25 Jahre nach dem Attentat Noch immer sucht Schweden den Palme-Mörder

Stand: 28.02.2011 00:16 Uhr

Der Schock in Schweden über den Mord an Olof Palme ist nicht verjährt. Und auch die polizeiliche Untersuchung ist bis heute - 25 Jahre nach der Tat - nicht abgeschlossen. Immer noch ermittelt die sogenannte "Palmegruppe". Dass dieser Mord je gelöst wird - viele glauben nicht mehr daran.

Von Albrecht Breitschuh, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Seit 14 Jahren leitet Stig Edqkvist die sogenannte "Palmegruppe" beim Reichskriminalamt in Stockholm. Er ist jetzt über 60 und mit dem Fall grau geworden. Der Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten am 28. Februar 1986 begleitet den Polizisten beruflich bis in den Ruhestand. Dass er vorher aufgeklärt wird, hält der Beamte für unwahrscheinlich: "Das ist schon so, dass die Stimmung hier schwankt", sagt er. "Zum Glück haben wir auch noch ein paar andere Aufgaben, aber die 14 Jahre, die ich jetzt an diesem Fall arbeite, sind schon mitunter hart."

Edqkvist ist an der weltweit bisher größten Morduntersuchung beteiligt, größer als zum Beispiel die nach dem Mord an dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy. 225 Aktenmeter füllt das Palme-Archiv in der Zentrale des Reichskriminalamtes, die Kosten für die Ermittlungen wurden vor fünf Jahren auf umgerechnet weit über 50 Millionen Euro beziffert. Aktuelle Zahlen gibt es nicht.

Der leitende Ermittler Stig Edqkvist
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Der leitende Ermittler Stig Edqkvist zwischen den Akten zum Mord an Olof Palme

Der Tatort in Stockholm
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Der Tatort mitten in Stockholm: Palme kam mit seiner Frau aus dem Kino - ohne Leibwächter

Immer noch gehen täglich Hinweise ein

Mehr als 130 Personen zeigten sich bei der Polizei als Täter an, und noch heute gehen täglich zwei bis drei Hinweise zur Aufklärung eines Verbrechens ein, das Schweden vor nunmehr 25 Jahren tief erschütterte.

Palme starb, als er zusammen mit seiner Frau Lisbeth von einem Kinobesuch kommend, auf dem Weg nach Hause war. Seinen Leibwächtern hatte er zuvor frei gegeben. Palmes Frau wurde leicht verwundet, der schwedische Ministerpräsident erlag seinen Schussverletzungen kurz nach Mitternacht auf dem Weg ins Krankenhaus.

Die folgenden polizeilichen Ermittlungen verliefen stümperhaft, sagt der renommierte Stockholmer Kriminologe Leif GW Persson: „Eigentlich wurde kein Fehler ausgelassen. Der Tatort wurde nur schlampig abgesichert, keiner hat untersucht, was das Opfer kurz vor dem Mord gemacht hat, wo es sich befand, es wurden keine Wohnungen in der nächsten Umgebung durchsucht. Zu Beginn hatte man eine ganz gute Chance, den Täter zu finden, wenn sofort und überall Polizei gewesen wäre, aber auch das war nicht der Fall. Schon eine traurige Geschichte.“

Viele Theorien, nur ein Verhafteter

Olof Palme
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Leidenschaftlicher Moralist: Olof Palme auf einem Foto von 1986

Die zahlreichen Ermittlungspannen förderten Verschwörungstheorien - ganz oben stand natürlich der amerikanische Geheimdienst CIA. Schließlich hatte sich der leidenschaftliche Moralist Olof Palme immer wieder mit den USA angelegt, so auch während des Vietnam-Krieges in seiner legendären Weihnachtsansprache 1972, als er die Bombardierung Hanois in eine Reihe mit den großen Menschheitsverbrechen stellte. „Guernica, Oradour, Babij Jar, Katyn, Lidice, Sharpeville, Treblinka", zählte Palme auf. "Dort überall hat die Gewalt triumphiert. Aber das Urteil der Nachwelt war unerbittlich gegenüber den Verantwortlichen. Nun haben wir einen neuen Namen in dieser Liste: Hanoi, Weihnachten 1972.“

Dass der Mörder möglicherweise ein alkohol- und drogenabhängiger Kleinkrimineller aus einem Stockholmer Vorort sein sollte, konnten viele Schweden lange nicht mit der Aura und Bedeutung ihres Ministerpräsidenten verbinden. 

Der Tatort
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Blumen am Tatort: Das Foto entstand am 1. März 1986, wenige Tage nach der Ermordung.

Jener Christer Pettersson wurde 1989 schuldig gesprochen, aber in zweiter Instanz wieder frei gelassen. Die Ermittler hatten Palmes Witwe bei der Gegenüberstellung einen Tipp gegeben, der auf den Verdächtigen hinwies. Kurz vor seinem Tod soll Pettersson gegenüber seiner Freundin, den Mord gestanden haben. Einfluss auf die Ermittlungen hatte das nicht mehr. Gut möglich, dass die Stockholmer Polizei nach einem Mörder sucht, der schon seit Jahren nicht mehr am Leben ist.

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