Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban ist auf dem Rathausplatz von Szekesfehervar umgeben von grün-rot-weißen Flaggen. | Bildquelle: AFP

Wahlkampfabschluss in Ungarn Orban und der Feind

Stand: 07.04.2018 11:30 Uhr

Für seinen letzten Wahlkampfauftritt hat sich Ungarns Ministerpräsident Orban einen symbolträchtigen Ort ausgesucht - und wettert gegen den Feind, die "Soros-Söldner".

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien, zzt. Budapest

Der Rathausplatz der ehemaligen Krönungsstadt der ungarischen Könige, Szekesfehervar, ist bis auf den letzten Platz gefüllt mit Anhängern Viktor Orbans. Nationalflaggen in allen Größen und Plakate der Regierungspartei Fidesz werden in die Höhe gereckt. Sehr viele ältere Menschen sind in dem Fahnenmeer auszumachen. Zu Beginn der letzten Wahlkampfkundgebung des Ministerpräsidenten stimmen nahezu alle in die Nationalhymne ein.

Ein Auftritt in königlicher Kulisse

Mit Bedacht hat Viktor Orban die 60 Kilometer südwestlich von Budapest gelegene Großstadt zum symbolträchtigen Abschluss seiner Wiederwahlkampagne ausgesucht: Szekesfehervar wurde vor mehr als 1000 Jahren Hauptstadt Ungarns. Ungarns erster König Stephan I. machte sie zu seinem Herrschersitz, mehr als 500 Jahren wurden anschließend hier die Könige Ungarns gekrönt. In diese Tradition stellt sich Orban, als Bewahrer der Nation, als Garanten der Heimat.

Vielen der älteren Fidesz-Anhänger ist die Geschichte dieser Stadt sehr bewusst, als unter dem Jubel der Tausenden auf dem Rathausplatz der Ministerpräsident die rot-weiß-grün geschmückte Bühne betritt.

Opposition verbucht kleinen Erfolg

Lange Wahlkampfwochen liegen hinter dem 54-Jährigen, der wie kein zweiter Politiker seit der Wende Ende der 80er-Jahre die innenpolitische Bühne des Landes prägt. Was anfangs wie ein scheinbar müheloser Durchmarsch zur dritten Amtszeit in Folge für ihn ausgesehen hatte, änderte sich Ende Februar: mit einer Wahlniederlage seiner Fidesz-Partei bei einer Bürgermeisternachwahl.

Orban-Anhänger stehen auf dem Rathausplatz von Szekesfehervar. | Bildquelle: AFP
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Orban-Anhänger auf dem Rathausplatz von Szekesfehervar: "Ohne Zweidrittelmehrheit wird es schlimm in Europa."

Die Opposition - Linke, Grüne, Liberale und die rechtsradikale Jobbik-Partei - hatte sich geschlossen hinter einen unabhängigen Kandidaten gestellt und damit gewonnen. Hektik brach daraufhin in der Fidesz-Zentrale aus. Noch stärker als ohnehin schon setzte Orban auf Polarisierung und Angriff.

"Sie wollen uns unser Land wegnehmen"

Auch hier zum Abschluss seines Wahlkampfs hallen seine Attacken auf die Oppositionsparteien über den Rathausplatz: "28 Jahre nach der Wende sieht es so aus, dass sie uns unser Land wegnehmen möchten. Sie möchten oppositionelle Parteien an Macht schicken, die fremde Interessen bedienen. Sie möchten oppositionellen Politikern, die Söldner der Fremden sind, die Macht geben, um den Zaun abzureißen und von Brüssel die Flüchtlingsquoten anzunehmen." Sie würden Ungarn in ein Einwanderungsland umformen, aus finanziellen Interessen und Machtinteressen der Auftraggeber, so Orban.

Die Beifall klatschende Anhängerschaft weiß, was er meint und es ist auch auf unzähligen Fidesz-Plakaten im ganzen Land zu sehen: Ein diabolisch lächelnder George Soros, umgeben von den führenden Oppositionspolitikern des Landes. Der Ministerpräsident bringt seinen Lieblingsfeind, den ungarischstämmigen US-Milliardär Soros, und seine innenpolitischen Kontrahenten in einen Sinnzusammenhang: Das seien alles "Soros-Söldner", wie Orban sie nennt.

Umfragen sehen absolute Mehrheit voraus

Die größte Gefahr bestehe darin, dass Millionen von Einwanderern die Ungarn an der südlichen Grenze bedrohen würden, sagt Orban auf dem Rathausplatz von Szekesfehervar: "Und die Anführer Europas möchten zusammen mit einem Milliardär-Spekulanten die Grenzen nicht verteidigen. Sie wollen die Einwanderer reinlassen. Es ist die Wahrheit. Wir haben den Zaun gebaut, wir haben die südliche Grenze verteidigt, wir haben in Brüssel 'nein' zu jeder Art von Ansiedlung gesagt. Aber die Gefahr ist noch nicht vorbei. Sie können es kaum abwarten, wieder damit anzufangen."

Keine 20 Minuten hat Orban gesprochen, dann endet auch schon sein letzter Auftritt vor dem Wahlsonntag. Die Umfragen prognostizieren dem Ministerpräsidenten einen ungefährdeten Platz eins, vermutlich die absolute Mehrheit.

Seinen Anhängern reicht das nicht. Sie wollen, wie vor vier Jahren, eine Zweidrittelmehrheit für Orban sehen: "Ohne eine Zweidrittelmehrheit wird es sehr schlimm in Europa," sagt ein Anhänger in Szekesfehervar. "Wir rechnen mit einer Vierfünftelmehrheit! Nicht Zweidrittel, mindestens Vierfünftel," meint ein anderer. "Wir waren neugierig, was Fidesz uns als Partei anbieten kann. In der Migrantenfrage haben sie gut entschieden. Für mich ist das eine wichtige Frage. Ich wäre zufrieden, wenn Fidesz gewinnen würde. Und sie werden gewinnen," sagt ein Dritter.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. April 2018 um 09:47 Uhr.

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