Konzerne "Wir bleiben bis zum Letzten"

Stand: 25.04.2019 13:59 Uhr

Im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca liegen kostbare Bodenschätze verborgen. Längst haben das große Konzerne entdeckt. Noch leisten Bewohner Widerstand - und bezahlen dabei manchmal mit dem Leben.

Von Christina Fee Moebus, ARD-Studio Mexiko

Viele Menschen in Mexikos Bundesstaat Oaxaca leben in Armut, dabei gibt es in dem südlichen Bundesstaat etliche Reichtümer zu holen: Silber, Erz und Gold liegen unter der Erde. Kein Wunder also, dass große Unternehmen die Rohstoffvorkommen abbauen möchten. Oft passiert das aber ohne die Zustimmung der indigenen Bevölkerung vor Ort. Die ökologischen und sozialen Folgen des Bergbaus sind für sie fatal.

In der Gemeinde Santa María Zapotitlán arbeiten die meisten der mehr als 1000 indigenen Bewohner in der Landwirtschaft. Sie bauen unter anderem Mais, Bohnen und Zucchini an. Sie leben weitgehend autark.

Bewohner von Santa Maria Zapotitlan | Bildquelle: ARD-Studio Mexiko
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Bewohner von Santa Maria Zapotitlan mit ihrem Rechtsanwalt: Sie wehren sich gegen die Ausbeutung der Region.

"Wir machen mit der Natur keine Geschäfte"

Seit Generationen wohnen die Familien dort. Auch die von Cirino Martinez. Er ist als Regionalrat für den Schutz des Gemeindegebiets zuständig: "In diesem Gebiet stellen wir jeden Tag das Brot für unsere Familien her", sagt er. "Wir machen mit der Natur keine Geschäfte. Wir ernähren mit ihr unsere Familien."

Große Unternehmen sehen aber einen ganz anderen Wert in dieser Gegend: Tief in den Bergen liegen kostbare Bodenschätze begraben. Silber und Erz zum Beispiel. Die Firma Zalamera hat sich 2011 eine Konzession für eine Fläche von 5400 Hektar Land rund um die Gemeinde erteilen lassen. Ihr Spezialgebiet: Die Erkundung von möglichen Bergbaugebieten für große internationale Minenkonzerne.

"Niemand hat uns informiert", sagt Martinez. "Niemand hat nach unserer Zustimmung gefragt." Kein einziger Regierungsvertreter habe die Sache erklärt oder um eine Unterschrift gebeten, damit sie nach Mineralien suchen können.

Das aber widerspricht eigentlich dem Recht auf territoriale Selbstbestimmung für indigene Völker, wie es eine Erklärung der Vereinten Nationen festschreibt.

Der Bergbau als Plage

Für viele indigene Gemeinden ist der Bergbau wie eine Plage. Mehr als 25.000 Konzessionen haben die mexikanischen Behörden im ganzen Land vergeben. Fast immer über die Köpfe der Bewohner hinweg.

Welche dramatischen Folgen das für die Bevölkerung haben kann, zeigt sich am Beispiel der Gemeinde San José del Progreso, ebenfalls im Bundesstaat Oaxaca.

Progreso heißt Fortschritt. Der kam damals, im Jahr 2006 in Form des kanadischen Goldminenkonzerns Fortuna Silver. Mit ihm kamen aber auch: verdreckte Flüsse, Explosionen, die die Häuser zum Beben bringen und blutige Konflikte.

Bewohner von Santa José | Bildquelle: ARD-Studio Mexiko
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Rosalia Dionisio wurde angeschossen. "Die Angst wird für immer bleiben", sagt sie.

Opfer eines Attentats

Im Streit zwischen Befürwortern und Gegner der Minen gab es zwei Tote. Menschenrechtsgruppen beklagen, viele Bewohner seien von den Behörden und Unternehmen geschmiert worden, um das Megaprojekt möglich zu machen.

Auch Rosalia Dionisio wurde Opfer eines Attentats. Dabei wurde sie angeschossen. Sie ist gegen den Bergbau. Für die junge Frau hat sich das Leben im Dorf verändert: "Die Angst wird für immer bleiben", sagt sie. "Von den Verfolgungen und vom Attentat mal ganz abgesehen, werden wir auch jetzt noch belästigt."

Einige hätten die Gemeinde mittlerweile verlassen, erzählt Dionisio. Aus einem sicheren Leben auf dem Land enden viele Menschen in der Armut.

Keine Konzessionen

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador kennt das Problem. Zum Amtsantritt im Dezember 2018 hatte er noch angekündigt, Fluchtursachen im Süden des Landes bekämpfen zu wollen. Seine Idee: keine neuen Konzessionen mehr. An den alten Entscheidungen seiner Vorgänger hält er aber fest: "Wir werden diese Konzessionen respektieren," sagt Obrador. "Damit es keine Furcht, keine Angst gibt."

Gemeint ist die Angst der Investoren. Denn für die ist Mexiko ein Paradies: Das Land gilt als Exportweltmeister für Silber und Erz. Deutschland mit einem Volumen von knapp 49 Millionen US-Dollar ist einer der größten Abnehmer.

Die Bewohner von Santa María Zapotitlán wehren sich, sie organisieren regelmäßig Infoveranstaltungen, stellen Wachposten auf, um heimliche Erkundungen zu unterbinden. Und sie haben sich juristischen Beistand geholt.

Keine weiteren Forschungen

Das Zwischenergebnis: Die Gemeinde hat gerichtlich erwirkt, dass vorerst keine weiteren Forschungen stattfinden dürfen. Dagegen hat das Wirtschaftsministerium geklagt. Der Prozess könnte zum Präzedenzfall werden, sollte den Menschen aus Zapotitlán am Ende Recht gegeben werden.

Regionalrat Martinez will nicht aufgeben: "Wir werden nicht aus unserem Dorf weggehen. Wir werden hier bleiben. Bis zum Letzten." 

Dafür brauchen er und seine Mitstreiter einen langen Atem. Die Konzession rund um sein Zuhause ist damals ursprünglich für mehrere Jahrzehnte vergeben worden - bis zum Jahr 2051.

Mexiko: wie Bergbaukonzerne indigene Gemeinden verdrängen
Christina Fee Moebus, ARD Mexiko
25.04.2019 11:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. April 2019 um 05:25 Uhr.

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