Papst Franziskus

Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche Ignoranten Bischöfen droht die Entlassung

Stand: 04.06.2016 19:58 Uhr

Papst Franziskus macht weiter Ernst im Kampf gegen Kindesmissbrauch. Bischöfe, die mit Missbrauchsfällen nachlässig oder ignorant umgehen, droht künftig die Amtsenthebung. Die Regelung gilt allerdings nicht rückwirkend. Den Missbrauchsopfern der Vergangenheit hilft sie also nur bedingt.

Die Anordnung des Papstes trägt den Titel "Wie eine liebende Mutter". An Härte lässt sie aber nichts zu wünschen übrig. Bischöfe und auch Ordensobere sollen künftig ihres Amtes enthoben werden können, wenn sie nachlässig mit Missbrauchsvorwürfen umgehen. Entsprechende Vorwürfe sollen in Rom untersucht werden. Das letzte Wort bei der Entscheidung hat dann der Papst. Nach einer Entscheidung muss ein Bischof innerhalb von 15 Tagen sein Amt aufgeben.

Bisher konnten Bischöfe nur "aus schwerwiegenden Gründen" ihr Amt verlieren - eine nachlässige Amtsführung gehörte nicht dazu. In der Vergangenheit hatten die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche auch einige Bischöfe betroffen. Ihnen war vorgeworfen worden, Taten zu vertuschen, die Täter zu decken und eine strafrechtliche Aufarbeitung der Fälle zu verhindern.

In einigen Fällen waren Priester, die Kinder und Jugendliche missbraucht hatten, einfach versetzt worden, manch einer hatte in seiner neuen Gemeinde neue Taten begangen.

Kindesmissbrauch - eine der "perversesten Wirklichkeiten"

Die katholische Kirche wurde durch zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch erschüttert, die oft Jahrzehnte zurückreichen. Franziskus rief wiederholt zu null Toleranz gegenüber Kindesmissbrauch auf. Er richtete eine juristische Instanz zu Aburteilung pädophiler Geistlicher ein und traf sich mit Opfern pädophiler Geistlicher.

In seinem Lehrschreiben "Amoris Laetitia" (Freude der Liebe) zum Familienbild der katholischen Kirche bezeichnete der Papst Kindesmissbrauch als "eine der skandalösesten und perversesten Wirklichkeiten" der heutigen Gesellschaft. "Der sexuelle Missbrauch von Kindern wird noch skandalöser, wenn er an den Orten geschieht, wo sie geschützt werden müssen, besonders in den Familien, in den Schulen und in den christlichen Gemeinschaften und Institutionen", führte das Kirchenoberhaupt damals aus.

Die neue Regelung hilft den Missbrauchsopfern in der katholischen Kirche allerdings nur bedingt weiter, denn sie gilt nicht rückwirkend und soll am 5. September in Kraft treten.

Mit Informationen von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juni 2016 um 16:00 Uhr

Darstellung: