Die US-Demokratin Nancy Pelosi | Bildquelle: AP

US-Demokraten Pelosi und das Generationenproblem

Stand: 28.11.2018 03:45 Uhr

Die US-Demokraten treffen sich heute zur Vorabstimmung, wer "Speaker" im Repräsentantenhaus werden soll. Die 78-jährige Nancy Pelosi kandidiert nach 2007 erneut - ist aber nicht unumstritten.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Die demokratischen Abgeordneten hätten eigentlich Grund zur Freude. Bei den Kongresswahlen im November gewannen sie 40 Sitze hinzu. Wenn sich das neue Repräsentantenhaus im Januar zur konstituierenden Sitzung trifft, sind die Demokraten erstmals seit acht Jahren wieder in der Mehrheit. Und sie haben so viele weibliche und junge Abgeordnete wie nie zuvor.

Ein Erfolg, den die langjährige Fraktionschefin der Demokraten, Nancy Pelosi, auch für sich reklamiert. Denn niemand hat so viele Spendengelder eingesammelt wie die 78-jährige Parteilinke aus San Francisco. Auch deshalb will Pelosi erneut "Speaker of the House" werden. 

"Ich bin die beste Person, um uns zusammenzubringen und um zu verhandeln", sagt sie. "Und ich werde keine Fragen mehr zu diesem Thema beantworten."

Die demokratische Kongressabgeordnete Abigail Spanberger | Bildquelle: AFP
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Die demokratische Kongressabgeordnete Abigail Spanberger glaubt, dass Pelosi nicht die richtige Wahl wäre.

Zeit für eine "neue Führung"

Dass Pelosi zuletzt angespannt war, hatte einen Grund. Lange war unklar, wie viele Demokraten bei der internen Vorabstimmung heute gegen sie stimmen werden. 16 Abgeordnete forderten in einem Brief, es sei Zeit für eine "neue Führung".

Schließlich habe man die Kongresswahlen mit einer "Botschaft des Wandels" gewonnen. Dagegen sei die Führungsspitze der Demokraten im Kongress seit 15 Jahren unverändert, zumal die beiden Stellvertreter Pelosis in der Fraktion ebenfalls fast 80 sind.

Persönlich habe sie ja gar nichts gegen Pelosi, betonte die neue Abgeordnete Abigail Spanberger aus Virginia. "Ich habe enormen Respekt vor ihr", sagt sie. "Sie hat uns den Weg bereitet. Aber wir brauchen neue Stimmen im Kongress und wir brauchen mehr überparteiliche Zusammenarbeit mit dem politischen Gegner."

 Inbegriff der "Latte-Macchiato-Linken"

Die Mehrheit der Pelosi-Kritiker bei den Demokraten kommt aus eher konservativen oder umkämpften Bundesstaaten. Für sie ist die Multi-Millionärin der Inbegriff der "Latte Macchiato-Linken": zu elitär und zu weit weg vom klassischen Arbeiter-Milieu der Partei.

Wenig hilfreich für Pelosi war auch das vergiftete Lob aus dem Mund von US-Präsident Donald Trump, er würde Pelosi "helfen, wenn sie noch Stimmen braucht. Ich mag sie. Sie ist stark und klug. Sie hat es verdient, Speaker zu werden." Für Trump wäre die Parteilinke im Wahlkampf 2020 eine ideale Angriffsfläche.

Der Rebellion fehlt ein Rebell

Dass sie sich am Ende wohl doch gegen ihre internen Kritiker durchsetzen wird, dafür hat sie hart gekämpft: Die gewiefte Taktikerin führte viele Vier-Augen-Gespräche, verteilte Geschenke in Form attraktiver Ausschussvorsitze, sodass es am Ende niemanden gab, der offiziell als Gegenkandidat gegen sie antreten wollte.

Der parteiinternen Rebellion fehlt ein Rebell an der Spitze, kommentierte die Parteienforscherin Amy Walter im Sender PBS. "Sie waren wie Generale, die voranstürmen und dann merken, dass ihnen niemand folgt", sagt Walter. Dadurch stehe Pelosi jetzt gestärkt da.

Selbst wenn sie in der parteiinternen Vorabstimmung heute mehr Gegenstimmen als erwartet bekommen sollte - spätestens bei der offiziellen Wahl im Januar werden sich die Reihen der Demokraten wieder schließen. Denn eine in sich zerstrittene Mehrheitsfraktion, die ihre eigene Führung abwatscht, würde nur Trump und die Republikaner stärken.

Nancy Pelosi und das Generationenproblem der Demokraten
Martin Ganslmeier, ARD Washington
28.11.2018 07:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. November 2018 um 05:06 Uhr.

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