Polizisten am Tatort einer Messerattacke im französischen Villejuif nahe Paris. | Bildquelle: CHRISTOPHE PETIT TESSON/EPA-EFE/

Frankreich Anti-Terror-Ermittlungen nach Messerangriff

Stand: 05.01.2020 02:57 Uhr

Nach dem Messerangriff nahe Paris haben Anti-Terror-Spezialisten die Ermittlungen übernommen. Laut Staatsanwaltschaft gibt es Hinweise auf eine Radikalisierung des Täters. Er soll auch schwere psychische Probleme gehabt haben.

Einen Tag nach der tödlichen Messerattacke nahe Paris haben Anti-Terror-Spezialisten der Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Es gebe Anzeichen für eine Radikalisierung des Täters und darauf, dass er die Tat vorbereitet habe, teilte die Behörde mit. Das rechtfertige den Terrorverdacht trotz der psychischen Störung des Angreifers.

Der 22-Jährige hatte am Freitagnachmittag südlich von Paris mehrere Menschen im Bereich eines Parks wahllos mit einem Messer angegriffen. Ein Mensch wurde getötet, zwei weitere verletzt. Die Polizei erschoss den Täter. Nach Angaben der Ermittler litt er unter schweren psychischen Störungen. Die Erkenntnisse der vergangenen Stunden ließen allerdings auch auf eine islamistische Radikalisierung schließen, hieß es nun.

"Extreme Gewalt und Entschlossenheit"

Die Staatsanwältin von Créteil, Laure Beccuau, sagte in einer Pressekonferenz, der Angreifer habe bei der Tat "Allahu Akbar" gerufen. Er sei mit "extremer Gewalt und Entschlossenheit" vorgegangen.

Zunächst hatte der Mann mehrere Personen bedroht. Von einem Passanten habe er abgelassen, als er sich durch das Aufsagen eines Gebets auf Arabisch als Muslim zu erkennen gegeben habe. Der Täter habe während des Angriffs eine Dscheballa - einen traditionellen arabischen Überwurf - getragen. Er sei wohl im Jahr 2017 zum Islam konvertiert. Den Ermittlern zufolge wurden bei ihm auch salafistische Texte gefunden. Die inzwischen durchsuchte Wohnung des Angreifers habe den Eindruck gemacht, dass sie "nicht länger bewohnt" werden sollte, sagte Beccuau weiter. 

Zu seinem Gesundheitszustand gab es ebenfalls neue Erkenntnisse. Bis Mai sei er in einer psychiatrischen Einrichtung in Behandlung gewesen, sagte Beccuau. Demnach litt er seit seiner Kindheit an psychischen Problemen.

Jogger getötet

Bei dem Todesopfer handelte es sich um einen Jogger. Er hatte noch versucht, seine Begleiterin vor dem Angreifer zu schützen - diese wurde laut Staatsanwältin schwer am Hals verletzt. Der Täter attackierte dann eine weitere Joggerin etwas außerhalb des Parks.

Mit Informationen von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Januar 2020 um 21:24 Uhr.

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