Öl am Strand von Mauritius | Bildquelle: AFP

Mauritius droht Ölkatastrophe "Dieses Leck hat die Insel erschüttert"

Stand: 11.08.2020 07:52 Uhr

Mit selbst gebastelten Barrieren versuchen die Menschen auf Mauritius, das Öl aus dem vor der Insel havarierten Frachter aufzuhalten. Auch internationale Hilfe läuft an. Sollte das Schiff auseinanderbrechen, droht eine Umweltkatastrophe.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Dickflüssiges Öl wird ans Ufer gespült - das sonst so normale Meeresrauschen klingt anders. Die Ruhe und Idylle an den Stränden von Mauritius sucht man vergebens, jetzt herrscht helle Aufregung.

Fischerboote werden mit Ölbarrieren beladen. Sie sind selbst gezimmert, Zuckerrohrblätter, lange trockene Grashalme und Stroh werden in Plastik gerollt und mit Wolldecken umwickelt, die dann zusammengenäht werden. Alles wird versucht, um zu verhindern, dass sich das Öl noch weiter ausbreitet. Der Umweltaktivist Sunil Dowarkasing ist deshalb voll des Lobes:

"Dieses Leck hat die ganze Insel erschüttert. Menschen aus allen Bereichen, aus der Zivilgesellschaft, Nichtregierungsorganisationen, Universitätsstudenten packen jetzt an. Der Privatsektor ist sehr stark beteiligt, was die Ressourcen betrifft. Das Stroh kommt direkt von den Feldern und eine Menge Material kommt von Privatleuten. All diese Menschen organisieren sich jetzt. Die Zivilgesellschaft ersetzt den Staat und versucht, diese Ölpest einzudämmen."

Selbstgemachte Ölbarrieren auf Mauritius | Bildquelle: AFP
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Anwohner lassen die selbstgebastelten Ölbarrieren zu Wasser.

Internationale Hilfe

Vor Ort sind inzwischen französische Experten eingetroffen. Auch die Schiffseigner aus Japan haben Fachleute geschickt, und sogar die Vereinten Nationen wollen helfen. Und die Zeit drängt, denn die Gefahr ist real, dass der Frachter womöglich auseinanderbricht. Zwei Tanker sind dabei, den Treibstoff aus dem havarierten Schiff abzupumpen, der noch an Bord ist, erklärt Johnson Sébastien: "Wir sind von einem regionalen Öl-Unternehmen und haben eine eigene Raffinerie, von wo aus wir die Märkte hier versorgen. Wir pumpen das Öl nun ab und verwerten es dann."

Die weltweite Nutzung von Öl wird auf Mauritius derzeit allerdings hitzig diskutiert. Happy Khambule von der Umweltorganisation Greenpeace wirft grundlegende Fragen auf: "Wir denken, dass das eine Folge unserer eigenen Sucht nach Öl ist, denn dieses Öl ging nicht einmal nach Mauritius, sondern war auf dem Weg von China nach Brasilien. Und jetzt sind die Menschen, die das ausbaden müssen, wir Afrikaner hier in Mauritius."

Unzufriedenheit mit Regierung

Auch Kritik an der Regierung in der Hauptstadt Port Louis wird lauter. Immer mehr Menschen fragen sich, warum das Öl nicht schon vor zwei Wochen abgepumpt wurde, als der Frachter auf Grund lief. Sunil Dowarkasing spricht aus, was viele denken: "Die Regierung hat auf Anraten der Firma und deren Experten gehandelt, ohne an die Interessen der Bevölkerung von Mauritius zu denken oder daran, was getan werden sollte, um unser Land und unsere Lagune vor dieser Gefahr zu schützen. Von Anfang an bestand das Risiko, dass Öl ausläuft. Das ist eine grobe Fahrlässigkeit der Regierung."

Schäden für die Umwelt

Wie stark die Korallenriffe schon beschädigt sind, wieviel der Flora und Fauna schon beeinträchtigt sind, steht noch nicht fest. Die Regierung spricht bereits vom schlimmsten ökologischen Desaster, das Mauritius je gesehen hat. Starker Wind und hohe Wellen spielen den Helfern nicht gerade in die Hände.

Und doch packt das ganze Land an. Hunderte Menschen waren schon früh auf den Beinen, um weitere Ölbarrieren zu den Fischerbooten zu bringen. Mehr als 400 Barrieren sind schon verteilt. Einige Strände wurden aber schon komplett abgesperrt, weil sie schwarz aussehen und übel riechen - ganz anders als normalerweise auf der Urlaubsinsel.

 

Ölkatastrophe auf Mauritius: das Ausmaß ist noch unklar
Jana Genth, ARD Johannesburg
11.08.2020 08:42 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 11. August 2020 um 07:50 Uhr auf B5 aktuell.

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