Missbrauchsopfer in Rom | Bildquelle: AP

Treffen in Rom Opfer von Vatikan-Konferenz enttäuscht

Stand: 24.02.2019 21:42 Uhr

Ein "Fiasko", eine "vertane Chance" - die Kritik der Betroffenen-Verbände an der Anti-Missbrauchskonferenz im Vatikan ist scharf. Und das, obwohl der Papst in seiner Abschlussrede deutliche Worte fand.

Der mehrtägige Krisengipfel im Vatikan zum Kindesmissbrauch hat Enttäuschung bei den Opfern ausgelöst, die auf konkrete Maßnahmen der katholischen Kirche gehofft hatten. Papst Franziskus versicherte zum Abschluss der viertägigen Sonderkonferenz zwar, die Kirche werde künftig jeden einzelnen Fall mit "äußerster Ernsthaftigkeit" verfolgen. Ein Priester, der Kinder missbrauche, sei ein "Werkzeug des Satans".

Opferverbände zeigten sich aber enttäuscht von der Rede und beklagten einen Mangel an wirklicher Veränderung. Der Schweizer Jean-Marie Fürbringer, der wie viele andere Missbrauchsopfer auf dem Petersplatz das Ende der Konferenz abgewartet hatte, sagte, dem Teufel die Schuld zu geben, sei "pastorales Blabla". 

"Fiasko" und "vertane Chance"

Auch Matthias Katsch vom deutschen Opferverband "Eckiger Tisch" erklärte, die Rede des Papstes sei "der schamlose Versuch, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen, ohne sich der Schuld und dem Versagen zu stellen und wirkliche Veränderung anzugehen". Ein "Fiasko" und eine "vertane Chance" nannte Thomas Schüller, Direktor für Kanonisches Recht an der Universität Münster, die Papst-Rede.

Bundesjustizministerin Katarina Barley forderte die katholische Kirche auf, bei der Aufarbeitung der Missbrauchsskandale weltweit umfassend mit der Justiz zusammenzuarbeiten. "Missbrauchstaten sind von Strafgerichten zu beurteilen", sagte Barley den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Den Worten des Papstes müssten jetzt Taten folgen. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, nannte das Treffen ein wichtiges Signal. Gleichzeitig betonte er, er hätte sich verbindlichere Beschlüsse gewünscht.

In seiner Abschlussrede nannte Franziskus Priester und Bischöfe, die Missbrauch begangen haben, "Menschenschinder". Täter, so das Kirchenoberhaupt, würden sich "zum Werkzeug des Teufels" machen. Er räumte große Versäumnisse der katholischen Kirche in der Vergangenheit ein und versprach einen Mentalitätswechsel.

Die konsequente Verfolgung von Missbrauchsfällen, so Franziskus, sei künftig verpflichtende Norm für alle Bischofskonferenzen weltweit: "Kein Missbrauch darf jemals vertuscht - so wie es in der Vergangenheit üblich war - oder unterbewertet werden, da die Vertuschung von Missbrauch die Verbreitung des Übels begünstigt und zusätzlich eine weitere Stufe des Skandals darstellt."

Drei Maßnahmen

Wie dies im Einzelnen umgesetzt werden soll, sagte der Papst in seiner Ansprache nicht. Details präsentierte einige Stunden später der Leiter der Anti-Missbrauchskonferenz, Pater Federico Lombardi. Mit drei konkreten Maßnahmen solle der Kampf gegen Missbrauch in der Kirche gestärkt werden. Zum einen, so Lombardi, werde es in Kürze einen Papst-Erlass zum Kinderschutz geben.

Außerdem soll ein Praxishandbuch des Vatikans mit detaillierte Anweisungen für den Kampf gegen Missbrauch an alle Bischofskonferenzen in der Welt gehen. Und es soll künftig eine sogenannten Task Force von Experten geben, die gezielt in Länder geschickt werden soll, in denen es beim Thema Missbrauch Probleme gibt.

Marx verteidigt Ergebnisse

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, verteidigte das Ergebnis der Konferenz. Er ist der Auffassung, dass die Katholische Kirche keine neuen Leitlinien und Gesetze braucht, um sexuelle Gewalt gegen Kinder in den eigenen Reihen zu ahnden und zu verhindern. Die Umsetzung sei das Problem: "Das ist ja eine gewisse Gefahr auch in der Kirche, große Worte zu machen, Predigten zu halten, auch gute Wünsche zu äußern, aber dann im konsequenten Umsetzen hapert es oft. Und in diesem Punkt dürfen wir eben nicht nachlassen."

Mit Informationen von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. Februar 2019 um 22:45 Uhr.

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