Pangolin (Schuppentier) | Bildquelle: Lena Bodewein

Pangolin vom Aussterben bedroht Zusammengerollt sind sie leichte Beute

Stand: 08.03.2019 11:02 Uhr

"Tannenzapfentier" wird der Pangolin gerne auch genannt. Sein Problem: Er hat Schuppen, und denen werden Heilkräfte nachgesagt. Es gibt ernste aber auch amüsante Versuche, das Tier vorm Aussterben zu bewahren.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Tannenzapfentier, Schuppentier oder auch "das niedlichste Lebewesen, von dem du nie gehört hast" - all das sind Namen des Pangolins, des einzigen Säugetiers mit Schuppen. Und es wünschte wohl, es hätte keine: In Afrika und Südostasien beheimatet, wird es wegen seiner Schuppen und seines Fleisches bis an den Rand der Ausrottung gejagt.

Jackie Chan möchte dem Pangolin Kung Fu beibringen, damit es sich verteidigen kann. Das tut er in einem Kurzfilm der Tierschutzorganisation Wild Aid. "Denn bisher kann sich der Pangolin nur verteidigen, indem es sich zu einem Ball zusammenrollt", erklärt der Kung-Fu-Meister in dem Film.

"Dann packt man sie in die Tüte und verkauft sie"

Und so wehrhaft sie mit ihrem Panzer auch aussehen, so leichte Beute sind sie für Wilderer in Afrika und Asien, wenn sie sich zusammenrollen. "Dann packt man sie in eine Tüte und verkauft sie", erklärt Sonja Luz. Sie ist verantwortlich für Veterinärmedizin und Artenschutz im Zoo von Singapur.

Für Pangolins sind die schützenden Schuppen ihre größte Gefahr. Sie sind in der traditionellen chinesischen Medizin sehr gefragt. Der Glaube sei, dass das Pulver aus den Schuppen gegen Kopfschmerzen und Fieber helfe und die Milchbildung bei Frauen anrege, erklärt Luz. Und in sehr reichen Familien werde das Fleisch als Delikatesse angeboten. "Und das ist schrecklich, weil das Embryo aus dem Muttertier rausgeschnitten und in einer Suppen angeboten wird."

Das meistgewilderte Tier der Welt

Der Pangolin ist das meistgewilderte Tier der Welt. Die vier asiatischen Schuppentier-Arten sind fast ausgerottet, inzwischen werden auch die vier afrikanischen Arten immer mehr gewildert.

Im Zoo von Singapur leben acht Pangolin-Exemplare. Das bis zu acht Kilo schwere Tier hat eine lange röhrenförmige Schnauze, einen zahnlosen Kiefer und eine phantastisch lange Zunge. Seine Hauptnahrung sind Ameisen oder Termiten. In Singapur leben Pangolins nicht nur im Zoo, sondern auch wild.

Pangolin mit Jungem auf dem Rücken | Bildquelle: AP
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Pangolin mit Jungem auf dem Rücken.

Pangolins sind streng geschützt

Noch weiß man relativ wenig über die Pangoline. Sonja Luz und ihre Kollegen in den Zoos der Welt erforschen die Schuppentiere - solange sie noch existieren. Nach dem Artenschutzabkommen stehen sie unter der höchsten Schutzstufe. Trotzdem gibt es immer wieder Meldungen wie gerade aus Malaysia: Polizisten fanden dort tonnenweise gefrorene Pangolins, einige lebendige Tiere und Säcke um Säcke von Schuppen.

Der Zoo von Singapur versucht mit drastischen Methoden, den Menschen bewusst zu machen, wie absurd die Sucht nach diesen Schuppen ist. "Wir haben unsere Besucher gefragt, ob sie ihre Fingernägel und Fußnägel für uns schneiden würden", erklärt Luz. "Und dann haben wir die Nägel in einem großen Pott gesammelt - was natürlich ziemlich eklig ist - und ein Schild daran gehängt: 'Würden Sie das essen?'"

Das Material sei praktisch dasselbe wie das Nashorn-Horn oder die Pangolin-Schuppe, so die Veterinärin. Die Reaktion sei aber eine andere: "Iiih nee, brauchen wir nicht!"

Pangolin: Das meistgewilderte Tier der Welt
Lena Bodewein, ARD Singapur
16.02.2019 13:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 16. Februar 2019 um 07:16 Uhr.

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