Abdullah Öcalan hört am 29.06.1999 vor einem Militärgericht auf der Gefängnisinsel Imrali (Türkei) die Urteilsverkündung

Inhaftierter PKK-Führer Öcalan ruft Türkei zu Gesprächen auf

Stand: 12.09.2016 17:23 Uhr

Der inhaftierte PKK-Führer Öcalan hat die türkische Regierung zu Friedensverhandlungen aufgerufen. Es gebe konkrete Vorschläge, die das Blutvergießen in sechs Monaten beenden könnten. Erstmals seit zwei Jahren durfte Öcalan Besuch von seiner Familie empfangen.

Nach langer Isolation hat der inhaftierte Führer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, Abdullah Öcalan, zu Frieden mit der türkischen Regierung aufgerufen. "Das Blut, die Tränen, das soll nun aufhören", teilte der PKK-Chef in einer von seinem Bruder in Diyarbakir verlesenen Nachricht mit.

Monatelang ohne Außenhaft

Zugleich machte Öcalan deutlich, dass er zu einer Wiederaufnahme von Gesprächen bereit sei. "Wir haben Vorschläge. Wenn der türkische Staat bereit ist, sie anzuhören, können wir die Gespräche zu Ende führen und sie in sechs Monaten konkret werden lassen", damit kein "Blut mehr fließt".

Die türkische Regierung hatte erstmals seit zwei Jahren einen Besuch von Familienmitgliedern auf der Gefängnisinsel Imrali erlaubt. Dort ist Öcalan seit 1999 inhaftiert. Anlass für die Besuchserlaubnis war das islamische Opferfestes Eid Mubarak. Nach Angaben seines Bruders Mehmet ist Öcalan bei guter Gesundheit.

Die letzte Nachricht Öcalans war im März 2015 an die Öffentlichkeit gedrungen, damals rief er seine Anhänger dazu auf, den bewaffneten Kampf zu beenden. Nur wenige Monate später scheiterte jedoch ein mehr als zweijähriger Waffenstillstand und damit der Friedensprozess zwischen der PKK und der türkischen Regierung. Seitdem eskaliert der Konflikt erneut.

Kritik an AKP

Öcalan kritisierte auch die islamisch-konservative AKP-Regierung. "Wäre der Staat aufrichtig, wäre das Problem gelöst worden", teilte er weiter mit. Die PKK habe die Friedensgespräche mit der Regierung im Sommer 2015 nicht beendet, betonte er.

Die Türkei macht Öcalan für den Untergrundkrieg verantwortlich, den die PKK gegen den türkischen Staat führt. Seit 1984 starben in dem Konflikt bis zu 40.000 Menschen, die meisten von ihnen Kurden. Die ursprünglich gegen Öcalan verhängte Todesstrafe war später in lebenslange Haft umgewandelt worden.

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