Einsatzkräfte versuchen mit Baggern die Ausbreitung eines Ölteppichs in Norilsk zu verhindern.  | Bildquelle: dpa

Ölpest in Sibirien Nornickel soll Milliarden zahlen

Stand: 07.07.2020 12:08 Uhr

Der Kraftwerksbetreiber Nornickel soll die Umweltschäden der Ölkatastrophe in der russischen Arktis kompensieren. Die Umweltaufsicht forderte den Konzern zu einer Zahlung von mehr als 1,8 Milliarden Euro auf.

Nach dem verheerenden Ölunglück in der sibirischen Stadt Norilsk hat die russische Umweltaufsicht den verantwortlichen Kraftwerkbetreiber Nornickel zu einer "freiwilligen Kompensationszahlung" in Milliardenhöhe aufgefordert.

Dies entspreche dem Schaden an der Umwelt, teilte die russische Naturschutzbehörde Rosprirodnadsor mit. Allein an den Gewässern belaufe sich die Summe auf mehr als 147 Milliarden Rubel (1,8 Milliarden Euro), der Schaden für die Böden liege noch einmal bei rund 739 Millionen Rubel (9,1 Millionen Euro).

Ein Ölteppich liegt auf einem Gewässer in Norilsk | Bildquelle: AP
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21.000 Tonnen Diesel gelangten bei der Havarie in die arktische Natur.

Größte Ölkatastrophe in der Geschichte der Arktis

Bei dem Unglück Ende Mai waren 21.000 Tonnen Diesel aus einem Kraftwerkstank ausgelaufen und hatten weite Strecken des Flusses Ambarnaja sowie den 70 Kilometer langen Pjasino-See verschmutzt.

Umweltschützer sprachen von der größten Ölkatastrophe in der Geschichte der russischen Arktis. "Das Ausmaß des Schadens an den arktischen Gewässern ist beispiellos", sagte Umweltminister Dmitri Kobylkin.

Betreiber rechnete mit Millionenstrafe

Präsident Wladimir Putin hatte den Ausnahmezustand angeordnet. Er verpflichtete Konzerneigner Wladimir Potanin, einen der reichsten Männer des Landes, für den Schaden aufzukommen. Potanin hatte die Kosten für die Reinigungsarbeiten nach dem Diesel-Unglück auf zehn Milliarden Rubel (123 Millionen Euro) beziffert und angekündigt, "alles zu bezahlen, was nötig ist". Laut "Forbes" wird das Vermögen des Oligarchen auf 23,5 Milliarden Dollar geschätzt.

An der Börse in Moskau brach der Aktienkurs von Nornickel nach Bekanntwerden der Zahlungsaufforderung um fünf Prozent ein. Laut einer Konzernsprecherin ging die Aufforderung noch nicht schriftlich bei Nornickel ein.

Mehrere Strafverfahren gegen Nornickel

Zuletzt häuften sich in der russischen Tundra die Umweltskandale. Nornickel hatte eingeräumt, hochgiftige Flüssigabfälle mit Schwermetallen und Säure in einen Fluss abgeleitet zu haben. Zudem brannte in der Nähe von Norilsk eine Müllkippe mit Industrieabfällen. Die russischen Ermittlungsbehörden haben mehrere Strafverfahren eingeleitet.

Die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta" kritisierte Behördenversagen bei den Umweltkontrollen in der seit Jahrzehnten von Verschmutzung geplagten Region. Zudem gebe es Kungeleien zwischen der Konzernführung von Nornickel und dem Staat, weshalb Verstöße gegen Umweltauflagen ungesühnt blieben.

Nach Öl-Katastrophe bei Norilsk: Konzern mit Rekord-Forderung konfrontiert
Christina Nagel, ARD Moskau
07.07.2020 14:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk "Informationen am Abend" am 03. Juni 2020 um 18:37 Uhr.

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