Neuseelands Vogel des Jahres Moosgrün, kiloschwer, flugunfähig

Stand: 29.12.2020 11:03 Uhr

Er tarnt sich tagsüber als Gebüsch und ist von bescheidener Schönheit: Der skurril aussehende Kakapo wird in seiner Heimat Neuseeland verehrt. Auch weil er vom Aussterben bedroht ist.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

"Der fetteste Papagei der Welt". Oder: "Ein plumper grüner Klops". Oder: "Ein Vogel mit dem Gestank nach altem Klarinettenkasten." Besonders schmeichelhaft ist es nicht, was über den Kakapo geschrieben wird.

"Er ist ein vollkommen wunderbarer, magischer Vogel", sagt die Zoologin und Wissenschaftsjournalistin Alison Ballance. "Er ist ein riesiger flugunfähiger Papagei, der nur nachts herauskommt, er isst komplett vegetarisch, er riecht wunderschön, süß, betörend, modrig, er ist ein Vogel wie kein anderer." Ganz offensichtlich ist Ballance hingerissen von diesem Tier.

Bis zu vier Kilogramm schwer

Nacht-Papagei, das bedeutet Kakapo in der Sprache der Maori - der ersten Neuseeländer. Die Nacht-Papageien werden bis zu vier Kilogramm schwer und sie erobern das Herz eines jeden, der sich mit ihnen beschäftigt - ob Naturfilmer David Attenborough oder Schauspieler und Dokumentarist Stephen Fry: "Es sollte unmöglich sein, eine Kreatur als altmodisch zu beschreiben, aber genauso sieht dieser Vogel aus, mit seinen Koteletten und seinem Aussehen eines viktorianischen Gentlemans."

Die Neuseeländer lieben ihren grünen vornehmen "Fettklops" - bereits zum zweiten Mal haben sie ihn zum Vogel des Jahres gewählt. Dabei mussten sie sich heftig gegen versuchten Wahlbetrug wehren: Fans des kleinen Kiwivogels Pukupuku wollten ihm zum Sieg verhelfen, vor dem Hihi, einem polyamourösen potenten Singvogel, oder dem Hoihoi, einer Pinguinart.

Sirocco, der Kakapo | Bildquelle: picture alliance / Mary Evans Pi
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Nacht-Papagei: Das bedeutet Kakapo in der Sprache der Maori - der ersten Neuseeländer.

Auf dem Festland bereits ausgestorben

Der Kakapo braucht aber alle Hilfe, die er bekommen kann: "Momentan ist er auf dem neuseeländischen Festland ausgestorben. Die letzte Population im Fjordland, im Südwesten Neuseelands, wurde in den 1970er-Jahren ausgerottet", erklärt Ballance.

Die dicken Papageien tarnen sich tagsüber als Gebüsch. Fressfeinde kannten sie nicht, bis die europäischen Siedler Katzen, Marder und Ratten mit brachten. Und für die sind vier Kilo flugunfähiger Vogel ein gefundenes Fressen. "Und nur weil ein Männchen aus Fjordland und eine Handvoll Weibchen von Stewart Island gerettet wurden, haben wir heute noch Kakapos. Die leben alle auf Inseln ohne Raubtiere. Kakapos können nicht auf dem Festland überleben."

Komplexe Fortpflanzung

1994 gab es nur noch 47 Exemplare, jetzt sind es 213 Kakapos. Dabei ist es nicht so einfach, sich als Kakapo fortzupflanzen: Die Männchen sind mindestens fünf Jahre alt, die Weibchen sogar neun. Und dann brüten sie nur in Jahren, in denen ein bestimmter Baum Früchte trägt: Der Rimubaum tut das aber nur alle drei bis fünf Jahre. Doch dann erklingt der Wald. "Der männliche Kakapo macht ein boomendes Geräusch aus seiner Brust heraus, das kilometerweit zu hören ist. Das ist sein Liebeslied", erklärt Ballance.

2019 gab es eine Rekordbrut, aber: auch Pilzsporen. Die Atemwegskrankheit Aspergillose befiel Dutzende der Tiere. Dank des unermüdlichen Einsatzes von Tierschützern und Wissenschaftlern überlebt der grüngefiederte Klops weiterhin.

In Zeiten, in denen die Menschen gegen eine Pandemie und den Klimawandel kämpfen müssen, inspiriert die Geschichte der unmöglichen Rettung eines unmöglichen Tieres.

Neuseelands fetter Papagei Kakapo der unmöglichste Sieger der Welt
Lena Bodewein, ARD Singapur
29.12.2020 09:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 29. Dezember 2020 um 07:48 Uhr.

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