Ansprache von Wahlsieger Khan im Fernsehen | Bildquelle: AP

Pakistan Wahlsieger auf Koalitionssuche

Stand: 27.07.2018 09:42 Uhr

Der frühere Cricket-Star Khan ist nach offiziellen Wahlergebnissen Sieger der Parlamentswahl in Pakistan. Er wird aber auf ein Koalitionsbündnis angewiesen sein, um seine Pläne - auch in der Außenpolitik - umsetzen zu können.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

"Hoch lebe Pakistan" - Die Auszählung war noch längst nicht beendet und Imran Khan nicht offiziell Wahlsieger, doch schon zu dem Zeitpunkt trat er vor die Kameras und hielt schon gleich eine Rede an die Nation. Der ehemalige Kricketspieler verspricht, aus Pakistan einen islamischen Wohlfahrtsstaat zu machen. Er wolle die Armut bekämpfen und die Korruption im Land zunichte machen. Das waren auch schon seine Versprechen im Wahlkampf.

Ziel: Neue Beziehung zu den USA

In seiner Rede sprach Khan auch gleich die großen Themen der Außenpolitik an: Mit den USA wolle er eine Beziehung aufbauen, von der beide Seiten profitieren. Sie solle nicht, wie er es bislang empfunden hatte, einseitig sein.

Schon oft hatte Khan die USA kritisiert, die an Pakistan nur Forderungen stelle und in seinem Land Drohnenkämpfe gegen Pakistaner führe. Damit spielt Khan auf den Anti-Terror-Kampf der USA an. Weil er sich damit auf die Seite der Extremisten stelle, bezeichnen seine Kritiker ihn auch als "Taliban Khan".

Khan-Anhänger feiern in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad den Ex-Cricket-Star bereits als Wahlsieger. | Bildquelle: AP
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Khan-Anhänger feierten in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad den Ex-Cricket-Star schon früh als Wahlsieger.

Wichtig für Pakistan: Frieden in Afghanistan

Pakistan, sagt Khan, brauche vor allem Stabilität und müsse sich daher gut mit den Nachbarn stellen: "Frieden in Afghanistan bedeutet auch Frieden in Pakistan."

Und auch mit dem Erzfeind wolle er reden: "Wir wollen die Beziehungen zu Indien verbessern, wenn Indien das auch will. Wir können uns nicht länger immer gegenseitig beschuldigen. Wenn die Inder einen Schritt auf uns zugehen, werden wir zwei auf sie zugehen."

Vorwurf der Wahlfälschung

Bei den jetzigen Wahlen hatte es in Pakistan eine große Debatte darüber gegeben, dass die Wahlen gefälscht sein könnten - und der Wahlkampf, vor allem vom Militär, so gesteuert, dass Khans Partei große Vorteile bei den Wahlen hatte. Khan hingegen sagt, dies seien die fairsten Wahlen seit jeher gewesen in Pakistan.

Frauen kippen die Stimmzettel der Wahl in Pakistan zur Auszählung auf einen Tisch. | Bildquelle: dpa
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Nach Ansicht von Wahlsieger Khan waren es faire Wahlen - die frühere Regierungspartei sowie Menschenrechtsaktivisten sehen das anders.

Menschenrechtler wie Mariv Sirmed sehen das anders, er bezeichnet sie als "die dreckigsten Wahlen". Die Armee habe schamlos Druck ausgeübt auf die zivilen Institutionen.

Die ehemalige Regierungspartei will die Wahlen nicht anerkennen. Deren Spitzenkandidat Shabaz Sharif hatte schon gestern gesagt: "Bei Gott, ich bin ein friedliebender Mensch. Aber wir können das nicht auf uns sitzen lassen. In den Wahllokalen hat es massiven Wahlbetrug gegeben."

Koalitionssuche nötig

Nach Angaben der Wahlbehörde holte Sharifs Muslimliga 62 Wahlkreise. Die Partei von Wahlsieger Khan Tehreek-e-Insaf gewann 109 der 272 Wahlkreise. Für eine künftige Regierung wird Khan dennoch auf ein Koalitionsbündnis angewiesen sein, wie die Wahlbehörde mitteilte. Auf den dritten Platz gelangte die Pakistanische Volkspartei mit 42 gewonnenen Wahlkreisen.

Über dieses Thema berichtete am 27. Juli 2018 Deutschlandfunk um 05:07 Uhr und tagesschau24 um 10:00 Uhr.

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